Konjunktur im Handwerk der Region: Keine Frühjahrsbelebung, erheblicher Kostendruck

Die erhoffte Frühjahrsbelebung ist im Handwerk der Region Rhein-Neckar-Odenwald ausgeblieben. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald für das zweite Quartal 2026. Nach einem sehr schwachen Jahresbeginn hat sich die Geschäftslage zwar geringfügig gegenüber dem ersten Quartal verbessert – von einer echten Erholung kann jedoch keine Rede sein. Im Vorjahresvergleich verschlechterte sich die Lage deutlich. Der anhaltende Iran-Konflikt und die damit verbundenen Preissteigerungen bei Energie und Material belasten die Betriebe zusätzlich.

Geschäftslage nur noch knapp im positiven Bereich
Nur noch 37 Prozent der Betriebe bewerteten ihre Geschäftslage als „gut“ – im Vorjahresquartal waren es noch 52 Prozent. 21 Prozent bezeichneten die Lage als „schlecht“ (Vorjahresquartal: 11 Prozent). Der Geschäftslagenindex, der sich aus dem Saldo positiver abzüglich negativer Bewertungen ergibt, fiel von +41 auf +15 Punkte. Eine schwächere Lageeinschätzung in einem zweiten Quartal gab es in der Region zuletzt 2010. Der Konjunkturindikator stürzte von +24,9 auf +2,5 Punkte ab.

Aufträge brechen ein, Auslastung sinkt
Die Auftragsentwicklung hat sich über alle Gewerke hinweg verschlechtert. Auftragszuwächse meldeten nur noch 20 Prozent der Betriebe (Vorjahresquartal: 31 Prozent), ein Minus hingegen 38 Prozent (Vorjahresquartal: 28 Prozent). Der Auftragssaldo drehte von +3 auf -18 Punkte – eine schlechtere Lage in einem zweiten Quartal wurde zuletzt 2020 zu Beginn der Coronakrise gemessen. Der durchschnittliche Auftragsbestand reicht für 7,4 Wochen.

Der Anteil schwach ausgelasteter Betriebe mit höchstens 60 Prozent Kapazitätsauslastung hat sich im Jahresvergleich von 13 auf 31 Prozent mehr als verdoppelt. Nur noch 34 Prozent der Betriebe sind zu mehr als 80 Prozent ausgelastet.

Umsätze fallen, Kostendruck wächst
Lediglich 16 Prozent der Betriebe erzielten gestiegene Umsätze (Vorjahresquartal: 26 Prozent), während 36 Prozent ein Umsatzminus meldeten. Der Umsatzsaldo fiel auf -20 Punkte – so niedrig wie zuletzt im Corona-Jahr 2020.

Gleichzeitig berichten vier von fünf Betrieben (80 Prozent) von gestiegenen Einkaufspreisen – im Vorjahresquartal waren es 51 Prozent. Ihre Verkaufspreise erhöhen konnten nur 37 Prozent. Die wachsende Lücke zwischen Ein- und Verkaufspreisen setzt die Margen zunehmend unter Druck. Am stärksten betroffen: das Kfz-Handwerk mit 95 Prozent steigenden Einkaufspreisen und das Ausbaugewerbe mit 91 Prozent.

Beschäftigung und Investitionen unter Druck
Zwar hielten 79 Prozent der Betriebe ihre Belegschaft stabil, doch wo sich die Personalstärke veränderte, ging es vor allem nach unten: 17 Prozent bauten Stellen ab, lediglich 4 Prozent stellten ein. Per Saldo überwiegt der Personalabbau damit zum dritten Quartal in Folge. Für das kommende Quartal plant jeder zehnte Betrieb mit weiteren Einschnitten.

Die Investitionsneigung fällt auf den tiefsten Wert seit Anfang 2021: 33 Prozent der Betriebe planen mit Kürzungen, nur 14 Prozent mit Ausweitungen. Der Investitionserwartungssaldo verschlechtert sich auf -19 Punkte – der zweitniedrigste je gemessene Wert.

Nahrungsmittelgewerbe am stärksten betroffen
Vergleichsweise positiv beurteilen das Ausbaugewerbe (+22 Punkte) und das Bauhauptgewerbe (+21 Punkte) ihre Lage – beide kämpfen jedoch mit überdurchschnittlich steigenden Einkaufspreisen. Am pessimistischsten ist das Nahrungsmittelgewerbe mit einem Geschäftslagesaldo von -33 Punkten und dem stärksten Einbruch im Vorjahresvergleich (minus 68 Punkte). Auch das Kfz-Gewerbe stürzte von +80 auf +14 Punkte ab.

Die Geschäftserwartungen für das dritte Quartal befinden sich auf einem Allzeit-Tief: Nur 17 Prozent rechnen mit einer Verbesserung, 26 Prozent mit einer Verschlechterung. Der Erwartungssaldo fiel von +10 auf -10 Punkte. Einzig das Gesundheitsgewerbe blickt mit +25 Punkten vergleichsweise optimistisch nach vorn.

Regionale Entwicklung im Landeskontext
Die Entwicklung spiegelt den landesweiten Trend wider. In ganz Baden-Württemberg bewerteten nur noch 41 Prozent der Betriebe ihre Lage als „gut“ (Vorjahresquartal: 60 Prozent), die durchschnittliche Auslastung sank auf 75 Prozent. Der regionale Konjunkturindikator liegt mit +2,5 Punkten exakt auf dem Landesdurchschnitt und damit im Mittelfeld – besser als Stuttgart (-4,8 Punkte) oder Heilbronn-Franken (-2,0 Punkte), aber deutlich hinter Freiburg (+15,0 Punkte) und Konstanz (+10,8 Punkte).

Ausführliche Berichte zur Handwerkskonjunktur in der Region stehen auf der Website der Handwerkskammer im Konjunkturarchiv auf www.hwk-mannheim.de/… zum Download zur Verfügung.

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