Extreme Hitze: Rettungsdienst rückte an einem Tag 110-mal aus
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Donnerstag, Juli 9, 2026
Nils Freitag, er ist im Sachgebiet Rettungsdienst in der Vogelsberger Kreisverwaltung tätig, hat sich die Einsatzzahlen der Leitstelle, aber auch Daten aus Notfallprotokollen und dem Reanimationsregister genauer angeschaut und die Hitzeperiode eingeteilt in normale Tage – das sind die bis zu einer Temperatur von 28 Grad – und in Hitzetage mit mehr als 28 Grad. Davon gab es übrigens elf im Juni im Vogelsbergkreis.
„Die Auswertung zeigt deutlich, was die Einsatzkräfte vor Ort gespürt haben: Extreme Hitzeperioden sind längst keine reinen Komfortprobleme mehr, sondern eine handfeste, vitale Bedrohung für die Gesundheit der Bevölkerung und eine enorme Belastungsprobe für die kritische Infrastruktur“, kommentiert Kreisbrandinspektor Marcell Büttner die Ergebnisse.
In der Tat: Es ist eine deutliche Steigerung der Einsatzzahlen während der Hitzetage sichtbar. Während an einem normalen Tag durchschnittlich 67 Einsätze gefahren werden, waren es in der Hitzeperiode im Durchschnitt 80 – ein Plus von 20 Prozent. Am 25. und 28. Juni waren es sogar mehr als 110 Einsätze.
Auch der Notarzt musste aufgrund der Schwere der Erkrankungen öfter mit ausrücken. Normalerweise fährt er 19 Einsätze am Tag, an den heißen Juni-Tagen waren es durchschnittlich 27 und damit ein Plus von 42 Prozent. Unterstützung für die Retter gab es durch Kollegen, die in ihrer dienstfreien Zeit noch ehrenamtlich im Rettungswagen unterwegs waren. „Mit dieser Rettungsdienstverstärkung haben wir ein sehr zuverlässiges und starkes System, das uns sehr gut unterstützt – in diesem Fall übrigens mit einem Plus von 73 Prozent“, betont Nils Freitag.
„Hitzeerschöpfung beziehungsweise Hitzschlag mit Schwindel und Kreislaufproblemen kamen häufig vor“, erläutert Freitag mit Blick auf die spezifischen Krankheitsbilder. Einige Patienten erlitten gar einen Kollaps, brachen zusammen und waren kurze Zeit bewusstlos. Andere klagten über einen viel zu niedrigen Blutdruck und gerade ältere Menschen dehydrierten, weil sie zu wenig getrunken hatten, zählt er weiter auf. Insgesamt waren an Spitzentagen 24 Prozent der Rettungsdiensteinsätze auf die Hitze zurückzuführen. Zudem gab es mehr präklinische Reanimationen (plus 25 Prozent) und mehr Todesfälle (plus 38 Prozent).
„Ein Anstieg von rettungsdienstlichen Einsätzen in dieser Summe macht deutlich, dass wir hier an Belastungsgrenzen stoßen. Dass an Spitzentagen fast jeder vierte Einsatz direkt auf die Hitze zurückzuführen war, nimmt uns als Gefahrenabwehr in die Pflicht, vorausschauend zu handeln“, betont Kreisbrandinspektor Büttner und kündigt an: „Wir nehmen diese Daten als klaren Auftrag an, wir werden uns im Team der Einsatzplanung unverzüglich daran machen, einen speziellen Einsatzplan Hitze zu erarbeiten. Ziel ist es, durch ein modulares Eskalationssystem personelle und organisatorische Ressourcen künftig dynamisch an Hitzewarnungen anzupassen, bevor das System überlastet wird.“
Marcell Büttner dankt allen Retterinnen und Rettern, den Disponenten der Leitstelle sowie den Kräften der Rettungsdienstverstärkung, die trotz extremer eigener Wärmebelastung die „lückenlose Notfallversorgung im Vogelsbergkreis sichergestellt haben“. Schon sehr bald könnten alle wieder gefordert sein – laut Wettervorhersage rollt die nächste Hitzewelle an.
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