Medizinisches Fachpersonal benötigt bessere Schulung
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Mittwoch, Juni 17, 2026
Wenn ein Elternteil an Krebs erkrankt, gerät das gesamte Familiensystem aus den Fugen. Medizinisches Fachpersonal nimmt hierbei eine entscheidende Rolle ein: Drei Viertel der Befragten (75,3 %) haben bereits krebskranke Betroffene mit minderjährigen Kindern betreut oder beraten. Eine aktuelle Umfrage, an der insgesamt 162 Fachkräfte aus dem medizinischen und psychosozialen Bereich teilnahmen, deckte nun jedoch eine kritische Lücke zwischen dem beruflichen Selbstverständnis und der tatsächlichen Ausbildung auf.
Hohes Pflichtbewusstsein trifft auf Wissenslücken
Die Ergebnisse der Befragung verdeutlichten, dass medizinisches Fachpersonal die Unterstützung betroffener Familien als Kernbestandteil ihrer Arbeit begreifen: Überwältigende 94 % sehen es als ihre Aufgabe an, betroffenen Familien Hilfestellung im Umgang und in der Kommunikation mit ihren Kindern zu geben. Fast die Hälfte (49 %) will dabei auch die minderjährigen Kinder direkt mit in die Betreuung einbeziehen.
Dem gegenüber steht jedoch ein erheblicher Mangel an systematischer Vorbereitung:
Schwangere Krebspatientinnen: Eine besonders vulnerable Gruppe
Noch deutlicher wird das Defizit bei der Betreuung von schwangeren Krebspatientinnen. Obwohl bereits knapp jede fünfte befragte Fachkraft (18 %) eine schwangere Krebspatientin betreut hat, geben 91 % der Befragten an, im Laufe ihres beruflichen Ausbildungs- und Werdegangs nie zu den Besonderheiten dieser hochsensiblen Situation geschult worden zu sein.
Konkreter Bedarf: Was in der Praxis fehlt
Die medizinischen Fachkräfte artikulierten in der Umfrage einen klaren Bedarf an spezifischen Inhalten für ihre tägliche Arbeit. Als besonders wichtig für zukünftige Schulungen wurden praxisnahe Werkzeuge genannt:
Darüber hinaus wünschen sie sich Informationen und Fortbildung zu Themen wie kindgerechter Aufklärung, finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten und Reha-Maßnahmen mit Kindern sowie Übersichten zu konkreten Unterstützungsangeboten.
Forderung nach struktureller Anpassung
„Die Umfrage zeigt exemplarisch: medizinische Fachkräfte tun ihr Bestes und wollen den Familien in einer existenziellen Krise beistehen – aber sie werden von den bestehenden Fortbildungsstrukturen teilweise allein gelassen“, kommentiert Dr. Ralf Porzig, Geschäftsführer der Sächsischen Krebsgesellschaft e.V. „Wir müssen die Fortbildungsangebote dringend noch konsequenter an die realen Herausforderungen anpassen. Nur durch gezielte, praxisnahe Schulungen können wir sicherstellen, dass sowohl die erkrankten Eltern als auch ihre Kinder die professionelle und psychosoziale Betreuung, Begleitung und Unterstützung erhalten, die sie so dringend benötigen.“ Die neuen Fortbildungsangebote für medizinisches Fachpersonal im von der Europäischen Union im Rahmen von ESF Plus geförderten Projekt „Wissen. Halt. Perspektive. Integrierte und optimierte Begleitung, Betreuung und Unterstützung für junge Eltern sowie Schwangere mit Krebs und ihre Familien.“ können und wollen hier neue Wege gehen.
Über das Fortbildungsangebot
Der Fortbildungskurs für medizinisches und psychosoziales Fachpersonal ist ein Angebot für Pflegekräfte und MFA aus niedergelassenen Praxen oder Krankenhäusern, MVZ der Krankenhäuser sowie weitere in der Onkologie tätige Fachkräfte (Sozialpädagogen und -berater, Beraterinnen aus Gesundheitsämtern, Krankenhäusern
bzw. Beratungsstellen, Mitarbeitende aus Apotheken, Krankenkassenmitarbeiter aus Service- und Beratungsbereichen sowie alle weiteren mit dem Gesundheitswesen assoziierte Berufe v. a. im niedergelassenen Bereich).
25 Unterrichtseinheiten mit je 45 Minuten, verteilt auf 4 Workshop-Termine, in Zwickau
Kurs 1: Samstag, jeweils 10:00 Uhr
29.08., 12.09., 26.09. und 10.10.2026
Kurs 2: Freitag/Samstag, jeweils 10:00 Uhr
21./22.08. und 18./19.09.2026
Interessenten aus dem Freistaat Sachsen können sich hierzu direkt unter der E-Mail-Adresse info@familien-mit-krebs.de anmelden.
Über die Umfrage: Die nicht repräsentative Online-Umfrage untersuchte die Erfahrungen und den Schulungsbedarf von medizinischem Fachpersonal in der Betreuung von Krebspatienten mit minderjährigen Kindern sowie schwangeren Betroffenen. Insgesamt nahmen 162 Personen an der Befragung teil.
Die Sächsische Krebsgesellschaft e. V. verfolgt das Ziel, alle Bestrebungen zur Bekämpfung von Krebskrankheiten zu fördern. Als wissenschaftliche Fachgesellschaft mit sozial- und gesundheitspolitisch breit gefächertem Spektrum ist sie Partner aller in der Krebsbekämpfung tätigen Institutionen, Organisationen und Vereinen sowie von an Krebs erkrankten Menschen.
Hauptaufgaben:
• Information und Aufklärung der Bevölkerung
➢ Bereitstellung von Grün-gelber Broschürenreihe, Mitteilungsblatt, Vorträgen, Aktionen zur Aufklärung und Vorsorge in Zusammenarbeit mit weiteren in der Krebsbekämpfung tätigen Partnern, u.v.a.m.
➢ Durchführung von Kongressen, Seminaren, Weiterbildungen und Lehrgängen
➢ Webbasierte Wissensvermittlung
• Psychosoziale Beratung und Betreuung von Betroffenen und deren Angehörigen
➢ Sozialberatung und psychologische Beratung an 11 Standorten in Sachsen (inkl. Außenberatungen)
➢ Krebsberatungstelefon (ca. 40 Std. pro Woche)
➢ Beratungsmobil
• Wissenschaftliche Arbeit, Krebsforschung und Netzwerkbildung
➢ Unterstützung der Krebsregister in Sachsen
➢ Durchführung und Unterstützung von Versorgungsforschung
➢ Schaffung und Unterstützung von Netzwerken gegen den Krebs
• Unterstützung der Selbsthilfebewegung Krebskranker in Sachsen (Aktionstage, Lehrgänge, Kurse und Anleitungen)
➢ Unterstützung und Hilfe bei Gründung von Selbsthilfegruppen nach Krebs
➢ Angebote zu Multiplikatorenseminaren und Supervision für Leiterinnen und Leitern von Selbsthilfegruppen
Spendenkonto IBAN: DE87 8704 0000 0255 0671 01
Sächsische Krebsgesellschaft e.V.
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