Cambio-Chef: Eigenes Geschäftsmodell gefährdet

Das Carsharing-Unternehmen Cambio befürchtet, dass die neue gesetzliche Verpflichtung zur Preisgabe von Verfügbarkeitsdaten an Konkurrenten dazu führt, dass das eigene Geschäftsmodell massiv unter Druck gerät. Das Mitte Mai in Kraft getretene Intelligente-Verkehrssysteme-Gesetz (IVSG) sieht vor, dass Carsharing-Unternehmen Echtzeit-Verfügbarkeitsdaten von Fahrzeugen in Datenbanken transparent machen müssen – auch gegenüber Konkurrenten. „Wenn alle Daten komplett und bedingungslos veröffentlicht werden müssen, können kapitalgetriebene Wettbewerber bei jeder Erweiterung unseres Netzes sehen, welche Orte schnell funktionieren – und dort in direkter Nachbarschaft massive Konkurrenz mit Dumpingpreisen anbieten“, kritisiert Cambio-Chef Norbert Jagemann gegenüber auto motor und sport. Jeder Wettbewerber könne nun auf Cambio-Daten zugreifen „ohne dass wir überhaupt wissen, was mit den Daten geschieht oder die Nutzung eingrenzen könnten“.

Cambios Pionierarbeit an Orten, an denen es bisher kein Carsharing gab, sei dann nicht mehr möglich. „Wir betreiben seit 36 Jahren permanent Pionierarbeit mit jeder einzelnen Stationseröffnung. Fast keine Station trägt sich vom ersten Jahr an, manche benötigen viele Jahre, bis sie ökonomisch tragfähig sind. Wir können das ermöglichen, weil wir auch spürbar rentablere Stationen betreiben, also quer subventionieren.“ Wenn Konkurrenten sich nun auf die lukrativen Standorte konzentrieren, sei diese Quersubventionierung kaum noch möglich. „Wir können es uns nicht mehr leisten, diese Pionierarbeit zur Verbreiterung von Carsharing zu betreiben.“ Das sei ein „Bärendienst für die Mobilitätswende“, kritisiert Jagemann das Gesetz.

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