Konferenz der adventistischen Kirchenleitung in Nordamerika zum Thema christlicher Nationalismus
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Kathmandu Nepal
Mittwoch, Okt. 21, 2026
„Adventisten blicken auf eine einzigartige Geschichte der Auseinandersetzung mit Religionsfreiheit, politischer Macht und dem Verhältnis zwischen Kirche und Staat zurück“, wird Michael W. Campbell, Leiter der Abteilung für Archive, Statistik und Forschung, vom Pressedienst der nordamerikanischen adventistischen Kirchenleitung NAD-News zitiert. „Anlässlich des 250-jährigen Bestehens der Vereinigten Staaten bietet uns diese Konferenz die Gelegenheit, diese Geschichte neu zu beleuchten und zu erörtern, wie ein glaubwürdiges öffentliches Auftreten der Adventisten heute aussehen sollte.“
Hauptaussagen aus einigen Vorträgen der Konferenz
Die kirchenunabhängige Zeitschrift Adventist Today berichtete ausführlich über die Konferenz, nachstehend die Hauptaussagen einiger Vorträge:
Warren Throckmorton ist Autor und Referent mit den Schwerpunkten Psychologie, Geschichte und die politische Instrumentalisierung der amerikanischen Religionsgeschichte. Er ist Autor des Buches „The Christian Past That Wasn’t“ (2026), in dem er sieben christlich-nationalistische Annahmen über das Christentum der Gründerväter Amerikas unter psychologischen, ideologischen und historischen Gesichtspunkten unter die Lupe nimmt und sie als Mythen bezeichnet. Auf der „The Remnant & the Republic Research Conference“ stellte er sieben Behauptungen des christlichen Nationalismus historische Tatsachen gegenüber, die den Behauptungen widersprechen.
Behauptung 1: Amerika ist eine durch einen Bund begründete Heimat für europäische Protestanten. Tatsache: Amerika entstand durch Eroberung und Kolonisierung.
Behauptung 2: Amerika ist eine christliche Nation, weil die Kolonien Staatskirchen hatten. Tatsache: Die meisten amerikanischen Kolonien richteten zwar eine Staatskirche ein, sie wurden jedoch bald wieder abgeschafft.
Behauptung 3: Amerika ist eine christliche Nation, weil die Gründerväter rechtgläubige Christen waren. Tatsache: Die religiösen Überzeugungen der Gründerväter waren unterschiedlich und hatten kaum erkennbare Auswirkungen auf die Gründungsdokumente.
Behauptung 4: Die Gründerväter schufen Amerika, um eine christliche Regierung zu etablieren. Tatsache: Die Gründungsdokumente der Vereinigten Staaten trennen Kirche und Staat und etablieren eine säkulare Regierung, die Religionsfreiheit gewährleistet.
Behauptung 5: Die Gründungsdokumente der Vereinigten Staaten basieren auf der Bibel und dem Christentum. Tatsache: Die Gründungsdokumente wurden weder gezielt noch unmittelbar aus der Bibel und/oder dem Christentum abgeleitet, auch wenn bestimmte Werte mit denen des Christentums übereinstimmen.
Behauptung 6: Amerikas Tugenden rechtfertigen Amerikas Sünden. Tatsache: Jede vollständige Geschichte der Vereinigten Staaten wird detaillierte Schilderungen von Gräueltaten gegen Schwarze, indigene Völker, Einwanderer, Frauen und andere marginalisierte Gruppen sowie deren Widerstand angesichts der Unterdrückung enthalten.
Behauptung 7: Das Christentum sollte im staatlichen Bildungswesen gefördert werden. Tatsache: Der Erste Verfassungszusatz verbietet es, das Christentum in staatlichen Schulen gegenüber anderen Religionen zu bevorzugen. Bevorzugung führt zu Konflikten.
Douglas Morgan, adventistischer Kirchenhistoriker (u.a. an der Southern Adventist University, Collegedale/Tennessee) erklärte, er habe sein Buch Adventism and the American Republic: The Public Involvement of a Major Apocalyptic Movement bereits im Jahr 2001 in der Überzeugung verfasst, dass „die adventistische Eschatologie [Lehre von den letzten Dingen] eine Immunität gegen die nationalistische Versuchung geschaffen habe“. Er zeigte sich überrascht, dass die Ermordung des politisch-religiösen Aktivisten Charlie Kirk am 10. September 2025 gewisse Sympathien einiger bekannter adventistischer Verkündiger für christlich-nationalistische Auffassungen offenbarte. So wurde Kirk beispielsweise als Sabbathalter gelobt (Kirk war gleichwohl ein Befürworter von Gesetzen zum Schutz des Sonntags). Morgan bezeichnete derartige Tendenzen als „schleichenden Konstantinianismus“: die Tendenz, die Religion unter die Schirmherrschaft des Staates zu stellen (wie im Römischen Reich unter Kaiser Konstantin dem Großen geschehen).
Matthew Taylor (Gastdozent am Center on Faith and Justice der Georgetown University) zitierte Umfragen, nach denen 45 Prozent der amerikanischen Christen der Meinung seien, dass Amerika eine christliche Nation sein sollte, doch nicht alle von ihnen seien „Hardliner“. Seine größte Sorge gelte jenen, die der Ansicht sind, Christen sollten gegenüber anderen Religionen und Gemeinschaften privilegiert behandelt werden.
Taylor identifizierte drei Fraktionen der christlichen Vorherrschaftsideologie: Reaktionäre Katholiken, die gegen das Zweite Vatikanische Konzil eingestellt sind, wie beispielsweise das Opus Dei und Personen wie US-Vizepräsident J.D. Vance; „Dominionisten“, die der Ansicht sind, dass Amerika christliche Gesetze erlassen und das Land von Menschen säubern müsse, die weder weiß noch evangelikal sind (in der US-Regierung vertreten durch „Kriegsminister“ Pete Hegseth); unabhängige Charismatiker, die im Establishment der Republikanischen Partei durch Personen wie Paula White Cain vertreten seien.
Taylor sagte, dass diese drei Gruppen im Streit lägen. Die Punkte, an denen es zu Konflikten kam, waren der Gaza-Krieg, der Iran-Krieg und die Ermordung von Charlie Kirk. Als Beispiel führte er an: Die reaktionären Katholiken und die „Dominionisten“ neigten zum Antisemitismus, während die Charismatiker glauben, dass Israel einen besonderen Platz in biblischen Prophezeiungen über die Endzeit einnähme. Taylor ist der Ansicht, dass christlicher Nationalismus zu Spaltungen neigt und dass diese „Koalition“ nicht zusammenhalten wird.
Jeffrey Rosario (Historiker, Professor für Religionswissenschaft an der adventistischen Loma Linda University, Kalifornien) vertrat in seinem Vortrag die Auffassung, dass die Siebenten-Tags-Adventisten im Dialog mit dem christlichen Nationalismus entstanden seien und dass sie von Anfang an dagegen gewesen wären. Er erzählte eine Reihe Geschichten darüber, wie Freidenker und Atheisten im 19. Jahrhundert den Adventismus schätzten, weil sie nicht versuchten, das Christentum zu nationalisieren. Im Laufe der Zeit hätten sich die Adventisten von dieser starken, öffentlichen Ablehnung des christlichen Nationalismus entfernt. Rosario merkte an, dass Adventisten heute zum christlichen Nationalismus häufig schweigen oder ihn in manchen Situationen sogar zu unterstützen scheinen. In diesen Fällen würden sie ihr Erbe der Religionsfreiheit und der Trennung von Kirche und Staat verleugnen.
Adventisten in den USA
In den USA gibt es knapp 1,3 Millionen Siebenten-Tags-Adventisten die in 5.804 örtlichen Kirchengemeinden am Sabbat (Samstag) ihren Gottesdienst feiern. Weltweit gehören zur Freikirche 24,3 Millionen Mitglieder in 212 Ländern und Regionen.
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