Die Brandenburgische Ingenieurkammer (BBIK) setzte dabei einen besonderen Schwerpunkt auf zirkuläres, modulares sowie serielles Bauen und Umbauen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie aus dem Anspruch einer ressourcenschonenden Bauweise konkrete Lösungen für die Planung und Umsetzung entstehen können.
„Weiterbauen statt wegwerfen bedeutet, den Bestand nicht als Einschränkung, sondern als Ressource zu verstehen. Damit das gelingt, braucht es eine genaue Analyse, technische Lösungen und den Mut, auch etablierte Planungs- und Bauprozesse neu zu denken“, sagt Matthias Krebs, Präsident der Brandenburgischen Ingenieurkammer. „Ingenieurinnen und Ingenieure verbinden dabei neue Technologien und Bauweisen mit den konkreten Anforderungen eines Projekts. Genau diese Verbindung zwischen Innovation und praktischer Umsetzbarkeit ist für eine nachhaltige Baupraxis entscheidend.“
Vom Materialkreislauf zur konkreten Baupraxis
Nachhaltigkeit im Bauwesen beginnt nicht erst mit der Wahl eines einzelnen Baustoffs. Sie betrifft den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks: von der Bestandsaufnahme und Planung über Konstruktion und Nutzung bis hin zu Umbau, Wiederverwendung und Rückbau.
Beim diesjährigen Tag des nachhaltigen Planens und Bauens richtete die BBIK den Blick deshalb auf Verfahren, die an unterschiedlichen Stellen dieses Kreislaufs ansetzen. Die Wiederverwendung von Baumaterialien kann Ressourcen und Abfälle reduzieren. Modulare und vorgefertigte Systeme können Bauprozesse verändern und eine flexible Anpassung an unterschiedliche Anforderungen ermöglichen. Serielle Ansätze eröffnen zugleich Möglichkeiten, Erfahrungen und technische Lösungen über einzelne Projekte hinaus zu nutzen.
Für die Ingenieurpraxis stellt sich dabei immer die Frage nach der konkreten Machbarkeit: Welche Materialien können tatsächlich wiederverwendet werden? Wie lassen sich vorhandene Bauteile in neue Konstruktionen integrieren? Welche technischen, statischen und bauphysikalischen Anforderungen sind zu berücksichtigen? Und wie können Planung und Vorfertigung so zusammenspielen, dass die gewünschten Vorteile auch in der Praxis entstehen?
Diese Fragen standen im Mittelpunkt des Programmteils „Zirkuläres, modulares sowie serielles Bauen und Umbauen – Wiederverwendung und Vorfertigung als Schlüssel nachhaltiger Baupraxis“. Fachleute aus der Praxis stellten unter anderem Ansätze zur Wiederverwendung von Baumaterialien sowie zu modularen und vorgefertigten Bausystemen vor.
Umbaukultur braucht Ingenieurkompetenz
Besonders deutlich wird die Bedeutung dieser Fragen beim Bauen im Bestand. Bestehende Gebäude verfügen über bereits gebundene Ressourcen, stehen aber häufig vor neuen Anforderungen. Nutzung, energetische Standards, Barrierefreiheit, Brandschutz oder technische Ausstattung müssen mit den vorhandenen Strukturen in Einklang gebracht werden.
Der Umbau wird damit zu einer komplexen Planungsaufgabe. Anders als beim Neubau ist der Bestand nicht vollständig planbar. Vorhandene Konstruktionen müssen untersucht, bewertet und in neue Konzepte integriert werden. Technische Entscheidungen haben dabei häufig Auswirkungen auf Kosten, Bauzeit, Nutzung und weitere Planungsbereiche.
Das Praxisbeispiel der Grundschule Wilhelm Gentz in Neuruppin zeigte, wie ein bestehender Schulbau erhalten und zugleich nachhaltig weiterentwickelt werden kann. Damit wurde ein zentraler Gedanke der Veranstaltung konkret: Nachhaltiges Bauen bedeutet nicht zwangsläufig, neu zu bauen. Es kann ebenso bedeuten, vorhandene Strukturen intelligent weiterzuentwickeln.
Kooperation bis 2028 verlängert
Dass diese Themen gemeinsam bearbeitet werden, ist auch Ergebnis einer seit 2014 bestehenden Kooperation. Das Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung, die Brandenburgische Ingenieurkammer und die Brandenburgische Architektenkammer haben die Kooperationsvereinbarung „Nachhaltiges Planen und Bauen in Brandenburg“ erneut verlängert. Sie gilt nun bis Ende 2028.
Für die BBIK ist die Fortsetzung der Zusammenarbeit ein wichtiger Rahmen für den kontinuierlichen fachlichen Austausch. Nachhaltiges Bauen lässt sich nicht allein durch politische Zielsetzungen erreichen. Es braucht den Austausch zwischen Verwaltung, Planung, Wissenschaft und Bauwirtschaft und insbesondere den Transfer von Erkenntnissen in die konkrete Planungspraxis.
„Die Herausforderungen des nachhaltigen Bauens sind komplex. Es geht um Ressourcen, aber ebenso um technische Qualität, Wirtschaftlichkeit, Dauerhaftigkeit und die Anforderungen an die Nutzung. Deshalb brauchen wir den Dialog zwischen den verschiedenen Disziplinen“, so Matthias Krebs. „Als Ingenieurkammer wollen wir dazu beitragen, dass neue Ansätze nicht bei der Idee stehen bleiben, sondern in der Baupraxis ankommen.“
Die Verlängerung der Kooperationsvereinbarung schafft dafür bis 2028 einen gemeinsamen Rahmen. Der Brandenburgische Tag des nachhaltigen Planens und Bauens bleibt dabei ein zentraler Ort für den fachlichen Austausch und für den Blick auf Lösungen, die bereits heute zeigen, wie sich der Wandel des Bauens konkret gestalten lässt.
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