ZVO und CETS im Austausch mit ECHA

Der ZVO hat gemeinsam mit dem europäischen Dachverband CETS den direkten Dialog mit der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) in Helsinki gesucht. Vor Ort vertraten Lukas Hanstein, ZVO-Leiter Politik, sowie Dr. Malte-Matthias Zimmer, Präsident CETS und ZVO-Ressortleiter Umwelt- und Chemikalienpolitik, die Interessen der Oberflächentechnik. Ergänzt wurde die Delegation durch die Unternehmerin Sari Virta, Geschäftsführerin des finnischen Galvanikunternehmens EFORIT.

Im Mittelpunkt des Austauschs stand die neu eingerichtete SME-Focus Group der ECHA – ein wichtiges Instrument, um die Perspektive kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) stärker in die europäische Chemikalienregulierung einzubringen. Aus Sicht des ZVO ist entscheidend, dass dieses Format nicht nur formal besteht, sondern in der Praxis zu spürbaren Verbesserungen für die betroffenen Unternehmen führt.

Die Gespräche machten deutlich: Gerade im Rahmen von REACH stehen viele KMU weiterhin vor erheblichen Herausforderungen. Komplexe Verfahren, hohe bürokratische Anforderungen und unzureichender Zugang zu verständlich aufbereiteten Informationen erschweren eine effiziente Umsetzung der regulatorischen Vorgaben.

ZVO und CETS haben daher gemeinsam mit der ECHA konkrete Ansatzpunkte diskutiert, um die Zusammenarbeit mit KMU deutlich zu verbessern und regulatorische Prozesse praxisnäher zu gestalten. Im Zentrum standen vier gezielte Maßnahmen:

  • Bessere Zugänglichkeit von Informationen: Zentrale Dokumente und Inhalte der ECHA sollten konsequent in allen Amtssprachen der EU verfügbar sein, um Sprachbarrieren abzubauen und eine breite Verständlichkeit sicherzustellen. Außerdem wurde der überbordende Umfang der Dokumente zusammen mit zahlreichen Querverweisen – die als Weblinks oft veraltet sind – kritisiert. Für KMU sind tausende von Seiten nicht erfassbar und schon gar nicht umsetzbar: O-Ton CETS: „Wenn man zum Verstehen einen Consultant braucht, sollte die Regularie überdacht werden.“
  • Frühzeitige, verlässliche Information: Unternehmen müssen regulatorische Entwicklungen so früh wie möglich erreichen, um ausreichend Zeit für Anpassungen und Rückmeldungen zu haben. 
  • Frühzeitige Einbindung der Praxis: Konsultationen sollten bereits vor der formalen Veröffentlichung enger mit KMU abgestimmt werden, um frühzeitig praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. CETS und ZVO brachten Praxischecks ins Spiel. Regularien müssen nicht nur verständlich sein, sondern auch vollzogen werden können. Dies sollte im Kleinen insbesondere bei KMU getestet werden, bevor sie breit ausgerollt werden. ECHA wurde dazu explizit eingeladen.
  • Konsequenter Bürokratieabbau: Die Reduktion administrativer Lasten bleibt eine zentrale Voraussetzung, um die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständisch geprägten Oberflächentechnik in Europa zu sichern. Es wurde eine strikte Ergebnisorientierung angemahnt: Vor konkreten Maßnahmen Definition messbarer Ergebnisse, nach Einführung Überprüfung, ob die Ziele realisiert wurden. Wenn nicht, sollte die Regularie entfallen. Hier wären Praxischecks besonders nützlich.
  • Regularien müssen Bestand haben: Permanente Änderungen, Überarbeitungen, Reviews etc. nehmen die Zeit für die Umsetzung.

Der ZVO begrüßt ausdrücklich die Einrichtung der SME-Focus Group und wird sich weiterhin aktiv in deren Ausgestaltung einbringen. Ziel ist es, die Stimme der mittelständischen Industrie in Europa zu stärken und sicherzustellen, dass Regulierung nicht an der betrieblichen Realität vorbeigeht.

Der direkte Austausch mit der ECHA hat einmal mehr gezeigt: Nur im konstruktiven Dialog zwischen Behörden, Verbänden und Unternehmen können gegenseitiges Verständnis und tragfähige Lösungen entstehen, die sowohl den Schutz von Mensch und Umwelt als auch die industrielle Wettbewerbsfähigkeit in Europa gewährleisten.

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