NIS 2.0 erfolgreich umsetzen: Die häufigsten Fehler in Krankenhäusern und Klinikgruppen vermeiden

Viele Krankenhäuser beschäftigen sich zunehmend mit den Anforderungen der NIS-2-Richtlinie. Firewalls werden modernisiert, die Multifaktor-Authentifizierung eingeführt und neue Sicherheitslösungen beschafft. Trotzdem zeigt unsere praktische Erfahrung immer wieder, dass viele Projekte nicht an der Technik scheitern. Die eigentlichen Probleme entstehen häufig durch fehlende organisatorische Entscheidungen oder falsche Prioritäten.

Gerade die Geschäftsführung trägt eine besondere Verantwortung. Sie muss dafür sorgen, dass Informationssicherheit nicht als reine Aufgabe der IT betrachtet wird, sondern als Führungsaufgabe. Wer somit typische Fehler früh erkennt, spart Zeit, vermeidet unnötige Kosten und schafft die Grundlage für eine dauerhaft wirksame Sicherheitsorganisation.

Ist NIS 2.0 wirklich nur ein Thema für die IT?

Diese Annahme gehört unmittelbar zu den häufigsten Fehlern. Natürlich spielt die IT eine zentrale Rolle. Doch NIS 2.0 betrifft die gesamte Krankenhausorganisation. Klinische Prozesse, Medizintechnik, Einkauf, Personal- und Rechnungswesen, Gebäudetechnik und externe Dienstleister müssen gleichberechtigt und gemeinsam betrachtet werden. Die Cyberangriffe treffen heute nicht nur Server oder Arbeitsplatzrechner. Sie können Behandlungsprozesse teilweise oder ganz beeinträchtigen.

Die Geschäftsführung sollte deshalb frühzeitig klare Verantwortlichkeiten schaffen. Nur wenn alle betroffenen Bereiche zusammenarbeiten, lassen sich Risiken wirksam steuern.

Warum Technik allein keine Sicherheit schafft

Viele Einrichtungen investieren zunächst in neue Sicherheitslösungen. Das ist wichtig, reicht jedoch nicht aus. Ein modernes Sicherheitssystem hilft wenig, wenn niemand weiß, wie im Ernstfall reagiert werden muss. Auch fehlende, nicht definierte Prozesse oder unklare Zuständigkeiten lassen sich nicht durch Software ersetzen.

Erfolgreiche Krankenhäuser und Klinikgrupppen verbinden technische Maßnahmen mit klaren Abläufen. Sie legen Verantwortlichkeiten fest, dokumentieren Entscheidungen und überprüfen regelmäßig, ob die vereinbarten Maßnahmen tatsächlich funktionieren.

Wer kennt eigentlich die größten Risiken?

Ein weiterer häufiger Fehler besteht darin, die vorhandenen Risiken (die teilweise gar nicht gesehen werden) nur oberflächlich zu betrachten. Nicht jede Schwachstelle stellt das gleiche Risiko dar. Gleichzeitig können unscheinbare Abhängigkeiten erhebliche Auswirkungen auf den Klinikbetrieb haben. Fällt beispielsweise ein zentraler Dienstleister aus oder wird eine wichtige medizinische Anwendung verschlüsselt, kann dies die Patientenversorgung unmittelbar beeinträchtigen.

Deshalb sollten die Verantwortlichen in den Krankenhäusern ihre kritischen Geschäftsprozesse genau kennen. Erst wenn klar ist, welche Systeme und Dienstleistungen für die Versorgung unverzichtbar sind, können angemessene Schutzmaßnahmen geplant werden.

Das Risikomanagement ist deshalb keine einmalige Aufgabe. Es muss systematisch und regelmäßig aktualisiert werden und dabei stets neue technische sowie organisatorische Entwicklungen berücksichtigen.

Werden Mitarbeitende ausreichend einbezogen?

Die Informationssicherheit funktioniert und lebt nur, wenn die Beschäftigten mitmachen. Viele Sicherheitsvorfälle beginnen mit einer scheinbar harmlosen E-Mail oder einem unachtsamen Klick. Das können wir aus unserer praktischen Erfahrung bestätigen. Trotzdem beschränken sich manche Einrichtungen beispielsweise auf eine jährliche Pflichtschulung.

Deutlich erfolgreicher sind die Krankenhäuser, die das Thema dauerhaft im Arbeitsalltag verankern. Kurze Informationskampagnen, aktuelle Beispiele aus dem Klinikbetrieb und auch regelmäßige Übungen erhöhen das Sicherheitsbewusstsein deutlich stärker und ausgeprägter als einzelne Schulungstermine.

Die Mitarbeitenden sollten außerdem wissen, an wen sie sich bei verdächtigen Beobachtungen wenden können. Wer Unsicherheiten früh meldet, hilft dabei, größere Schäden zu verhindern.

Welche Rolle spielen externe Dienstleister?

Kaum ein Krankenhaus arbeitet heute ohne externe IT-Dienstleister, Cloud-Anbieter oder vor allem Hersteller klinischer Systeme.

Genau hier entsteht häufig eine gefährliche Sicherheitslücke. Viele Einrichtungen verlassen sich einfach und fälschlicherweise darauf, dass ihre Partner alle Anforderungen bereits erfüllen. Tatsächlich bleibt die Verantwortung jedoch beim Krankenhaus.

Deshalb sollten beispielsweise bestehende Verträge regelmäßig überprüft werden. Die Sicherheitsanforderungen müssen eindeutig und klar vereinbart sein. Ebenso wichtig ist es, bestimmte Nachweise einzufordern und die bestehenden Risiken gemeinsam zu bewerten. Besonders bei kritischen Dienstleistungen sollte klar geregelt sein, wie im Störungsfall konkret zusammengearbeitet wird. Eine sogenannte vertrauensvolle Zusammenarbeit ersetzt keine Kontrolle.

Ist die Dokumentation nur eine lästige Pflicht?

Viele Verantwortliche empfinden Dokumentationen als zusätzlichen Aufwand. Tatsächlich sind sie ein entscheidender Bestandteil einer funktionierenden Sicherheitsorganisation. Wer Maßnahmen nicht oder nur unvollständig dokumentiert, kann später kaum nachweisen, warum Entscheidungen getroffen wurden oder welche Risiken bereits bewertet wurden. Gerade bei Audits oder Prüfungen führt das häufig zu vermeidbaren Problemen.

Eine gute Dokumentation unterstützt außerdem den Klinikalltag. Neue Mitarbeitende finden sich schneller zurecht, Vertretungen können Aufgaben übernehmen und Veränderungen lassen sich nachvollziehen.

Dokumentation schafft deshalb nicht nur Transparenz, sondern erhöht auch maßgeblich die Stabilität der Organisation.

Warum regelmäßige Überprüfungen unverzichtbar sind

Ein weiterer häufiger Fehler besteht darin, das Projekt „NIS 2.0“ nach der Einführung als abgeschlossen zu betrachten.

Die Cyberbedrohungen verändern sich ständig. Neue gesetzliche Anforderungen kommen hinzu, Systeme und Applikationen werden erweitert und organisatorische Abläufe ändern sich. Deshalb sollte die Geschäftsführung regelmäßig prüfen lassen, ob die Sicherheitsmaßnahmen noch wirksam und aktuell sind. Interne Audits, Managementbewertungen, Notfallübungen und Risikoanalysen liefern wertvolle Erkenntnisse und helfen dabei, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen.

Die Informationssicherheit muss sich kontinuierlich weiterentwickeln. Wer regelmäßig überprüft und verbessert, bleibt handlungsfähig und auf dem „Stand der Technik“.

Jetzt die richtigen Weichen stellen

Die NIS 2.0 verlangt keine perfekte Organisation vom ersten Tag an. Entscheidend ist, dass Krankenhäuser und Klinikgruppen strukturiert vorgehen und die Informationssicherheit dauerhaft als Führungsaufgabe verstehen.

Die häufigsten Fehler entstehen nicht durch fehlende Technik, sondern beispielsweise durch unklare Verantwortlichkeiten, unvollständige, nicht definierte Prozesse oder mangelnde Zusammenarbeit zwischen den Fachbereichen. Genau hier kann die Geschäftsführung den entscheidenden Unterschied initiieren und markante Impulse setzen.

Wer heute klare Prioritäten festlegt, Risiken transparent bewertet, Mitarbeitende einbindet und Sicherheitsmaßnahmen regelmäßig überprüft, stärkt nicht nur die eigene Compliance. Er schützt vor allem und in erster Linie die Stabilität des Krankenhausbetriebs und die Sicherheit der Patientenversorgung.

Adiccon unterstützt Krankenhäuser und Klinikgruppen dabei, die Anforderungen der NIS-2-Richtlinie praxisnah und nachhaltig umzusetzen. Mit praxis- und branchenerfahrenen Beratern – bei Bedarf auch in der Rolle des externen Informationssicherheitsbeauftragten – und bewährten Methoden begleiten wir unsere Kunden von der ersten Bestandsaufnahme bis zur kontinuierlichen Weiterentwicklung ihres Informationssicherheitsmanagements.

Über die Adiccon GmbH

Der Name Adiccon steht für "Advanced IT & Communications Consulting". Adiccon – seit 2005 erfolgreich am Markt – bietet Hersteller- und Lösungs-unabhängige Beratungs- und Dienstleistungen beim Einsatz der Informations- und Telekommunikationstechnologie für Großanwender, Mittelstand sowie für das Gesundheitswesen.

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