Kein Ende in Sicht: Handwerk in der Region steckt weiter in der Konjunkturflaute
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„Die aktuelle Umfrage zeigt, dass das Handwerk in unserer Region eine schwierige Phase durchläuft. Um diese zu überwinden, brauchen unsere Betriebe neben eigener Anstrengung auch günstigere Rahmenbedingungen“, sagt Klaus Hofmann, Präsident der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald.
Niveau der Finanzkrise
Nur 39 Prozent der Betriebe bewerteten ihre Lage als „gut“, während es im Vorjahresquartal noch 70 Prozent waren. Jeder fünfte Betrieb stufte sie als „schlecht“ ein. Der Geschäftslagenindex fiel von +61 auf +18 Punkte. Gegenüber dem zweiten Quartal (+15 Punkte) ist das kaum eine Verbesserung. Eine derart schwache Lage in einem dritten Quartal gab es zuletzt 2009 während der Finanzkrise.
Der Konjunkturindikator der Handwerkskammer (berechnet analog zum ifo-Index) sank von +39,3 auf -5,6 Punkte. Während sich der ifo-Geschäftsklimaindex zuletzt verbesserte, verschlechterten sich im Handwerk sowohl Lage als auch Erwartungen.
Sinkende Auslastung
Die Auftragslage verschlechterte sich in fünf von sieben Gewerken. Nur 19 Prozent der Betriebe meldeten Zuwächse, 33 Prozent ein Minus. Der Saldo rutschte von 0 auf -15 Punkte – so schwach wie zuletzt 2004. Einzig das Kfz-Gewerbe verzeichnete ein kleines Plus. Der Anteil schwach ausgelasteter Betriebe mit maximal 60 Prozent Kapazitätsauslastung verdoppelte sich nahezu von 16 auf 30 Prozent.
Kostenschere wächst
Nur 18 Prozent der Betriebe steigerten ihre Umsätze, 34 Prozent verbuchten Rückgänge. Besonders hart trifft es das Nahrungsmittelgewerbe mit einem Umsatzsaldo von -53 Punkten.
Verschärft wird die Lage durch die Kostenschere: Drei von vier Betrieben meldeten steigende Einkaufspreise, getrieben durch den Iran-Krieg und Logistikprobleme infolge von Niedrigwasser. Nur 34 Prozent konnten ihre Verkaufspreise erhöhen.
„Steigende Einkaufspreise bei gleichzeitig begrenzten Möglichkeiten, diese weiterzugeben – das setzt viele unserer Betriebe unter erheblichen wirtschaftlichen Druck. Hier müssen wir gemeinsam nach Lösungen suchen“, so Präsident Klaus Hofmann.
Zuversicht im Gesundheitsgewerbe
Nicht alle Gewerke beurteilen die Situation gleich. Die Stimmung driftet vielmehr auseinander. Am positivsten bewertete das Bauhauptgewerbe seine Lage (+36 Punkte), am negativsten das Nahrungsmittelgewerbe (-27 Punkte) mit einem Einbruch um 62 Punkte binnen eines Jahres. Das Gesundheitsgewerbe blickt dagegen als einziges zuversichtlich auf den Winter und erwartet steigende Aufträge und Umsätze.
Stopp bei Investitionen
Die Beschäftigung schrumpft zum vierten Mal in Folge. Elf Prozent der Betriebe planen Stellenabbau, nur fünf Prozent Neueinstellungen, die große Mitte hält die Personaldichte konstant. Parallel sinkt die Investitionsbereitschaft auf ein historisches Tief: Nur 14 Prozent investierten mehr, 26 Prozent weniger. Für das kommende Quartal planen 31 Prozent der Betriebe Investitionskürzungen, was dem dritttiefsten Wert seit Beginn der Erhebung entspricht.
Bedarf vorhanden
Dabei fehlt es dem Handwerk nicht an Zukunftsfeldern. Wohnungsbau, energetische Sanierung, Heizungstausch und Klimaanpassung schaffen enormen Bedarf. Doch dieser Bedarf verwandelt sich aktuell nicht in Aufträge. Steigende Bauzinsen nach der EZB-Leitzinserhöhung bremsen den Wohnungsbau. Die Kauflust privater Haushalte verharrt seit Jahren auf niedrigem Niveau. Und die steigenden Staatsausgaben für Infrastruktur, Klimaschutz und Verteidigung, die das BIP im zweiten Quartal um 1,0 Prozent wachsen ließen, kommen beim regionalen Handwerk bislang kaum an. Bürokratische Hürden, Margendruck und unklare Förderkulissen erschweren es den Betrieben zusätzlich, dieses Potenzial zu erschließen.
„Das Handwerk ist bereit, seinen Beitrag zur Energiewende, zum Wohnungsbau und zur Klimaanpassung zu leisten. Damit aus dem vorhandenen Bedarf auch tatsächlich Aufträge werden, setzen wir auf einen konstruktiven Dialog mit der Politik für verlässliche Förderbedingungen, weniger Bürokratie und ein Zinsumfeld, das Investitionen wieder ermöglicht“, betont Präsident Hofmann. Zwar lese man in der Presse, dass die Zahl der Baugenehmigungen nach oben ginge. „Doch im Handwerk kommt das noch nicht an“, so Hofmann.
Pessimistischer Ausblick
Beim Ausblick auf den Winter schlägt eine eher pessimistische Haltung durch. Die Geschäftserwartungen drehten mit -6 Punkten ins Negative (Vorjahr: +20). Die Auftragserwartungen fielen für ein drittes Quartal auf ein Allzeittief von -11 Punkten. Steigende Umsätze erwarten nur noch 19 Prozent der Betriebe. Eine Trendwende ist demnach nicht in Sicht.
Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald
B 1 1-2
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