Stellenmarkt mit Überraschungen
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Mittwoch, Juni 24, 2026
Den verhaltenen Optimismus am Arbeitsmarkt Ende letzten Jahres machten geopolitische Konflikte, Ankündigungen von Stellenabbau und steigende Arbeitslosenzahlen wieder zunichte. Der Stellenmarkt ergibt ein uneinheitliches Bild: In manchen Tätigkeitsbereichen ist der Anteil an Stellenangeboten gesunken. In anderen, in denen Fachleute einen Rückgang erwarten würden, ist er hingegen gestiegen. Arbeitgeber suchen trotz konjunktureller Schwäche weiterhin viele Fachkräfte im gewerblich-technischen Bereich und in Metallberufen, beispielsweise Elektronikerinnen und Elektroniker oder Maschinen- und Anlagenführer. Zudem hat sich der Stellenmarkt für Ingenieure und IT-Fachkräfte aufgehellt. Obwohl kaum ein Thema so heiß diskutiert wird wie der Einsatz künstlicher Intelligenz, zeigt die Analyse von 9.301 Stellenangeboten: KI ist zwar in aller Munde, taucht in Anforderungsprofilen jedoch bislang nur selten auf.
Für den DEKRA Arbeitsmarktreport werden seit 2008 Stellenangebote analysiert, um herauszufinden, welche Fachkräfte besonders gesucht werden und welche Kompetenzen sie dafür benötigen.
Top-10-Berufe: Comeback der Wirtschaftswissenschaftler
Die vordersten Plätze im Gesamtranking belegen unverändert Elektroniker sowie Gesundheits- und Krankenpflegekräfte. Allerdings ist bei beiden Berufen der Anteil gegenüber 2025 spürbar gesunken. Eine Überraschung auf dem dritten Platz: Wirtschaftswissenschaftler befinden sich erstmals seit 2018 wieder unter den Top-10-
Berufen. Die gestiegene Nachfrage hängt unter Umständen mit der wachsenden Bedeutung von Daten sowie der Transformation zusammen. Betriebswirte sind in der Lage, Strategien zu entwickeln, Risiken zu bewerten oder Prognosen zu treffen.
Menschen mit Empathie benötigt
Wer Erfahrung in der Betreuung von Kindern und älteren Menschen hat, muss sich keine Jobsorgen machen. Erzieherinnen und Erzieher werden händeringend gesucht und belegen die vierte Position im Gesamtranking aller Berufe (2025: 11). Mit dem steigenden Altersdurchschnitt der Bevölkerung steigt auch die Nachfrage nach Hauspflegekräften; sie sind so gefragt wie nie und erstmals unter den Top 10. Auch ein Studienabschluss in Sozialpädagogik macht sich bezahlt: Sozialpädagoginnen und -pädagogen zählen zum zweiten Mal in Folge zu den am häufigsten gesuchten Fachkräften.
Praktische Fähigkeiten sind gefragt
Deutschland befindet sich in einer konjunkturellen Schwächephase. Und dennoch sind vier gewerblich-technische Berufe vorn mit dabei. Maschinen- und Anlagenführer sind um zwei Positionen vorgerückt und auch für Produktionskräfte gibt es viel zu tun. Staplerfahrer haben sich unter den Top 10 etabliert, wo sie nun das vierte Jahr in Folge vertreten sind. Eventuell spielt bei der Nachfrage nach gewerblich-technischem Personal eine Rolle, dass in diesem Bereich viele ältere Beschäftigte nach und nach den Arbeitsmarkt verlassen.
Die Top-10-Berufe bilden nur die Spitze des Eisberges. In vielen anderen Bereichen werden ebenfalls dringend Fachkräfte gesucht, und es gibt weiterhin Engpässe.
Trotz KI: Hoher Bedarf in der Sachbearbeitung
Sieben der zehn Tätigkeitsbereiche mit dem höchsten Anteil an der Gesamtstichprobe liegen über ihrem langjährigen Durchschnittswert. Gesundheits- und Pflegeberufe haben spürbar an Gewicht verloren; allerdings gleichen sie nur den überdurchschnittlich starken Zuwachs im letzten Jahr aus.
Der Stellenanteil von Sachbearbeitungsberufen war seit 2008 nur zweimal noch höher als aktuell. Am häufigsten suchen Arbeitgeber Sachbearbeiterinnen und -bearbeiter, ohne eine bestimmte Spezialisierung zu nennen (Platz 12). Ebenso haben Personalfachkräfte sowie Kaufleute für Speditions- und Logistikdienstleistungen eine größere Jobauswahl als 2025.
Aufwind für Ingenieure und ITler
Am Ingenieur- und IT-Stellenmarkt hat sich die Situation verbessert; beide Tätigkeitsbereiche haben ihren Tiefststand vom letzten Jahr überwunden. Architektinnen und Architekten haben die Top-10-Berufe knapp verfehlt und teilen sich den elften Platz mit Softwareentwicklern. Zum Vergleich: 2025 befanden sie sich auf Platz 18 bzw. 23. Auch der Anteil von Jobangeboten für Elektroingenieure ist wieder gestiegen, sie sind auf Platz 19 vorgerückt (2025: 33).
Trotz Krise: Metallberufe mit Zuwachs
Metallberufe hatten seit 2008 nur einmal einen noch höheren Anteil an der Gesamtstichprobe als aktuell. Beste Jobaussichten haben Schweißerinnen und Schweißer: Der Beruf ist so weit vorn platziert wie noch nie seit Erhebungsbeginn (Platz 13). Kein Wunder, er zählt zu den wenigen Berufen, bei denen sich 2025 die Fachkräftelücke weiter vergrößert hat. Im Gesamtranking folgen Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik dicht dahinter.
KI kaum präsent
Trotz der zunehmenden Verbreitung taucht das Thema KI in Stellenangeboten überraschend selten auf. Nur in vergleichsweise wenigen Jobbeschreibungen fand sich der Hinweis, dass die zukünftigen Beschäftigten mit KI arbeiten werden oder entsprechende Kenntnisse benötigen (1,8 %). Zwei Tätigkeitsbereiche heben sich hier ab: Mehr als jede zehnte Offerte in der IT sowie im Bereich Information und Gestaltung enthielt entsprechende Angaben (13,5 bzw. 11,1 %). Alle anderen liegen weit dahinter.
„Der geringe Stellenwert von KI in Anforderungsprofilen darf nicht darüber hinwegtäuschen: Unternehmen stehen mitten in der Transformation,“ erklärt Katrin Haupt, Geschäftsführerin der DEKRA Akademie. „Personalentwicklung muss KI als Veränderung von Arbeit verstehen – und Mitarbeitende befähigen, diese aktiv und verantwortungsvoll mitzugestalten.“
Inhalte des DEKRA Arbeitsmarktreports 2026:
Im Erhebungszeitraum Ende Februar 2026 wurden 9.301 Stellenangebote in zwei Online-Jobbörsen ausgewertet. Der Report beinhaltet eine/n …
Die Ergebnisse und Analysen des DEKRA Arbeitsmarktreports 2026 finden sich unter www.dekra-arbeitsmarktreport.de
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