Leseschwächen messbar machen: EyeLogic erforscht Eye-Tracking-Verfahren für eine gezielte Leseförderung
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Donnerstag, Nov. 5, 2026
Nach den Ergebnissen der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung IGLU 2021 erreichte rund ein Viertel der Viertklässlerinnen und Viertklässler in Deutschland nicht die mittlere Kompetenzstufe III. Der Anteil stieg damit von 17 Prozent im Jahr 2001 auf 25 Prozent im Jahr 2021. Auch die PISA-Ergebnisse 2022 zeigen einen deutlichen Handlungsbedarf: Die durchschnittliche Lesekompetenz der 15-Jährigen in Deutschland erreichte den niedrigsten bislang im Rahmen von PISA gemessenen Stand.
Die Berliner EyeLogic GmbH möchte dazu beitragen, Leseschwierigkeiten nicht erst anhand eines schlechten Testergebnisses zu erkennen, sondern den eigentlichen Leseprozess besser zu verstehen. Gemeinsam mit der Universität Potsdam arbeitet das Unternehmen an Eye-Tracking-basierten Methoden, mit denen charakteristische Lesemuster erfasst und quantitativ beschrieben werden können.
Leseschwierigkeiten zeigen sich während des Lesens
Klassische Lesetests erfassen unter anderem Lesegeschwindigkeit, richtige und falsche Antworten oder das Verständnis eines gelesenen Textes. Diese Ergebnisse zeigen, ob eine Aufgabe erfolgreich gelöst wurde. Sie erklären jedoch häufig nur eingeschränkt, an welcher Stelle des Leseprozesses Schwierigkeiten auftreten.
Eye Tracking ergänzt diese Betrachtung um eine zusätzliche Prozessebene. Während eine Person einen Text liest, zeichnet die Technologie kontinuierlich auf, welche Wörter oder Textbereiche betrachtet werden, wie lange der Blick dort verweilt und wann zu bereits gelesenen Passagen zurückgesprungen wird.
Zu den untersuchten Merkmalen gehören beispielsweise:
Bereits kurze, standardisierte Leseaufgaben können dadurch eine große Zahl objektiver Messwerte liefern. Eine einzelne lange Fixation oder ein Rücksprung ist allerdings noch kein Beleg für eine Leseschwäche. Solche Augenbewegungen können auch durch Textschwierigkeit, Aufmerksamkeit, Sprachkenntnisse, Sehbedingungen oder die konkrete Aufgabenstellung beeinflusst werden.
Die zentrale Forschungsaufgabe besteht deshalb darin, relevante Blickmuster im jeweiligen Kontext zu untersuchen und zu bestimmen, welche Kombinationen von Messgrößen belastbare und reproduzierbare Aussagen über den Leseprozess ermöglichen.
Von Blickdaten zu quantifizierbaren Lesemustern
EyeLogic und die Universität Potsdam untersuchen, wie sich Eye-Tracking-Daten mit Aufgaben zum Textverständnis und weiteren relevanten Informationen verbinden lassen. Ziel ist es, aus den aufgezeichneten Blickdaten nachvollziehbare quantitative Merkmale abzuleiten.
Dabei sollen unter anderem folgende Fragen beantwortet werden:
„Bei Leseschwierigkeiten sehen wir heute häufig zunächst das Ergebnis – etwa eine langsame Lesegeschwindigkeit oder eine falsch beantwortete Verständnisfrage. Eye Tracking eröffnet uns zusätzlich die Möglichkeit, den Weg zu diesem Ergebnis zu untersuchen“, erklärt Thomas Jablonski, Geschäftsführer der EyeLogic GmbH. „Unser Ziel ist es, relevante Lesemuster zuverlässig zu quantifizieren und daraus Informationen abzuleiten, die für Forschung und gezielte Leseförderung tatsächlich nutzbar sind.“
Die Technologie soll etablierte pädagogische und wissenschaftliche Verfahren dabei ergänzen, nicht ersetzen. Insbesondere ist zunächst eine sorgfältige Validierung erforderlich, bevor aus einzelnen Blickmerkmalen konkrete Aussagen über individuelle Schwierigkeiten oder Lernbedarfe abgeleitet werden können.
Lernunterstützung gezielt in Texte integrieren
Langfristig sollen die gewonnenen Erkenntnisse nicht nur helfen, Leseschwierigkeiten sichtbar zu machen. Sie sollen auch eine Grundlage dafür schaffen, Texte gezielt mit geeigneten Lern- und Unterstützungselementen anzureichern.
Denkbar sind beispielsweise:
Eye Tracking könnte anschließend erfassen, ob solche Veränderungen den Leseprozess tatsächlich erleichtern. Durch wiederholte Messungen ließe sich untersuchen, ob Verbesserungen nur kurzfristig auftreten oder zu einem nachhaltigen Lernfortschritt beitragen.
„Entscheidend ist nicht allein, einen Text einfacher zu gestalten“, ergänzt Thomas Jablonski. „Wir möchten untersuchen, welche Unterstützung eine bestimmte Person an welcher Stelle benötigt und ob diese Unterstützung langfristig zu einem besseren Textverständnis führt.“
EyeLogic sucht Schulen, Netzwerke und Forschungspartner
Für die weitere Entwicklung und Erprobung sucht EyeLogic den Austausch mit Schulen, Bildungsnetzwerken, Forschungseinrichtungen sowie Fachleuten aus Leseforschung, Pädagogik, Psychologie, Linguistik und Bildungswissenschaften.
Besonders interessant sind Kontakte zu Einrichtungen, die:
In zukünftigen Untersuchungen sollen die entwickelten Methoden unter wissenschaftlich kontrollierten und datenschutzgerechten Bedingungen praktisch erprobt werden. Interessierte Schulen und Netzwerke können bereits jetzt mit EyeLogic Kontakt aufnehmen, um mögliche Formen einer späteren Zusammenarbeit zu besprechen.
EyeLogic GmbH
Schlesische Str. 28
10997 Berlin
Telefon: +49 (30) 98419-241
http://www.eyelogicsolutions.com
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