Der weltweite Hunger nimmt wieder zu – Ernährungssicherheit muss Teil der Sicherheitspolitik sein

Der Welthunger-Index (WHI) 2026 bestätigt eine alarmierende Trendwende: Nach fast zwei Jahrzehnten deutlicher Fortschritte hat der weltweite Hunger seit 2018 wieder zugenommen. In 32 Ländern hat sich die Hungersituation verschlechtert. 57 Länder werden beim bisherigen Tempo bis 2030 nicht einmal ein niedriges Hungerniveau erreichen. Kriege und bewaffnete Konflikte, die Folgen der Klimakrise und wirtschaftliche Krisen verstärken sich gegenseitig. Der Bericht, den die Welthungerhilfe gemeinsam mit dem Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) der Universität Bochum und der Schweizer Organisation Helvetas herausgibt, beleuchtet den Zusammenhang zwischen Hunger und Sicherheit.

„645 Millionen hungernde Menschen weltweit sind ein Warnsignal. Sicherheit wird zu oft nur militärisch gedacht. Dabei ist Ernährungssicherheit eine Voraussetzung für Frieden und Stabilität. Kriege führen oft zu Hunger, und Hunger kann Konflikte weiter verschärfen. Gleichzeitig drohen die aktuellen Kriege auch weit entfernt von den Fronten noch mehr Menschen in den Hunger zu treiben“, betont Marlehn Thieme, Präsidentin der Welthungerhilfe.

Der Irankrieg und die Störungen der Schifffahrt durch die Straße von Hormus sowie die Eskalation rund um die Meerenge Bab al-Mandab lassen die Kosten für Diesel, Transporte und Düngemittel steigen. Zugleich drohen infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und eingeschränkter Getreideexporte über das Schwarze Meer weitere Preissteigerungen bei Weizen. Für Familien im Globalen Süden werden Lebensmittel damit kaum noch bezahlbar. 

Laut WHI ist die Entwicklung in Afrika südlich der Sahara besorgniserregend. Dort liegen sieben der acht Länder mit einem sehr ernsten Hungerniveau. Somalia weist den höchsten WHI-Wert auf und El Niño wird die Ernährungslage dort noch weiter verschärfen. Trotz dieser Trends zeigt der Bericht, dass Fortschritte möglich sind: In Ländern wie Uganda und Nepal ist der Hunger zurückgegangen. Politische Stabilität und kontinuierliche Investitionen in Ernährung, Gesundheit, Bildung und Sanitärversorgung tragen zu diesen Erfolgen bei. 

„Wer heute bei der Überwindung des Hungers und der Krisenvorsorge spart, riskiert morgen noch größere humanitäre Katastrophen und weitere Instabilität. Die Bundesregierung muss die Kürzungen bei Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe zurücknehmen und Ernährungssicherheit zum festen Bestandteil ihrer Außen-, Friedens- und Sicherheitspolitik machen. Dafür braucht es verlässliche, langfristige Investitionen in nachhaltige Landwirtschaft, widerstandsfähige Ernährungssysteme und soziale Sicherungssysteme. Zugleich muss Deutschland sich stärker für diplomatische Konfliktlösungen und die konsequente Einhaltung des humanitären Völkerrechts einsetzen“, fordert Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe. „Ich habe in Gaza selbst gesehen, wie sehr das Überleben der Menschen davon abhängt, ob humanitäre Hilfe sie erreicht“, unterstreicht Mogge.

Die Synopse sowie den englischen Bericht, Grafiken und Fotos finden Sie unter: https://www.welthungerhilfe.de/pressemappe-whi-2026 

Über Deutsche Welthungerhilfe e. V.

Die Welthungerhilfe ist eine der größten privaten Hilfsorganisationen in Deutschland; politisch und konfessionell unabhängig. Sie setzt sich mutig und entschlossen für eine Welt ohne Hunger ein. Seit ihrer Gründung am 14.12.1962 wurden 13.424 Auslandsprojekte in rund 72 Ländern und Gebieten mit 5,76 Milliarden Euro gefördert. Die Welthungerhilfe arbeitet nach dem Grundprinzip der Hilfe zur Selbsthilfe: von der schnellen Katastrophenhilfe über den Wiederaufbau bis zu langfristigen Projekten der Entwicklungszusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnerorganisationen.

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