Baukultur vor Ort: Die neue Oderbrücke als deutsch-polnisches Baukulturprojekt
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Dienstag, Mai 26, 2026
Zum „Baukultur vor Ort“-Gespräch am 21. Mai kamen zahlreiche Gäste, Fachleute und Projektbeteiligte in Küstrin zusammen, um die preisgekrönte Oderquerung dort zu erleben, wo ihre Wirkung am stärksten spürbar ist: mitten in der Landschaft, an der Grenze zwischen Deutschland und Polen.
Bereits die gemeinsame Besichtigung der Brücke machte deutlich, was Baukultur leisten kann. Zwischen Stahl, Carbonhängern und weitem Blick über die Oder entstanden intensive Gespräche über Ingenieurkunst, Gestaltung und die besondere Verantwortung öffentlicher Infrastruktur. Immer wieder blieben die Teilnehmenden stehen, fotografierten Details oder blickten auf das Tragwerk, das sich mit bemerkenswerter Leichtigkeit über den Fluss spannt.
Begrüßt wurden die Gäste von Moderator Jürgen Tietz sowie Stefan Bruch, Abteilungsleiter „Stadtentwicklung und Wohnen“ im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung. Beide betonten, dass „Baukultur vor Ort“ ausgezeichnete Projekte genau dorthin zurückbringt, wo sie entstanden sind und wirken. Denn Baukultur wird vor Ort erlebbar.
Noch direkt am Bauwerk entwickelte sich ein intensiver Austausch mit den Projektbeteiligten Thomas Stein von Schüßler-Plan Berlin, Lukas Hornberger von schlaich bergermann partner (sbp) Stuttgart sowie Dirk Schickhaus von der DB InfraGO AG. Anschließend führte der gemeinsame Weg über die parallel verlaufende Verkehrsbrücke der B1 nach Kostrzyn. Von dort bot sich ein eindrucksvoller Blick auf die neue Eisenbahnüberführung und ihre markante Silhouette über der Oder.
Im Festungsmuseum Kostrzyn wurde das Gespräch über Baukultur und Infrastruktur anschließend vertieft. Nach einer Einführung von Jürgen Tietz zum Brandenburgischen Baukulturpreis betonten die Präsidenten Andreas Rieger von der Brandenburgischen Architektenkammer und Matthias Krebs von der Brandenburgischen Ingenieurkammer die gesellschaftliche Bedeutung qualitätsvollen Planens und Bauens.
Matthias Krebs unterstrich dabei, warum der Baukulturpreis weit mehr ist als eine reine Auszeichnung für gelungene Bauwerke: „Viele hervorragende Projekte entstehen ohne große öffentliche Aufmerksamkeit. Mit dem Baukulturpreis machen wir diese Qualität sichtbar – nicht nur die fertigen Bauwerke, sondern auch die Ideen, die Haltung und die enorme Planungsleistung dahinter.“
Zugleich hob Krebs hervor, dass Baukultur immer Teamarbeit sei: „Gute Projekte entstehen im Zusammenspiel von Architektur, Ingenieurwesen, Landschaftsplanung, Handwerk, Verwaltung und Bauherrschaft.“ Die ausgezeichneten Projekte gäben zudem Orientierung für zukünftige Bauaufgaben und zeigten konkrete Antworten auf Fragen des nachhaltigen und qualitätsvollen Bauens.
Im Mittelpunkt des Abends stand die neue Eisenbahnüberführung über die Oder – ein deutsch-polnisches Infrastrukturprojekt im Zuge der Ostbahn Berlin–Kostrzyn. Die 266 Meter lange Netzwerkbogenbrücke verbindet ingenieurtechnische Innovation mit hoher gestalterischer Qualität und einer sensiblen Einbindung in die Landschaft.
Besonders hervorgehoben wurde die weltweit erstmalige Verwendung von Carbonhängern an einer Eisenbahnbrücke. Ihre hohe Zugfestigkeit, das geringe Gewicht und ihre Dauerhaftigkeit ermöglichen eine effiziente und ressourcenschonende Bauweise. Die Jury würdigte insbesondere das Zusammenspiel aus Innovation, Nachhaltigkeit und Gestaltung.
In den anschließenden Fachvorträgen wurde die Entstehungsgeschichte des Bauwerks nachgezeichnet – vom Planungswettbewerb 2015 bis zum Baubeginn 2021. Deutlich wurde dabei auch die besondere symbolische Bedeutung von Brücken: Sie verbinden nicht nur Orte und Verkehrswege, sondern auch Menschen, Regionen und Länder.
Mit Abschluss der Bauarbeiten wurde die durchgehende Zweigleisigkeit der Strecke wiederhergestellt und die Geschwindigkeit deutlich erhöht – ein wichtiger infrastruktureller Fortschritt für die gesamte Region.
Der Abend klang schließlich bei Gesprächen, Snacks und Getränken in entspannter Atmosphäre aus. Zurück blieb der Eindruck eines Projekts, das beispielhaft zeigt, wie anspruchsvolle Ingenieurbaukunst, architektonische Qualität und internationale Zusammenarbeit gemeinsam ein neues Stück Baukultur schaffen können.
Hier können Sie sich Fotos von der Veranstaltung downloaden:
https://kurzlinks.de/xy7t
Hintergrund zum Brandenburgischen Baukulturpreis
Der Brandenburgische Baukulturpreis zeichnet Projekte aus, die in besonderer Weise zeigen, wie Qualität im Planen und Bauen entsteht. Im Mittelpunkt stehen nicht nur fertige Bauwerke, sondern auch die Ideen, Prozesse und die Zusammenarbeit, die dahinterstehen.
Ausgezeichnet werden Projekte, die Architektur, Ingenieurwesen, Landschaftsplanung, Verwaltung und Bauherrschaft in vorbildlicher Weise zusammenbringen. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel von funktionaler Lösung, gestalterischer Qualität und gesellschaftlicher Verantwortung.
Der Preis macht sichtbar, was sonst oft im Hintergrund bleibt: gute Baukultur entsteht im Dialog vieler Beteiligter und prägt langfristig unsere Städte, Dörfer und Infrastrukturen. Er gibt zugleich Orientierung für zukünftige Bauaufgaben und zeigt, wie nachhaltiges, innovatives und qualitätsvolles Bauen in Brandenburg gelingt.
Der Preis wird gemeinsam von der Brandenburgischen Ingenieurkammer (BBIK) und der Brandenburgischen Architektenkammer (BA) mit Unterstützung des Ministeriums für Infrastruktur und Landesplanung (MIL) aller zwei Jahre ausgelobt.
Brandenburgische Ingenieurkammer
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