Effizientere Energienetze, deutlich höhere Kapazitäten zur Erzeugung und Speicherung von Strom und dazu neue Geschäftspotenziale unter dem Motto „Nachhaltiger. Digitaler. Produktiver.“ Mit diesen Vorgaben will die EVN ihr operatives Geschäft bis zum Ende des Jahrzehnts ganz auf die Transformation des Energiesystems ausrichten. Dafür nimmt der Energiekonzern aus Niederösterreich reichlich Geld in die Hand. Eine Milliarde Euro jährlich will die EVN bis 2030 in den Ausbau von Geschäftsfeldern investieren. Im Einzelnen handelt es sich um Windkraft, Photovoltaik, Batteriespeicher, Netzinfrastruktur, E-Ladestationen und Trinkwasserversorgung.
Damit hebt das Management der EVN die Investitionen gegenüber dem Vorjahr erneut an. Im Geschäftsjahr 2024/25, das am 30. September endete, hatten die Investitionen mit 909,8 Millionen Euro einen neuen historischen Höchstwert erreicht und den Vorjahresbetrag von 753,0 Millionen Euro deutlich übertroffen. 80 Prozent der Investitionen gehen in den Heimatmarkt Niederösterreich. Das größte Bundesland der Alpenrepublik ist landesweiter Spitzenreiter bei der Stromerzeugung aus Wind und Sonne. Etwa 50 Prozent aller Windräder und 25 Prozent aller PV-Anlagen in Österreich sind im Netzgebiet der EVN angesiedelt. Die restlichen 20 Prozent will die EVN vor allem in Bulgarien und Nordmazedonien investieren, wo der Konzern seit 2005 bzw. 2006 tätig ist.
Rund drei Milliarden Euro sollen im Zeitraum 2024 bis 2030 in die Strom-Verteilnetzinfrastruktur in Niederösterreich fließen. Der Fokus der Investitionen liegt hier zum einen auf der Errichtung zusätzlicher Umspannwerke und Transformatoren. Zum anderen werden Nieder- und Mittelspannungsleitungen ausgebaut, um die steigende und immer volatilere Erzeugung aus erneuerbaren Energien ins Netz zu integrieren. Parallel dazu wird die Digitalisierung der Netzinfrastruktur beschleunigt.
Ein weiterer Schwerpunkt ist der Ausbau von Batteriespeichern an den Wind- und PV-Standorten. Es geht dabei nicht nur um den Ausgleich von Lastspitzen und die Entlastung des Netzbetriebs. Der Strom aus Überschussproduktion durch Windräder und PV-Anlagen wird vorübergehend eingespeichert und dann vermarktet, sobald die Nachfrage wieder steigt und sich bessere Preise erzielen lassen. Bis 2030 will die EVN eine Batteriespeicherkapazität von 300 MW errichten, davon rund 200 MW in Niederösterreich. Dafür wird sie auch die großen Kraftwerksstandorte Theiss und Dürnrohr mit entsprechend guter Netzanbindung nutzen.
Im Geschäftsfeld Fernwärme sind rund 450 Millionen Euro vorgesehen für die Umsetzung der bis 2030 geplanten Projekte. Die EVN will damit ihre Position als Österreichs größte Naturwärmeversorgerin weiter ausbauen. Die Ausgaben gehen in den Bau von neuen Großwärmepumpen und Biomasseheizkraftwerken sowie in die Verdichtung der Fernwärmenetze, aber auch in Leistungserweiterungen bei bestehenden Anlagen. Zukünftig soll auch die Tiefen-Geothermie einen Beitrag zur Fernwärmeversorgung leisten. Um geeignete Standorte für diese heimische erneuerbare Energiequelle zu identifizieren, startet die EVN in diesem Herbst eine umfangreiche Untersuchungskampagne. Im Bereich Trinkwasserversorgung will das Unternehmen wiederum in den Ausbau der überregionalen Transportleitungen investieren.
Neben dem Fokus Erneuerbare Energien haben die Investitionen für die EVN auch einen strategischen Faktor. „Abgesehen von leistungsfähigeren Netzen und Energiespeichern schaffen wir mehr Unabhängigkeit durch regionale Energieerzeugung“, erläutert Finanzvorständin Alexandra Wittmann. „Dadurch verringern wir die Abhängigkeit von internationalen Märkten.“ Ein sehr hoher Anteil der Investitionen ist taxonomiekonform, also ökologisch nachhaltig im Sinn der EU-Taxonomie-Verordnung. Im Geschäftsjahr 2024/25 waren es bereits 89,1 Prozent, was innerhalb der Energiebranche ein sehr hoher Wert ist.
Trotz des ambitionierten Investitionsprogramms legt die EVN großen Wert auf die Wahrung ihrer hohen Bonität. Erklärtes Ziel sind Ratings „im soliden A-Bereich“, die den langfristigen Zugang zu Kapital zu attraktiven Konditionen ermöglichen. Die jüngsten Entscheidungen der Ratingagenturen untermauern dieses Ziel: Moody’s bestätigte im April 2026 das A1 Rating für die EVN, Scope Ratings folgte im Mai 2026 mit der Bestätigung des A+ – jeweils mit stabilem Ausblick.
Für das laufende Geschäftsjahr 2025/26 hat der Energieversorger bei Vorlage der Halbjahreszahlen Ende Mai den Ausblick für das laufende Geschäftsjahr bestätigt. Das Konzernergebnis wird dabei in der Bandbreite von etwa 430 Millionen bis 480 Millionen Euro erwartet. Konkret Aufschluss darüber, wie sich das Geschäft im laufenden Geschäftsjahr entwickelt, werden die nächsten Quartalsergebnisse liefern, die die EVN am 27. August für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres präsentieren wird.
Als langfristige Zielsetzung nennt die EVN für das Geschäftsjahr 2029/30 ein EBITDA in der Bandbreite von etwa 1,1 Milliarden bis 1,2 Milliarden Euro. Ausgehend von den 909,1 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2024/25 entspricht das untere Ende dieses Korridors einem jährlichen Wachstum von im Schnitt vier Prozent. Schafft es die EVN, in den nächsten Jahren durch die Milliardeninvestitionen das organische Wachstum voranzutreiben und beim operativen Gewinn stärker als beim Umsatz zu wachsen, ist das Unternehmen für Anleger ein attraktiver Mid Cap aus der europäischen Energiebranche.
Mit einem 2027er-KGV von unter 12 ist die EVN-Aktie deutlich niedriger bewertet als ihre deutschen Pendants RWE (18) und E.ON (16). Aber nicht nur bewertungstechnisch, sondern auch hinsichtlich der Profitabilität schneidet die EVN besser ab: 30 Prozent operative EBITDA-Marge fuhr der Energiekonzern im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024/25 ein und hängte RWE (28 Prozent) und vor allem E.ON (12,5 Prozent) hier deutlich ab.
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EVN
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