Mit Kochsalz die Energiespeicher der Zukunft bauen
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Dienstag, Juli 7, 2026
Peter E. Braun, CEO der Phenogy AG, treibt die Natrium-Ionen-basierte Energiespeichertechnologie voran – für eine stabile und unabhängige Energieversorgung.
Herr Braun, Sie sprechen von Natrium-Ionen als Paradigmenwechsel. Was unterscheidet diese Technologie fundamental von klassischen Lithiumsystemen?
Natrium-Ionen-Batterien bieten gegenüber Lithium-Ionen-Systemen vor allem geopolitische und sicherheitstechnische Vorteile. Lithium und Graphit werden von wenigen Ländern kontrolliert, Rohstoffe für Natrium-Batterien jedoch sind breit verfügbar und damit unabhängiger von globalen Lieferketten. Zudem gelten Natrium-Ionen-Batterien als thermisch stabiler und eignen sich besonders für stationäre Energiespeicher, bei denen das höhere Gewicht kaum eine Rolle spielt. Lithium-Technologien gelten seit Jahren als ausgereift – Natrium-Ionen-Batterien bringen aber etwas mit, das der Lithium-Welt fehlt: Sie sind heute bereits im Einsatz und stehen dennoch erst am Anfang ihrer Entwicklung. Ihre Stärken zeigen sie schon jetzt im Betrieb: hohe thermische Stabilität und sichere, spannungsfreie Lagerung. Bei Energiedichte und Kosten besteht weiterhin großes Entwicklungspotenzial. Mit europäischen Lieferketten und breit verfügbaren Rohstoffen können daraus Schritt für Schritt günstigere, nachhaltigere und resilientere Speichersysteme entstehen.
Was bedeutet Energiesouveränität konkret für Unternehmen, Kommunen und kritische Infrastruktur? Und wie zahlen Natrium-Ionen darauf ein?
Energiesouveränität bedeutet, selbstbestimmt über Erzeugung, Speicherung und Nutzung von Energie entscheiden zu können – und sich nicht länger von wenigen, geopolitisch verwundbaren Rohstoff- und Lieferkettenstrukturen abhängig zu machen. Dafür brauchen wir eine stabile und sichere Energieversorgung, belastbare Stromnetze und Technologien, auf die wir auch in Krisen verlässlich zugreifen können. Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien steigen die Anforderungen an die Netzinfrastruktur, denn Angebot und Nachfrage schwanken stärker. Dezentrale Energiespeicher gleichen diese Schwankungen aus, erhöhen die Netzstabilität und sichern im Falle von Störungen oder Ausfällen eine lokale Notstromversorgung. Sie stärken nicht nur die Versorgungssicherheit, sondern schützen Volkswirtschaften auch vor geopolitischen Lieferrisiken – etwa bei Lithium – und schaffen Spielraum für den steigenden Energiebedarf durch Rechenzentren, kritische Infrastruktur und Industrie.
In Bremen betreiben Sie Europas ersten Natrium-Ionen-Großspeicher.
Was zeigt dieses Projekt über die Marktreife und Praxisfähigkeit von dieser neuen Technologie?
Wir haben zunächst einen funktionierenden Speicher in einem realen Anwendungsprojekt umgesetzt und damit gezeigt, dass die Technologie praxistauglich ist: Der Speicher ist am Netz, versorgt eine Inselanlage, ist gekoppelt mit Solar und speist Ladestationen, die eine Fahrzeugflotte betreiben. Mittlerweile ist das System auch in Serie verfügbar, wir haben die Technologie kontinuierlich weiterentwickelt und effizienter gemacht.
Warum ist Dezentralität aus Ihrer Sicht die Systemlogik der Energiewende? Und wie verwandeln Speicher passive Verbraucher in aktive Gestalter?
Wir haben heute nicht mehr wenige große Kraftwerke, die aus Kohle, Gas und Nuklearenergie zentral kontinuierlich unser Stromnetz speisen, sondern eine dezentrale Erzeugung auch durch Solar- und Windenergie, die von sehr vielen Punkten aus ins Netz eingespeist wird. Dadurch steigen die Anforderungen an die Stromnetze, die für diese Schwankungen ursprünglich nicht ausgelegt waren. Batteriespeicher können überschüssige Energie aufnehmen, Lastspitzen ausgleichen und die Netzstabilität erhöhen und gleichzeitig die Versorgungssicherheit stärken und das Stromnetz unterstützen.
Unsere Vision ist es, zu den führenden Anbietern von Energiespeichern in Europa zu gehören und eine Alternative zur chinesischen Dominanz im Batteriemarkt zu schaffen.
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