Weiterbildung für die additive Fertigung von morgen
Additive Fertigungsverfahren sind in der Kunststoffindustrie längst in zahlreichen Branchen etabliert, darunter in der Luft- und Raumfahrt, der Automobilindustrie, im Elektroniksektor, der Medizintechnik oder im Bauwesen. Durch den im Vergleich zu konventionellen Fertigungsverfahren geringeren Materialeinsatz leisten additive Technologien einen wichtigen Beitrag zu einer ressourceneffizienten und nachhaltigen Produktion. Mit Blick auf technologische Weiterentwicklungen und steigende Anforderungen wird eine weitere Ausweitung des industriellen Anwendungsspektrums erwartet.
Der Praxiskurs richtet sich an Einrichter, Techniker, Meister und Fachkräfte aus Produktion und Fertigung, die additive Fertigung effizient und sicher einsetzen möchten. Während der fünftägigen Weiterbildung zum „Geprüften Einrichter – Additive Fertigung“ erwerben die Teilnehmenden fundierte Kenntnisse der Kunststoffkunde sowie ein tiefgehendes Verständnis der Vor- und Nachteile additiver Fertigungsverfahren. Behandelt werden extrusionsbasierte, pulverbettbasierte und harzbasierte Verfahren. Ein umfassender Einblick in diese Technologien wird durch Hands-on Praktika direkt an den Anlagen ergänzt und vertieft. Ziel ist es, die verfahrensspezifischen Eigenheiten zu kennen, die grundlegenden Prozessschritte sicher zu beherrschen und die Verfahren hinsichtlich Einsatzgrenzen, Wirtschaftlichkeit und Bauteilanforderungen bewerten zu können.
Im Fokus stehen neben der Maschinenbedienung insbesondere das Verständnis von Prozesszusammenhängen, Materialverhalten und Qualitätskriterien sowie verfahrensspezifische Eigenschaften, typische Einsatzgebiete und die jeweiligen Stärken und Grenzen der Technologien. Ein zentrales Element des Lehrgangs ist die gezielte Vorbereitung auf das Aufgabenprofil eines Einrichters in der additiven Fertigung von der Prozessvorbereitung über die Anlagenbedienung bis zur Prozessüberwachung.
„Wir qualifizieren Fachkräfte gezielt für den sicheren, qualitätsorientierten und wirtschaftlichen Einsatz additiver Fertigungsverfahren in der industriellen Praxis“, sagt Irena Heuzeroth, Senior Trainerin am SKZ in Würzburg. „Damit schließen wir eine wichtige Lücke zwischen Technologie, Anwendung und den steigenden Anforderungen der additiven Kunststoffverarbeitung.“
Neben dem Verfahrenswissen behandelt der Kurs auch sicherheitsrelevante Aspekte der additiven Fertigung. Der sachgerechte Umgang mit Pulvern und Harzen sowie grundlegende Arbeitsschutzmaßnahmen sind fester Bestandteil des Lehrgangs.
Darüber hinaus erwerben die Teilnehmenden fundiertes Wissen zum fachgerechten Slicen additiv gefertigter Bauteile sowie zur systematischen Erkennung typischer, prozess- und werkstoffspezifischer Fehlerbilder. Sie lernen, deren Ursachen zu analysieren und geeignete Gegenmaßnahmen abzuleiten. Ergänzend werden grundlegende Konstruktionsrichtlinien für additiv gefertigte Kunststoffbauteile vermittelt.
Auch die wirtschaftlichen Potenziale der additiven Fertigung werden gezielt beleuchtet. Neben der schnellen und flexiblen Herstellung von Prototypen steht insbesondere der industrielle Nutzen im Vordergrund: Additiv gefertigte Aufnahmen, Vorrichtungen, Greifer und Hilfsmittel ermöglichen kurze Reaktionszeiten, hohe Individualisierung und können in der Serienfertigung häufig kostenintensive Metall- oder Aluminiumvorrichtungen ersetzen. Dadurch leisten sie einen maßgeblichen Beitrag zur Produktivität, Prozessstabilität und Qualität in der Fertigung.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Qualitätssicherung. Die Teilnehmenden führen Zug- und Schlagprüfungen durch und lernen material- und prozessspezifische Analyseverfahren zur Bewertung additiv gefertigter Bauteile kennen. Auch das Post-Processing von der mechanischen Nachbearbeitung über das Einfärben bis hin zur Oberflächenbehandlung wird praxisnah mit dem Ziel vermittelt, eine reproduzierbar hohe und industriegerechte Bauteilqualität sicherzustellen.
Der Lehrgang zeichnet sich durch einen hohen Praxisanteil von 50% aus. Im Technikum des SKZ arbeiten die Teilnehmenden an industriell eingesetzten 3D-Druckern und wenden ihr erworbenes Wissen direkt an.
Der nächste Lehrgang findet vom 2. bis 6. März 2026 sowie vom 19. bis 23. Oktober 2026 am SKZ in Würzburg statt.
Das SKZ ist ein Klimaschutzunternehmen und Mitglied der Zuse-Gemeinschaft. Diese ist ein Verbund unabhängiger, industrienaher Forschungseinrichtungen, die das Ziel verfolgen, die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, insbesondere des Mittelstandes, durch Innovation und Vernetzung zu verbessern.
SKZ – Das Kunststoff-Zentrum
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