Der Weg ist das Ziel

Veränderung in Kliniken wird häufig vom gewünschten Ergebnis her gedacht: Ein neuer Prozess soll eingeführt, die Zusammenarbeit verbessert oder eine neue Arbeitsweise etabliert werden. Dafür werden Ziele definiert, Maßnahmen geplant und Verantwortlichkeiten festgelegt.

Doch erfolgreiche Veränderung beginnt nicht erst mit dem Erreichen des Ziels.

Der Weg dorthin entscheidet wesentlich darüber, ob Veränderung überhaupt gelingt.

Soll ein Veränderungsvorhaben erfolgreich sein, muss es zielorientiert geplant und gesteuert werden. Besonders stimmig und einleuchtend ist der Veränderungsprozess, wenn bereits auf dem Weg zum Ziel Elemente des gewünschten Ergebnisses enthalten sind.

Ein einfaches Beispiel: Soll in einer Klinik die hierarchie- und berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit verbessert werden, muss genau diese Zusammenarbeit bereits im Veränderungsprozess stattfinden.

Es wäre widersprüchlich, Mitarbeitende getrennt nach Berufsgruppen und Hierarchieebenen mit standardisierten Fragebögen zu befragen und anschließend ein Konzept zu entwickeln, das mehr Austausch und gemeinsames Handeln fordert.

Stimmiger wäre ein Projektteam, das bewusst hierarchie- und berufsgruppenübergreifend zusammengesetzt ist, auf die Mitarbeitenden zugeht, zuhört und unterschiedliche Perspektiven zusammenführt.

Die angestrebte Veränderung wird damit nicht nur beschrieben – sie wird bereits praktiziert.

Das ist gerade im Klinikalltag entscheidend. Denn Mitarbeitende beurteilen Veränderungen nicht allein danach, was am Ende versprochen wird. Sie erleben sehr genau, wie mit ihnen auf dem Weg dorthin umgegangen wird.

Wer Beteiligung fordert, muss beteiligen.

Wer Eigenverantwortung stärken möchte, muss Verantwortung übertragen.

Wer bereichsübergreifende Zusammenarbeit verbessern möchte, muss Grenzen zwischen Bereichen bereits im Veränderungsprozess überwinden.

Und wer Prozesse am tatsächlichen Klinikalltag ausrichten möchte, muss diesen Alltag zunächst gemeinsam mit denjenigen betrachten, die ihn täglich erleben.

Dabei geht es nicht darum, jeden Veränderungsprozess möglichst demokratisch zu gestalten oder jede Entscheidung gemeinsam zu treffen. Es geht um etwas Grundsätzlicheres:

Die Methode der Veränderung muss zum Ziel der Veränderung passen.

Genau darin liegt eine häufig übersehene Chance. Veränderungsprozesse können nicht nur auf einen gewünschten Zustand hinführen. Sie können diesen Zustand bereits vorwegnehmen und erfahrbar machen.

Das schafft Verständnis, Glaubwürdigkeit und Akzeptanz.

Gerade angesichts des enormen Veränderungsdrucks, unter dem Kliniken heute stehen, ist das relevant. Wenn neue Strukturen, Prozesse und Arbeitsweisen eingeführt werden sollen, reicht es nicht, den Mitarbeitenden zu erklären, warum Veränderung notwendig ist.

Sie müssen erleben können, dass die Art und Weise, wie Veränderung gestaltet wird, zu dem passt, was sich verändern soll.

Der Weg selbst ist ein Teil des Ziels.

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