Für dieses Training eignet sich das Ries besonders gut. Der vor knapp 15 Millionen Jahren entstandene Krater gehört zu den am besten erhaltenen Einschlagskratern seiner Größenordnung auf der Erde. An zahlreichen Aufschlüssen lassen sich Gesteine und Strukturen untersuchen, die bei einem großen Impakt entstanden sind. Dazu gehören unter anderem Suevit und Bunte Brekzie sowie stark beanspruchte und verlagerte Gesteine des ehemaligen Krateruntergrunds.
Gerade für die geologische Arbeit auf dem Mond sind solche Kenntnisse wichtig. Einschlagskrater und ihre Auswurfmassen prägen große Teile der Mondoberfläche. Bereits 1970 kamen deshalb Astronauten der späteren Apollo-14- und Apollo-17-Missionen ins Ries, um sich auf ihre geologischen Aufgaben auf dem Mond vorzubereiten. Seit 2017 ist der Rieskrater regelmäßig Teil des PANGAEA-Trainings der ESA.
PANGAEA, Planetary Analogue Geological and Astrobiological Exercise for Astronauts, bereitet Astronautinnen und Astronauten auf geologische und astrobiologische Aufgaben bei künftigen Missionen vor. Sie lernen dabei nicht nur, unterschiedliche Gesteine zu erkennen und zu beschreiben. Im Gelände müssen sie Beobachtungen einordnen, geologische Zusammenhänge erkennen, geeignete Proben auswählen und ihre Ergebnisse an das unterstützende Wissenschaftsteam übermitteln.
Im Ries konzentriert sich das Training vor allem auf Impaktkrater und ihre Bedeutung für die Geologie des Mondes. An mehreren Aufschlüssen untersuchten die drei Astronautinnen und Astronauten typische Gesteine und Strukturen des Rieskraters und arbeiteten daran, aus einzelnen Beobachtungen die geologische Entwicklung des Kraters zu rekonstruieren.
Das Training wurde vom internationalen PANGAEA-Team der ESA begleitet. Die Gesamtorganisation lag in den bewährten Händen von Loredana Bessone vom Astronaut Training Center in Köln. Unterstützt wurde sie von Dr. Samuel Payler, ihrem designierten Nachfolger.
Die Geländeübungen im Ries wurden von Dr. Carolyn van der Bogert und Prof. Dr. Harald Hiesinger vom Institut für Planetologie der Universität Münster, sowie Prof. Dr. Katherine Joy von der Universität Manchester geleitet. Bei Teilen des Geländetrainings wurden sie außerdem von Gisela Pösges vom UNESCO Global Geopark Ries und Dr. Christian Bergemann vom RiesKraterMuseum/ZERIN begleitet, die ihre Kenntnisse der lokalen Aufschlüsse und der Riesgeologie einbrachten.
Auch das RiesKraterMuseum war Bestandteil des Trainings. Am großen Kratermodell wurden Aufbau und Morphologie des Rieskraters erläutert. Ausgewählte Proben des kristallinen Grundgebirges sowie der mesozoischen Sedimentgesteine dienten dazu, die Ausgangsgesteine kennenzulernen, denen die Astronautinnen und Astronauten anschließend im Gelände wieder begegneten. „Das Besondere am Ries ist, dass man hier an vielen verschiedenen Stellen direkt sehen kann, was bei einem großen Impakt passiert. Das Museum ergänzt die Arbeit im Gelände, weil wir die unterschiedlichen Gesteine und den Aufbau des gesamten Kraters an einem Ort zusammenbringen können“, sagt Dr. Christian Bergemann, Leiter des RiesKraterMuseums und des ZERIN.
Das dem RiesKraterMuseum angeschlossene ZERIN (Zentrum für Rieskrater- und Impaktforschung Nördlingen) beherbergt die wissenschaftlichen Sammlungen des Museums und das Bohrkernarchiv mit Material aus Forschungsbohrungen im Ries. RiesKraterMuseum und ZERIN gehören zu den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB) unter Trägerschaft der Stadt Nördlingen und dienen sowohl der Vermittlung als auch der wissenschaftlichen Erforschung des Rieskraters und von Impaktprozessen.
Für das Training sind die zahlreichen Aufschlüsse im Ries besonders wichtig. Der UNESCO Global Geopark Ries trägt seit vielen Jahren gemeinsam mit Kommunen, Grundstückseigentümern, Steinbruchbetreibern und weiteren Partnern dazu bei, ausgewählte Geotope zu erhalten, zugänglich zu machen und ihre Geologie zu vermitteln. Damit stehen wichtige Teile des Kraters auch für Forschung und geologische Ausbildung zur Verfügung.
Das Training im Ries ist Teil eines umfangreicheren PANGAEA-Programms. Weitere Module führen die Teilnehmenden unter anderem an den Bletterbach in Südtirol, in die Vulkanlandschaften Lanzarotes und auf die Lofoten in Norwegen. Die verschiedenen Gebiete setzen unterschiedliche Schwerpunkte – von Sedimentgeologie und Impaktprozessen bis zu Vulkanismus, Astrobiologie und der Geologie des Mondhochlands.
Dass PANGAEA regelmäßig ins Ries zurückkehrt, ist auch für die Region etwas Besonderes. „Für die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit der einmaligen Entstehungsgeschichte ihrer Heimat sowie als attraktive Geschichte für Besucherinnen und Besucher sind die Trainings sehr spannend und wecken gerade bei jungen Menschen Interesse an Geologie, Raumfahrt und Astronomie“, weiß Heike Burkhardt, Geschäftsführerin des Geoparks Ries e. V. Stadt Nördlingen, UNESCO Global Geopark Ries und RiesKraterMuseum wollen deshalb auch künftig gemeinsam gute Bedingungen für Forschung und Ausbildung im Ries schaffen.
„Wir freuen uns sehr, dass das Ries erneut Teil des PANGAEA-Trainings ist. Zugleich zeigt dies, dass der Rieskrater weit über die Region hinaus als wichtiger Ort für geologische Forschung und Ausbildung wahrgenommen wird. Gemeinsam wollen wir dafür sorgen, dass diese besonderen Voraussetzungen auch in Zukunft erhalten und genutzt werden können“, erklären Oberbürgermeister David Wittner und Geopark Vereinsvorsitzender Landrat Michael Dinkelmeier.
Die Teilnehmenden:
Pablo Álvarez Fernández wurde 2022 für das ESA-Astronautenkorps ausgewählt und schloss 2024 seine Grundausbildung ab. Vor seiner Auswahl arbeitete der spanische Luft- und Raumfahrtingenieur unter anderem am ExoMars-Rover.
Er war von dem sehr guten Erhaltungszustand des Rieskraters und der leichten Zugänglichkeit der geologischen Besonderheiten sehr angetan. Gerade hatte er gehört, dass auch in seiner Heimat Spanien in Andalusien ein Impaktkrater entdeckt wurde, der allerdings in der Landschaft schwer zu erkennen ist.
Jasmin Moghbeli ist eine hochdekorierte US-amerikanische NASA-Astronautin und Oberstleutnant des United States Marine Corps. Sie gehört seit 2017 zum NASA-Astronautenkorps. 2023/24 kommandierte die Crew-7-Mission zur Internationalen Raumstation ISS und verbrachte dort rund sechs Monate. Dort absolvierte sie einen sechseinhalbstündigen Außeneinsatz (Spacewalk), um die Solaranlagen der ISS zu warten. Jasmin Moghbeli freute sich sehr, nach Deutschland zurückzukommen, da sie hier geboren wurde.
Kimiya Yui wurde 2009 von der japanischen Raumfahrtagentur JAXA als Astronaut ausgewählt. Er absolvierte bereits zwei Langzeitmissionen auf der ISS und kehrte zuletzt im Januar 2026 von seiner zweiten Mission zurück. Yui kannte die Romantische Straße aus Filmbeiträgen und freute sich die hübsche Stadt Nördlingen einmal live zu sehen.
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