Eine ausgewogene Ration ist entscheidend
Viele Tierhaltende entscheiden sich für die Fütterung mit Rohmaterialien: rohem Fleisch, Innereien und Knochen, weil sie diese als besonders naturnah empfinden oder sich davon eine Ernährung versprechen, die den natürlichen Fressgewohnheiten ihrer Tiere möglichst nahekommt. Damit Hunde und Katzen langfristig gesund bleiben, muss die Ration sorgfältig geplant werden. Eine bedarfsgerechte Versorgung mit Energie, Eiweiß, Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen ist unerlässlich. Fehler bei der Zusammenstellung können zu einer Unter- oder Überversorgung mit wichtigen Nährstoffen führen und schwere gesundheitliche Folgen haben. Dies betrifft insbesondere die Versorgung mit den Spurenelementen wie Kupfer, Zink und Jod, die Vitamine A und D sowie das Kalzium-Phosphor-Verhältnis. Für Katzen ist die Aminosäure Taurin essenziell. Verfütterung von Innereien, die Schilddrüsengewebe enthalten (sog. Schlund) kann bei Hunden zu einer Erhöhung der Schilddrüsenwerte führen. Eine tierärztliche Ernährungsberatung kann helfen, den individuellen Bedarf des Tieres zu berücksichtigen und Mangelerscheinungen vorzubeugen.
Krankheitserreger nicht unterschätzen
Neben einer ausgewogenen Nährstoffversorgung muss auch auf die Sicherheit der verwendeten Lebens- bzw. Futtermittel besondere Aufmerksamkeit gelegt werden. Rohes Fleisch kann mit Krankheitserregern belastet sein. Dazu zählen Bakterien wie Salmonellen, Campylobacter oder bestimmte Escherichia-coli-Stämme sowie Parasiten wie der Hundebandwurm oder Toxoplasmen, die potenziell auch für den Menschen gefährlich sein können.
Auch Viren können über rohes Fleisch übertragen werden. Ein aktuelles Beispiel ist die hochpathogene Aviäre Influenza (HPAI, Geflügelpest). In den vergangenen Jahren wurden vor allem in Asien und den USA, aber auch in einigen europäischen Ländern, Infektionen mit diesem Virus bei Katzen nach dem Verzehr von kontaminiertem rohem Geflügel oder entsprechenden Rohfuttermitteln beschrieben. Hunde gelten als weniger empfänglich, Infektionen wurden hier zumeist auf Kontakt mit toten Wildvögeln zurückgeführt.
Wegen möglicher Kontaminationen mit dem Virus der Aujeszky´schen Krankheit sollten Hunde und Katzen grundsätzlich kein rohes Schweinefleisch erhalten. Zwar ist die Erkrankung in deutschen Schweinebeständen seit langem getilgt, in anderen europäischen Ländern und bei Wildschweinen kommt sie jedoch noch vor. Für den Menschen ist dieses Virus ungefährlich, für Hunde und Katzen aber eine tödliche Bedrohung. Besonders gefährdet sind Jagdhunde, die Kontakt zu erlegten Tieren haben oder gar Fleisch oder Innereien von diesen erhalten.
Hygiene und Parasitenprophylaxe gehören dazu
Wer sich für die Rohfütterung entscheidet, sollte auf eine sorgfältige Hygiene bei Lagerung, Zubereitung und Fütterung achten. Fleisch sollte aus zuverlässigen Quellen stammen sowie sachgerecht gekühlt oder gefroren gelagert werden. Arbeitsflächen, Näpfe und Küchenutensilien sind nach Kontakt mit rohem Fleisch gründlich zu reinigen. Auch das gründliche Waschen der Hände mit warmem Wasser und Seife gehört dazu.
Wenn man das Fleisch durch Einfrieren „parasitenfrei“ machen will, ist es wichtig darauf zu achten, dass es mindestens 1 Woche bei -17° bis -20°C tiefgefroren bleibt. Nur so können enthaltene Parasitenstadien sicher abgetötet werden.
Darüber hinaus haben Hunde und Katzen, die mit rohem Fleisch gefüttert werden, besondere Anforderungen an die Parasitenprophylaxe. Entwurmungsmaßnahmen sollten regelmäßig überprüft und individuell an das Tier angepasst werden. Die tierärztliche Praxis kann hierzu beraten und einen geeigneten Prophylaxeplan empfehlen.
Gut informiert füttern
Die Fütterung mit rohem Fleisch kann eine geeignete Ernährungsform für Hunde und Katzen sein – vorausgesetzt, die Rationen sind ausgewogen zusammengestellt und grundlegende Hygieneregeln werden konsequent eingehalten. Ebenso wichtig sind eine an die Fütterung angepasste Parasitenprophylaxe sowie regelmäßige tierärztliche Kontrollen. Wer sich im Vorfeld gut informiert und fachlich beraten lässt, schafft die besten Voraussetzungen für eine sichere und bedarfsgerechte Ernährung seines Tieres.
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