Politiker besuchten Handwerkskammer Freiburg

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Fechner und die SPD-Europa-Abgeordnete Vivien Costanzo besuchten die Handwerkskammer Freiburg, um sich über die Situation der rund 16.000 Handwerksbetriebe in Südbaden zu informieren. Präsident Christof Burger und Geschäftsführerin Annette Rebmann-Schmelzer berichteten von großen Herausforderungen fürs Handwerk, von fehlenden Fachkräften, schwieriger Nachfolge-Suche und ungünstigen Rahmenbedingungen in Deutschland.

Ohne Handwerk gerät die Zivilisation an ihre Grenzen: „Eine KI deckt kein Dach, repariert kein Klo und verlegt kein Parkett“, erklärte Christof Burger. Umso fataler sei es, dass die Zahl der Betriebe der zulassungspflichtigen Handwerksgewerke mit Meisterpflicht seit Jahren abnehme. „In Baden-Württemberg stehen rund 28.000 Handwerksbetriebe zur Übernahme bereit. Doch viele Jungmeister scheuen den Schritt in die Selbständigkeit“, ergänzte Annette Rebmann-Schmelzer. Zu viel Bürokratie, zu wenig Fachkräfte und schlechte Rahmenbedingungen. Risiko und Arbeitsbelastung seien zu hoch.

Nahezu alle Gewerke in Deutschland kämpften derzeit mit steigenden Einkaufspreisen, die sich in den vergangenen drei Jahren teilweise um 80 Prozent erhöht hätten. Dazu kommen die höchsten Lohnnebenkosten seit dem Zweiten Weltkrieg: „Ein kleiner Handwerksbetrieb kann eben nicht seine Produktion einfach nach Ungarn, Tschechien oder Polen verlagern. Der schließt einfach den Laden“, betonte Burger. Offenbar seien speziell EU-Länder mit noch eigener Währung deutlich attraktiver für Betriebe und Unternehmen. Rebmann-Schmelzer nannte als weiteres Beispiel Griechenland: „Die Griechen haben es uns vorgemacht, wie man aus einer Krise mit hohem Tempo und großer Veränderungsbereitschaft herauskommen kann.“

Das Geld aus dem Sondervermögen hat nach Ansicht Burgers noch nicht dazu geführt, die Bautätigkeiten der Kommunen anzukurbeln: „Viele Kommunen stehen finanziell mit dem Rücken zur Wand und müssen aufgrund ausbleibender Gewerbesteuer das Geld zum Stopfen von Finanzlöchern nutzen.“ Johannes Fechner räumte ein, dass viele Maßnahmen zu langsam umgesetzt würden, den Sinn des Sondervermögens stellte der SPD-Abgeordnete im Bundestag jedoch nicht in Frage: „Wir investieren sehr viel Geld in die Infrastruktur in Deutschland, das wird sich – wenn auch leider mit Verzögerung – bemerkbar machen.“

Speziell Gewerke, die mit dem Bau oder Ausbau von Gebäuden ihr Geld verdienen, gerieten laut Burger zunehmend in Schieflage und müssten Personal abbauen: „Trotz Bauturbo halten sich private und gewerbliche Bauwillige immer noch zurück. Ein Bauträger muss heute vor Baubeginn 50 Prozent Abverkauf nachweisen und noch Eigenkapital einbringen, bevor die Bank einen Kredit vergibt.“

Europa-Abgeordnete Vivien Costanzo würde sich wünschen, mehr Feedback und Hinweise von den Kammern und Verbänden zu erhalten: „Für meine Arbeit im Europäischen Parlament ist der direkte Austausch mit Handwerksbetrieben unverzichtbar. Die Betriebe erleben jeden Tag ganz konkret, wie europäische und nationale Regelungen in der Praxis wirken. Diese Erfahrungen helfen dabei, politische Entscheidungen noch besser an der Realität vor Ort auszurichten und unnötige Bürokratie zu vermeiden.” Burger und Rebmann-Schmelzer nahmen diese Anregung gerne auf.

Speziell ein auch für Handwerksbetriebe gerechtes Vergabewesen sei essentiell: „Die kleinen Lose dürfen nicht wegfallen“, forderte Burger, „auch kleine Handwerksbetriebe sind auf öffentliche Aufträge angewiesen.“

Über Handwerkskammer Freiburg

Die Handwerkskammer Freiburg ist Dienstleister und Ansprechpartner für fast 16.000 Handwerksbetriebe mit mehr als 100.000 Beschäftigten und rund 6.500 Auszubildenden in den Landkreisen Ortenau, Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach sowie dem Stadtkreis Freiburg. Die Mitgliedsbetriebe in Südbaden generierten im Jahr 2023 einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Euro.
Neben den staatlichen Pflichtaufgaben in Ausbildung, Prüfungswesen und Handwerksrolle übernimmt die Handwerkskammer Freiburg zahlreiche weitere Aufgaben. Sie unterhält moderne Be­ra­tungs- und Bil­dungs­zent­ren, in denen sie ihren Mitgliedern ein breites Spektrum an Service bietet: berufliche Bildungsangebote, Nachwuchswerbung, Rechtsberatung sowie Beratung in den Bereichen „Betriebswirtschaft“, „Betriebsübergabe und – übernahme“, „Innovation“, „Umwelt“, „Außenwirtschaft“, „Fachkräftesicherung“, „Organisationsentwicklung“ und „Digitalisierung“. Daneben unterstützt sie Existenzgründer und fördert das Handwerk vor Ort.

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