Multiple Sklerose schließt Organspende nicht grundsätzlich aus

Der Tag der Organspende rückt den anhaltenden Bedarf an Spenderorganen in den Fokus.  Viele Menschen mit Multipler Sklerose (MS) möchten helfen, sind aber unsicher, ob sie als Spender in Frage kommen. Die Nachricht der AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V.: MS-Erkrankte können unter bestimmten Voraussetzungen Organe spenden. Entscheidend ist immer die individuelle medizinische Bewertung.

Aufklärung und Abwägung im Vorfeld der Organspende

MS ist eine chronische Autoimmunerkrankung des Zentralen Nervensystems (ZNS); Organe sind von der Erkrankung nicht unmittelbar betroffen. Ob eine Organspende möglich ist, beurteilen Ärztinnen und Ärzte im Einzelfall. Dabei werden Krankheitsgeschichte, Gesundheitszustand, Stabilität der MS und mögliche Risiken für die empfangende Person sorgfältig geprüft. Nach den gegenwärtigen Vorgaben der Ständigen Kommission Organtransplantation der Bundesärztekammer können Menschen mit MS als Organspender in Frage kommen, wenn die Empfängerin oder der Empfänger über die MS-Erkrankung aufgeklärt und einverstanden ist. Das mögliche Risiko – bei Organtransplantationen werden Immunzellen von einem MS-kranken Immunsystem übertragen – muss dabei immer gegen die Folgen einer nicht durchgeführten Organspende abgewogen werden.

Besondere Aspekte bei der Lebendspende

Bei einer Lebendspende, etwa einer Nierenspende innerhalb der Familie, sind für MS-Kranke mögliche Nebenwirkungen zu beachten. Eine Operation kann mit Schmerzen, Infektionen oder einer vorübergehenden Einschränkung der Leistungsfähigkeit verbunden sein. Dies kann bestehende Symptome wie Fatigue (abnormale Erschöpfung) verstärkten oder den weiteren Krankheitsverlauf beeinflussen. Zu berücksichtigen sind auch mögliche langfristige Komplikationen einzelner Organe. Sie könnten Auswirkungen auf künftige MS-Therapien haben.

Blutspende bleibt bei MS ausgeschlossen

Organspenden bei MS sind nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber sie bedürfen sorgfältiger medizinischer Abwägung. Von Blut- und Stammzellspenden sind MS-Erkrankte grundsätzlich ausgeschlossen. Laut Richtlinie für Hämotherapie zählen sowohl schwere Erkrankungen des ZNS als auch chronische Erkrankungen des immunologischen Systems als Ausschlusskriterien. Beides trifft auf die MS zu.

Über den AMSEL e.V.

AMSEL – wer ist das?
Die AMSEL, Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband der DMSG in Baden-Württemberg e.V. ist Fachverband, Selbsthilfeorganisation und Interessenvertretung für MS-Kranke in Baden-Württemberg. Die Ziele der AMSEL: MS-Kranke informieren und ihre Lebenssituation nachhaltig verbessern. Der AMSEL-Landesverband hat rund 7.200 Mitglieder, rund 60 AMSEL-Gruppen und 15 Junge Initiativen in ganz Baden-Württemberg. Mehr unter www.amsel.de

Multiple Sklerose (MS) ist die häufigste entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems. Aus bislang noch unbekannter Ursache werden die Schutzhüllen der Nervenbahnen an unterschiedlichen Stellen angegriffen und zerstört, Nervensignale können in der Folge nur noch verzögert oder gar nicht weitergeleitet werden. Die Symptome reichen von Taubheitsgefühlen über Seh-, Koordinations- und Konzentrationsstörungen bis hin zu Lähmungen. Die bislang unheilbare, aber mittlerweile behandelbare Krankheit bricht gehäuft zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr aus.

MS in Zahlen
38.000 MS-Kranke in Baden-Württemberg
3,4 MS-Kranke pro 1.000 Einwohner in Baden-Württemberg
2.000 Neuerkrankungen pro Jahr in Baden-Württemberg
5 – 6 Diagnosen täglich in Baden-Württemberg
280.000 MS-Kranke deutschlandweit
1,2 Mio. MS-Kranke europaweit
2,9 Mio. MS-Kranke weltweit

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