Der Birdwatch ist eine gemeinsame Aktion der Partner im Netzwerk BirdLife International. In Deutschland tragen NABU und der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern die Exkursionen, europaweit sammelt BirdLife Slowakei die Ergebnisse und veröffentlicht sie wenige Tage nach dem Wochenende.
Wofür der EuroBirdwatch jedes Jahr Beobachter in ganz Europa mobilisiert
Die europäische Bilanz des Vorjahres gibt den Maßstab vor. Laut BirdLife International, das die Ergebnisse am 10. Oktober 2025 veröffentlicht hat, nahmen am 4. und 5. Oktober 2025 mehr als 27.000 Menschen am EuroBirdwatch teil. Der Verband nennt für das Aktionswochenende 2025 vier Kennzahlen:
- 29 nationale BirdLife-Partner in Europa und Zentralasien richteten mehr als 800 Veranstaltungen aus.
- Die Teilnehmer meldeten zusammen mehr als 2,8 Millionen Vögel auf dem Weg in die Winterquartiere.
- Die höchste Zahl gezählter Vögel kam mit rund 1,235 Millionen aus Finnland, gefolgt von der Slowakei mit 422.408 und Schweden mit 277.641.
- Die drei häufigsten Arten waren Weißwangengans, Star und Buchfink.
Im Vergleich zum Vorjahr war die Zahl der gezählten Vögel gesunken: Für 2024 hatte BirdLife nach vorläufigen Zahlen von 29 Partnern 984 Veranstaltungen, 24.614 Teilnehmer und mehr als 3,57 Millionen Vögel gemeldet. Die Ergebnisse für das Wochenende vom 3. und 4. Oktober 2026 werden laut BirdLife in den Tagen nach der Aktion veröffentlicht.
Wo Kraniche im Oktober zu Hunderttausenden in Deutschland rasten
Die auffälligste Art der Zugzeit ist der Kranich. Nach Angaben von Kranichschutz Deutschland, einer gemeinsamen Einrichtung von NABU und Partnern mit Sitz im Erlebniszentrum Kranichwelten bei Stralsund, wurden in den vergangenen Jahren Herbstrastbestände von über 350.000 Vögeln in Deutschland ermittelt. Das entspricht laut der Organisation über 90 Prozent des Bestands der westeuropäischen Zugpopulation. Die Zahlen entstehen durch synchrone Zählungen an allen wichtigen Schlafplätzen, das herbstliche Rastmaximum wird in der Regel in der ersten Oktoberhälfte erreicht.
Ab Mitte September nehmen die Bestände nach Darstellung von Kranichschutz Deutschland deutlich zu, weil Vögel aus Skandinavien und Osteuropa zuziehen. Die Kraniche konzentrieren sich an Rastplätzen mit störungsarmen Flachwasserzonen von 20 bis 30 Zentimetern Tiefe, in denen sie nachts im Stehen schlafen: Boddengewässer und Windwatten an der Ostseeküste, geflutete Tagebaue, Torfstiche und wiedervernässte Moore. Der morgendliche Abflug beginnt mit der ersten Dämmerung, der abendliche Einflug zieht sich über ein bis zwei Stunden hin.
Wie nah ein Beobachter an rastende Kraniche herankommt
Die Fluchtdistanz rastender Kraniche liegt laut Kranichschutz Deutschland bei 150 bis 300 Metern. Heben alle Vögel die Köpfe, fühlen sie sich gestört und fliegen bei weiterer Annäherung auf; jedes Auffliegen kostet Energie, die die Tiere für den Weiterzug brauchen. Die Organisation empfiehlt deshalb, auf öffentlichen Straßen zu bleiben, aus dem Auto heraus zu beobachten und Feld- und Wirtschaftswege zu meiden. Für Fotos nennt sie Teleobjektive von mindestens 400 Millimetern Brennweite und untersagt Blitzlicht beim Einflug zum Schlafplatz. Wer bei Dämmerung mit langer Brennweite arbeitet, kommt ohne Stativ schnell an die Grenze der Belichtungszeit; welche Techniken für verwacklungsfreie Aufnahmen ohne Stativ helfen, beschreibt ein Beitrag des Fachportals.
Womit Beobachter nach dem Vogelgrippe-Herbst 2025 rechnen müssen
Der vergangene Herbst hat gezeigt, wie verletzlich der Zug ist. Laut dem Kranichzug-Ticker des NABU vom 26. November 2025 wurden allein auf der Hessenroute im Herbst 2025 insgesamt 285.000 ziehende Kraniche gezählt, zusammen mit der Route über Nordrhein-Westfalen dürften es mindestens 400.000 gewesen sein. Im selben Zeitraum wurden nach NABU-Angaben auf dem westlichen Zugweg mehr als 30.000 an der Vogelgrippe gestorbene Kraniche gefunden; der Verband schätzt, dass mindestens zehn Prozent der ziehenden Vögel der Krankheit zum Opfer fielen. Wie stark die Rastbestände im Oktober 2026 ausfallen, zeigen erst die Synchronzählungen dieses Herbstes.
„Ein Teleobjektiv ist in dieser Saison kein Werkzeug für das nähere Bild, sondern für den größeren Abstand. Wer die 300 Meter einhält, bekommt Vögel, die fressen und schlafen statt aufzufliegen. Das beste Foto vom Kranich ist das, für das kein Kranich Energie verloren hat“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.
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