Wie viele Ladepunkte braucht ein elektrischer Fuhrpark wirklich?

Die Anzahl der Fahrzeuge ist ein wichtiger Ausgangspunkt, um Ladeinfrastruktur für Flotten und Fuhrparks zu planen. Wie viele Ladepunkte tatsächlich benötigt werden, lässt sich daraus allein jedoch nicht ableiten. Für eine langfristig funktionierende Lösung müssen zahlreiche Faktoren berücksichtigt und aufeinander abgestimmt werden.

Die Planung reicht von den verfügbaren Stellplätzen über die Anforderungen verschiedener Fahrzeuge und Nutzer bis zur Energieversorgung und zum späteren Betrieb. Erst wenn diese Bereiche gemeinsam betrachtet werden, lässt sich entscheiden, wie die Ladeinfrastruktur dimnesioniert werden muss und welche Ladeleistungen benötigt werden.

STANDORT: WO KÖNNEN LADEPUNKTE ENTSTEHEN?

Nicht jeder vorhandene Parkplatz kann ohne Weiteres mit einem Ladepunkt ausgestattet werden. Eine fundierte Standortanalyse betrachtet die Anzahl und Lage geeigneter Stellplätze, die Möglichkeiten zur Installation sowie die Anbindung an die vorhandene Elektroinfrastruktur. Leitungswege und elektrische Verteilungen wirken sich auf Aufwand und Kosten aus.

Auch die Fahrzeugart spielt bei der Anordnung eine Rolle. Für Pkw, Transporter und Lkw werden unterschiedlich große Stellflächen benötigt. Bei einem Betriebshof mit schweren Nutzfahrzeugen muss zudem ausreichend Platz vorhanden sein, um die Ladehardware passend zu den Fahrzeugen zu installieren. Werden später weitere Ladepunkte benötigt, sollten mögliche Ausbauflächen und Leitungswege früh berücksichtigt werden.

FAHRZEUGE: WELCHER LADEBEDARF ENTSTEHT IM FUHRPARK?

Die Fahrzeugzahl sagt wenig darüber aus, welche Energiemengen geladen werden müssen. Dafür sind Fahrzeugart und Einsatz maßgeblich. Pkw mit moderater täglicher Fahrleistung stellen andere Anforderungen als Transporter im Lieferverkehr oder Lkw mit hohen Energiebedarfen.

Ein Transporter kann beispielsweise tagsüber unterwegs sein und nach der Rückkehr über Nacht laden. Wird dasselbe Fahrzeug für mehrere Touren oder im Schichtbetrieb eingesetzt, verkürzt sich die verfügbare Ladezeit. Bei E-Lkw sind Touren, benötigte Energiemengen und feste Abfahrtszeiten besonders eng mit dem Ladekonzept verbunden. Truck Charging benötigt deshalb eine eigene Auslegung und lässt sich nicht einfach aus einer Pkw-Lösung ableiten.

Für die Planung zählt jeweils, wie viel Energie ein Fahrzeug bis zu seinem nächsten Einsatz benötigt und welche Ladeleistung es technisch aufnehmen kann.

NUTZERGRUPPEN: WER SOLL ZUGANG ERHALTEN?

Ladeinfrastruktur an einem Unternehmensstandort kann neben dem Fuhrpark auch Mitarbeitenden, Kunden, Gästen oder externen Fahrenden zur Verfügung stehen. Diese Angebote sollten getrennt betrachtet werden: Betriebsfahrzeuge benötigen gegebenenfalls verlässlich verfügbare Ladeplätze, während für andere Nutzergruppen eigene Parkbereiche und Zugangsregeln vorgesehen sein können.

Die Zusammensetzung der Nutzergruppen beeinflusst damit nicht nur die Zahl und Verteilung der Ladepunkte. Sie entscheidet auch darüber, welche Ladevorgänge erfasst und abgerechnet werden müssen. Eine mögliche Freigabe für die Öffentlichkeit stellt weitere Anforderungen an Zugang und Betrieb und sollte bereits bei der Konzeption geprüft werden.

NUTZUNG: WANN WERDEN LADEPLÄTZE BENÖTIGT?

Erst der Blick auf den Tages- und Wochenverlauf zeigt, wie stark die Ladepunkte gleichzeitig beansprucht werden. Dafür werden Fahrzyklen, Ankunftszeiten, Standzeiten, Abfahrten und wiederkehrende Ladeintervalle betrachtet. Diese zeitlichen Muster sind ein Faktor für die benötigte Zahl der Ladepunkte – neben Stellplätzen, Fahrzeugbedarf und weiteren Nutzergruppen.

Unterschiedliche Ladefenster können sich ergänzen. Mitarbeitende könnten beispielsweise tagsüber laden, während Transporter nach ihren Touren über Nacht am Standort stehen. Ob Ladeplätze auf diese Weise mehrfach genutzt werden können, hängt von ihrer tatsächlichen Belegung und den betrieblichen Abläufen ab. Zudem müssen die Transporter bis zur nächsten Abfahrt ausreichend geladen sein. Bei Schichtwechseln oder kurzen Aufenthalten kann dagegen ein höherer Bedarf an gleichzeitig verfügbaren Anschlüssen entstehen.

ENERGIE UND LADETECHNIK: WELCHE LEISTUNG IST SINNVOLL UND VERFÜGBAR?

Die Wahl zwischen AC und DC hängt vom jeweiligen Einsatz ab. AC-Ladepunkte kommen häufig für Fahrzeuge mit längeren Standzeiten infrage. DC-Ladestationen sind dort zu prüfen, wo höhere Energiemengen innerhalb kürzerer Zeit geladen werden müssen. An einem Standort kann eine Kombination beider Lösungen sinnvoll sein.

Ebenso wichtig ist die Energieversorgung. Der Netzanschluss und die elektrische Anlage müssen im Zusammenhang mit den übrigen Verbrauchern des Standorts bewertet werden. Ein Lastmanagement kann die verfügbare Leistung auf gleichzeitig ladende Fahrzeuge verteilen und Prioritäten berücksichtigen. Ob die Fahrzeuge damit innerhalb ihrer Ladefenster genügend Energie erhalten, muss anhand der Last- und Nutzungsprofile geprüft werden.

Eine vorhandene oder geplante Photovoltaikanlage kann in das Energiekonzept eingebunden werden. Ihr Beitrag hängt davon ab, ob Stromerzeugung und Ladevorgänge zeitlich zusammenfallen. Auch Speicher oder künftig bidirektionales Laden können Optionen sein. Gerade beim bidirektionalen Laden sind geeignete Fahrzeuge, Ladehardware und Steuerung sowie der gesicherte Fahrzeugeinsatz Voraussetzungen; ein konkreter Nutzen muss gesondert bewertet werden.

BETRIEB: WIE FUNKTIONIERT DIE INFRASTRUKTUR IM ALLTAG?

Nach der Inbetriebnahme müssen Ladepunkte verwaltet und Ladevorgänge nachvollziehbar zugeordnet werden können. Welche Nutzer dürfen wo laden? Gelten unterschiedliche Tarife? Wie werden dienstliche, private und externe Ladevorgänge abgerechnet? Und wer reagiert, wenn ein Ladepunkt nicht verfügbar ist?

Diese Anforderungen gehören bereits in die Planung. Mit dem ET|Portal bietet ENERANDO eine Plattform für die Verwaltung von Nutzergruppen, Zugängen, Tarifen sowie Monitoring und Auswertung der Ladeinfrastruktur. Für größere Unternehmen ist außerdem wichtig, die beteiligten Bereiche früh einzubinden: Fuhrparkmanagement, technische Verantwortliche, Finance sowie – je nach Angebot – HR und IT bringen jeweils Informationen für die Umsetzung und den späteren Betrieb ein.

WIRTSCHAFTLICHKEIT UND AUSBAU: WAS FUNKTIONIERT AUCH LANGFRISTIG?

Eine wirtschaftliche Bewertung berücksichtigt mehr als die Anschaffung der Ladehardware. Installation und mögliche Anpassungen der Elektroinfrastruktur, Strombezug, Software, Wartung und Betreuung verursachen Kosten über die gesamte Betriebsdauer. Gleichzeitig sollte geklärt werden, welche Ladepunkte heute gebraucht werden und welche Voraussetzungen für weitere Fahrzeuge oder Nutzergruppen vorbereitet werden können.

Zusätzliche Erlöse können eine Rolle spielen, wenn geeignete Ladeplätze zeitweise externen Nutzern offenstehen. Denkbar ist das etwa an einem Standort, dessen Poolfahrzeuge bestimmte Plätze nachts nicht benötigen. Ob eine öffentliche Nutzung praktikabel und wirtschaftlich ist, hängt jedoch von Nachfrage, Zugänglichkeit, Betriebsaufwand und den geltenden Anforderungen ab. Sie ist eine mögliche Ergänzung des Konzepts, keine pauschale Einnahmequelle.

Die wichtigsten Fragen für die erste Planung

  • Standort: Welche Stellplätze lassen sich ausstatten, und welche Erweiterungen sind möglich?
  • Fahrzeuge: Welche Fahrzeugarten, Einsätze und Energiebedarfe sind zu berücksichtigen?
  • Nutzergruppen: Wer soll Zugang zur Ladeinfrastruktur erhalten?
  • Nutzung: Wann werden Fahrzeuge und Ladeplätze benötigt?
  • Energie und Ladetechnik: Welche Leistung ist verfügbar, und wo sind AC oder DC sinnvoll?
  • Betrieb: Wie werden Zugänge, Ladevorgänge und Abrechnung organisiert?
  • Wirtschaftlichkeit und Ausbau: Welche Investition ist heute angemessen und auf künftigen Bedarf vorbereitet?

„Die Zahl der Fahrzeuge ist nur eine von vielen Planungsgrößen. Entscheidend ist, wie Stellplätze, Ladebedarf und verfügbare Leistung im täglichen Betrieb zusammenwirken. Erst dann können wir beurteilen, welche Ladeinfrastruktur an einem Standort wirklich sinnvoll ist“, sagt Matthias Schmid, Geschäftsführer von ENERANDO Technologies.

ENERANDO unterstützt Unternehmen dabei, diese Fragen fundiert zu beantworten. Mit einem ersten Vor-Ort-Termin lässt sich der Standort zunächst einschätzen. Die anschließende Machbarkeits- und Standortanalyse betrachtet die technischen, baulichen und wirtschaftlichen Voraussetzungen im Detail. Darauf aufbauend entwickeln wir ein Konzept für Anzahl und Art der Ladepunkte, Energieversorgung, Lastmanagement, Software, Betrieb und mögliche Ausbaustufen.

Über die ENERANDO Technologies GmbH

ENERANDO Technologies mit Sitz in Garching bei München ist Beratungs- und Umsetzungspartner für professionelle Ladeinfrastruktur. Ziel des Unternehmens ist es, Elektromobilität an gewerblichen und gemeinschaftlich genutzten Standorten einfach nutzbar, wirtschaftlich tragfähig und dauerhaft betreibbar zu machen.

ENERANDO verbindet Beratung und technische Planung mit eigener, in Deutschland entwickelter und gefertigter AC-Ladehardware, der herstellerübergreifenden Integration von AC- und DC-Systemen sowie Software für Lastmanagement, Nutzerverwaltung, Abrechnung und Monitoring. Das Unternehmen verantwortet die technische Umsetzung einschließlich Installation und Inbetriebnahme und übernimmt je nach Leistungsmodell auch Betrieb, Wartung und Support.

Die Lösungen richten sich an Unternehmen und Gewerbestandorte, Hotels und Gastronomiebetriebe, die Immobilienwirtschaft einschließlich Hausverwaltungen und Wohnungseigentümergemeinschaften sowie Betreiber von Flotten und Fuhrparks – vom Pkw über Transporter bis zum E-Lkw und schweren Nutzfahrzeug. Abhängig von den Anforderungen können Projekte als Kauf-, Leasing- oder Betreibermodell realisiert werden. Damit schafft ENERANDO die technischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen, um die Mobilitäts- und Energiewende an den Standorten seiner Kunden praktisch umzusetzen.

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