Ein Tag am Meer: Wenn Herzenswünsche in Erfüllung gehen
Kathmandu Nepal
Montag, Sep. 28, 2026
„Bald geht es los!“
Herr Weimar lebt seit sieben Jahren in unserem Pflegewohnheim „Alt-Treptow“. Früher war er viel unterwegs und besonders gern an der Ostsee. Hiddensee, Stralsund und Warnemünde – von seinen Aufenthalten am Meer erzählt er immer wieder.
Doch seit einem Schlaganfall vor etwa anderthalb Jahren ist vieles anders. Herr Weimar ist heute auf den Rollstuhl angewiesen und verbringt einen großen Teil der Zeit im Bett. Eine eigene Familie, mit der er solche Erlebnisse teilen könnte, hat er nicht mehr.
Als es darum ging, welche Wünsche er noch hat, wurde deshalb schnell klar: Herr Weimar möchte noch einmal ans Meer.
Wir haben nicht lange gezögert und beim Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) angefragt. Die Rückmeldung kam schnell, die notwendigen Unterlagen wurden zugeschickt und der Antrag war bald auf dem Weg.
Einige Wochen später kam die erfreuliche Nachricht: Der Wünschewagen wird Herrn Weimar seinen Herzenswunsch erfüllen.
Die Vorfreude war riesig. In den Tagen vor der Fahrt gab es für Herrn Weimar kaum noch ein anderes Thema. Immer wieder sagte er: „Bald geht es los!“
Mit dem Wünschewagen Richtung Ostsee
Und dann war es endlich so weit. An einem warmen Tag im Sommer 2026 ging es los und Daniel und Toto vom Wünschewagen-Team kamen um kurz nach 9 Uhr zu uns in die Einrichtung. Vom ersten Moment an war zu spüren, wie viel Herzblut beide mitbringen. Schnell war klar: Das wird ein ganz besonderer Tag.
Um 10 Uhr starteten wir Richtung Warnemünde. Drei Stunden Fahrt lagen vor uns. Dank der großen Panoramafenster des Wünschewagens gab es unterwegs viel zu sehen – und Herr Weimar beobachtete aufmerksam die Landschaft.
Auch eine kurze Pause an einer Raststätte wurde zu einem besonderen Erlebnis. Immer wieder wurden wir von fremden Menschen angesprochen, die sich für den Wünschewagen interessierten und uns mit viel Offenheit und Herzlichkeit begegneten.
Endlich wieder am Meer
Pünktlich um 13 Uhr erreichten wir Warnemünde. Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und vor uns die Ostsee – schöner hätte die Ankunft kaum sein können.
In der Nähe von „Pott“ und Leuchtturm, den beiden bekannten Wahrzeichen Warnemündes, gibt es einen Strandabschnitt, der barrierefrei bis ans Wasser zugänglich ist. Das Wünschewagen-Team hatte sich bereits im Vorfeld um einen Baderollstuhl gekümmert. So konnten wir Herrn Weimar direkt an den Strand bringen.
Wir genossen gemeinsam die Sonne und hielten die Füße ins kühle Ostseewasser. Für Herrn Weimar war es ein ganz besonderer Moment: Nach langer Zeit war er wieder am Meer.
Anschließend kehrten wir in der nahegelegenen Strandbar „Strandoase Treichel“ ein. Auch dort erlebten wir eine Begegnung, die uns in Erinnerung bleiben wird.
Als ich mein Portemonnaie herausholte, um unsere Getränke zu bezahlen, sagte der Besitzer kurzerhand: „Das kannst du mal ganz schnell wieder einpacken und jetzt kommst du mal mit hoch und sagst mir, was ihr möchtet.“
Eine kleine Geste – aber für uns ein großes Zeichen von Menschlichkeit und Herzlichkeit. Vielen Dank dafür!
Leuchtturm, Möwen und eine frische Brise
Danach ging es weiter an der Promenade entlang. Wir kamen am „Pott“ und am Leuchtturm vorbei und liefen bis zur Mole.
Dort ließen wir uns den Wind um die Nase wehen und beobachteten lange das Meer und die Boote, die ein- und ausliefen. Auch einige große Fähren waren dabei.
Mittlerweile war es schon weit nach 15 Uhr und der Hunger meldete sich. Also ging es zur Fischbude. Für uns gab es leckere Fischbrötchen, während Herr Weimar etwas Matjes ohne Brötchen bekam, da er aufgrund seiner Schluckbeschwerden kein Brot mehr essen kann.
Wir mussten uns beim Essen aber ohnehin beeilen – schließlich hatten auch die Warnemünder Möwen großes Interesse an unserem Mittagessen.
Anschließend schlenderten wir noch ein wenig durch die Shoppingmeile. Herr Weimar gönnte sich dabei sogar noch eine neue Kopfbedeckung.
Zwei Muscheln für Schwester Annegret
Bevor wir die Heimfahrt antraten, stand noch eine wichtige Aufgabe auf dem Programm: Wir wollten die versprochenen Muscheln für Schwester Annegret mitbringen.
Das erwies sich als gar nicht so einfach, denn Muscheln waren erstaunlich rar. Aber schließlich fanden wir doch noch zwei schöne Exemplare.
Damit war alles erledigt – und um 17 Uhr saßen wir glücklich und zufrieden wieder im Wünschewagen.
„Ich bin zufrieden“
Obwohl der Tag für Herrn Weimar anstrengend war, dachte er auf der Rückfahrt gar nicht daran, zu schlafen. Er war voller Euphorie und Glück.
Zurück auf dem Wohnbereich wurde er bereits sehnsüchtig von seinem Zimmernachbarn erwartet. Und Herr Weimar kam mit einem breiten Lächeln zurück.
Am nächsten Morgen sagte er:
„Ich bin zufrieden. Ich habe die Ostsee gesehen, den Leuchtturm und die Fähren. Ich bin sehr glücklich.“
Mehr muss man eigentlich nicht sagen.
Denn genau darum geht es: Menschen, die wir begleiten und die uns anvertraut sind, besondere Momente zu ermöglichen. Wünsche wahr werden zu lassen. Und ihnen vielleicht noch einmal ein ganz besonderes Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
Danke an alle, die diesen Tag möglich gemacht haben
Ein solcher Tag ist nur möglich, weil es Menschen gibt, die sich mit viel Engagement dafür einsetzen.
Deshalb sagen wir von Herzen: Danke an den Wünschewagen des ASB – schön, dass es euch gibt!
Danke an Toto und Daniel, die uns an diesem Tag begleitet und mit so viel Herz unterstützt haben. Danke an unseren Kollegen David, der uns spontan begleitet hat. Und danke an unser Leitungsteam, das diese Fahrt möglich gemacht hat.
Es war für uns alle ein wunderschönes und unvergessliches Erlebnis.
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