Veranstaltung „Leben mit Katastrophen“ in Bad Sulza am 6./7. Juni 2026

Das Veranstaltungswochenende war insbesondere dem Thema Belarus (Weißrussland) vom Beginn des Angriffs Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 bis zum Leben heute gewidmet.

Warum gerade jetzt in Bad Sulza?

Der 85. Jahrestag dieses mahnenden Datums steht bevor und der Referent Udo Wohlfeld erläuterte in seinem Vortrag unter der Moderation von Marion Schneider seine Erkenntnisse über das sowjetische Kriegsgefangenenlager in Bad Sulza. Nach mehr als dreißig Jahren intensiver Recherche und Dokumentensammlung kann er nachweisen, dass es auf dem Gelände des heutigen Freibades in Bad Sulza nicht nur ein Kriegsgefangenenlager für Kriegsgefangene der westlichen Alliierten gab, sondern auch abgesondert ein Lager für sowjetische Kriegsgefangene, deren Insassen unter erbärmlichen Bedingungen lebten.

Der Autor und Philosoph Dr. Hauke Ritz beleuchtete in seinen Ausführungen die Hintergründe des Angriffs Deutschlands auf die Sowjetunion und leitete den ideologischen Antrieb für diesen Vernichtungskrieg her. Demnach wurde der Antisemitismus als Instrument genutzt, um vor allem den Antibolschewismus als Feindbild zu etablieren, der die Kapitalinteressen in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung bedrohte. So wurde der Begriff des „jüdische Bolschewismus“ geschaffen. Die Reduzierung der Nazi-Verbrechen auf den Holocaust sieht Ritz in der historischen Betrachtung als unvollständig an. Er zitierte aus Feldpost deutscher Soldaten, die deren verinnerlichte Ideologie zum Ausdruck brachten, welche eine Voraussetzung für deren skrupellose, fast schon lustvolle, Ermordung der entmenschlichten slawischen, oft jüdischen, aber auf jeden Fall bolschewistischen Bevölkerung waren.

Der Vortrag von Prof. Klaus-Dieter Kolenda ergänzte Ritz mit dem Thema „Belarus unter deutscher Besatzung 1941 – 1944“. In Weißrussland hinterließ die Wehrmacht zweimal „verbrannte Erde“: beim Einmarsch und beim Rückzug. Von den ca. 27 Millionen Sowjetbürgern, die in diesem Krieg ihr Leben verloren, wurde ein Drittel der Bevölkerung Weißrusslands, etwa drei Millionen, vernichtet.

Weil Bilder mehr sagen als Worte, wurde der sowjetische Film „Komm und sieh“ gezeigt, basierend auf den literarischen Vorlagen des belarussischen Schriftstellers Ales Adamowitsch. Er gilt als einer der intensivsten Antikriegsfilme der Kinogeschichte und zeigt die erbarmungslose Ausrottung der weißrussischen Bevölkerung. Es ist beispielsweise zu sehen, wie SS-Einsatztruppen die Dorfbewohner in ihre Kirche treiben und diese unter großem Jubel anzündeten. Wer versuchte, zu fliehen, wurde erschossen. Auf diese Weise wurden in Belarus 9.200 Städte und Dörfer niedergebrannt.

Prof. Klaus-Dieter Kolenda bereiste Weißrussland mit Jan Gorski im Jahr 2025. Sie entdeckten, dass der Ort Polotsk in Belarus einer der Punkte ist, einer der Punkte ist, der als einer der geografischen Mittelpunkte Europas bekannt ist. Sie erlebten interessierte und gastfreundliche Menschen, die ihnen und den Deutschen zugewandt waren. und erlebten interessierte und gastfreundliche Menschen, die ihnen und den Deutschen zugewandt waren. Gorski sprach in seinem Bericht über ein blühendes Land – sein Geburtsland – und dessen Weg dahin. Eine Wohneigentumsquote von ca. 90%, Industriearbeitsplätze, Ordnung und Sicherheit bei wenig Polizei zeugen von Wohlstand mit dem Ergebnis hoher Zustimmungswerte für den Präsidenten.

Auch Kunst und Kultur haben in Belarus einen hohen Stellenwert. Dies stellte uns der Bundesverdienstkreuzträger Dr. Heinz Wehmeier vor, welcher diese Auszeichnung für sein jahrzehntelanges Engagement für Kultur- und Bürgeraustausch erhalten hat. Er studierte in Weißrussland Musik und fördert als Vorsitzender der Deutsch-Russländischen Gesellschaft die Völkerverständigung auf diesem Gebiet von Wittenberg aus. Ein ganzjährig voller Veranstaltungskalender zeugt von der kontinuierlichen Arbeit der Beteiligten.

Über 3.000 weißrussische Musiker besuchten in den vergangenen 30 Jahren Wittenberg dank des Engagements Wehmeiers. Aufgrund von Sanktionen sind gegenseitige Besuche erschwert, aber möglich.

Die hochkarätige und themenmäßig ausgewogene Wochenendveranstaltung wurde umrahmt von musikalischen Beiträgen des ukrainischen Ensembles Vinotschok, das mit kraftvollen und melancholischen Liedern in deutscher und ukrainischer Sprache den Wunsch zum Frieden ausdrückte. Anna Koch eröffnete den Sonntag mit einem virtuosen Violinsolo.

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart nicht verstehen und die Zukunft nicht gestalten.“ Dieser Erkenntnis von Helmut Kohl wurden die beiden Tage in vollem Umfang gerecht, denn die Anwesenden trugen sehr viel mehr Verständnis für die heutige Situation in Europa mit nach Hause.

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