Ausnahmesituation im Vogelsberg: Zwei Dörfer müssen evakuiert werden
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Mittwoch, März 25, 2026
„Extreme Wetterlagen, zivile Verteidigung, Naturkatastrophen – viele Situation sind möglich und auf die müssen wir vorbereitet sein“, betont Landrat Dr. Jens Mischak. Die Kreisverwaltung hat sich, wie alle Kreise in Hessen, dazu professionelle Unterstützung durch die Lülf+ Sicherheitsberatung GmbH geholt. Seit Oktober vergangenen Jahres läuft die Schulungsreihe, die übrigens vom Land Hessen finanziert wird. Nach ersten Gesprächen, Briefings und Schulungen nun also die große Stabsübung. Über zwei Tage geht sie, wird in allen Phasen von den Lülf-Mitarbeitern beobachtet. Die haben auch das Übungsszenario erstellt, das mit immer neuen „Überraschungen“ aufwartet.
Doch der Reihe nach: Proppenvoll ist es an diesem Morgen im Sitzungssaal der Kreisverwaltung, Landrat Dr. Jens Mischak, Erster Kreisbeigeordneter Patrick Krug und die Mitarbeiter aus den beiden Stäben staunen nicht schlecht, als ihnen die Ausgangslage präsentiert wird: Eine Gluthitze hat Deutschland erfasst, seit Wochen klettert das Thermometer tagsüber auf 40 Grad, die Nächte bringen keine Abkühlung. Die Landwirte haben Sorge um ihre Ernte, die Wirtschaft klagt über einen hohen Krankenstand, die medizinischen Einrichtungen arbeiten am Limit, es gibt keine freien Betten mehr in den Krankenhäusern.
An diesem Morgen dann spitzt sich die Lage extrem zu: Mehrere große Waldbrände werden gemeldet, in Homberg werden mehr als 30 Personen im Freibad von aggressiven Mücken gestochen, in Nieder-Ohmen gibt es einen Stromausfall, weil Ameisen Kabel in einem Verteilerkasten zerstört haben, dann plötzlich ein Post auf Facebook, angeblich ist ein Zug mit 120 Menschen an Bord im Schwalmtal entgleist.
Die Meldungen, die in der Leitstelle des Vogelsbergkreises eingehen, überschlagen sich. Ruhig und besonnen ordnen die Katastrophenschützer in ihrem Stabsraum die Informationen ein, erstellen Lagekarten, entsenden Einsatzkräfte, richten Bereitstellungsräume für Feuerwehren ein, die ihre Kameraden im Einsatz ablösen können.
Ein Stockwerk weiter unten in der Kreisverwaltung tagt der Verwaltungsstab, dort wird überlegt, ob Verfügungen erlassen werden müssen. Da geht es natürlich um Finanzen oder um die Frage, was wohl passiert, wenn die Trinkwasserversorgung zusammenbricht. Könnten Milchlaster eingesetzt werden, um Wasser in betroffene Gemeinden zu fahren?
Apropos Wasser: Plötzlich taucht ein Bild im Netz auf von einem Festival in Schlitz, verzweifelt versuchen die Besucher dort, an Wasser zu gelangen. „Wir haben keine Kapazitäten mehr, unsere Rettungskräfte arbeiten am Limit. Ebenso die Feuerwehren, wir können keine zusätzlichen Brandwachen stellen in dieser Zeit“, so die Rückmeldung aus der Einsatzzentrale der Katastrophenschützer. „Okay, keine Frage. Das Festival muss abgesagt werden“, entscheidet Landrat Dr. Jens Mischak.
Im Stundenrhythmus tagen die beiden Stäbe, bringen sich auf den aktuellen Stand, leiten die nächsten Schritte ein. Die Lage will sich einfach nicht entspannen, im Gegenteil. Die Konsequenz: In Abstimmung mit dem Innenministerium ruft Landrat Dr. Mischak den Katstrophenfall aus. Jetzt können weitere Helfer – unter anderem die Bundeswehr – angefordert werden.
Das wird passieren, denn mittlerweile muss von 200 Verletzten ausgegangen werden. Der Flächenbrand bei Angersbach hat bereits fünf Hektar erfasst, breitet sich immer weiter aus, bei Kirtorf stehen 20.000 Quadratmeter in Flammen, das Feuer frisst sich vor in Richtung Truppenübungsplatz. Am Nidda-Stausee werden sechs bis acht Menschen vermisst, noch liegen keine gesicherten Informationen vor. Beim Festival in Schlitz wird einfach weitergefeiert, obwohl es abgesagt wurde, auch dort sind schon 50 Verletzte zu behandeln. Dann die Meldungen über die Klimaaktivisten, über die bevorstehenden Evakuierung zweier Dörfer, über Krankenhaus und Altenheim…
Das alles stößt natürlich auf ein riesiges Medieninteresse – der Vogelsbergkreis hat auch in diesem Fall etwas Besonderes zu bieten: Eine Pressekonferenz mit dem hessischen Innenminister Prof. Roman Poseck. Regionale Medien haben sich angesagt, der öffentlich-rechtliche Rundfunk, aber auch ein Privatsender hat seinen Reporter nach Lauterbach geschickt. Der Innenminister hat gemeinsam mit dem Landrat gerade verschiedene Einsatzstellen besucht, sich ein Bild der Lage gemacht. Beide loben den unglaublichen Einsatz der Helfer unter schwierigsten Bedingungen, sprechen ihnen einen großen Dank aus. Und sie stellen sich den Fragen der Journalisten (natürlich handelt es sich auch hierbei um Lülf-Mitarbeiter). „Gab es Versäumnisse in der Vorbereitung auf die vorhersehbare Hitzewelle?“, will der RTL-Reporter wissen. Unsere Antwort: Nach dieser zweitägigen Übung doch wohl kaum!
Stimmen zur Übung:
„Der Verwaltungsstab der Kreisverwaltung hat seine erste Übung in neuer Zusammensetzung unter herausfordernden Realbedingungen erfolgreich absolviert. Seit Herbst 2025 wurde der Verwaltungsstab komplett neu aufgebaut und umfassend geschult. Die zweitägige Übung diente der praktischen Erprobung der Strukturen, Abläufe und Schnittstellen.“
Landrat Dr. Jens Mischak
„Besonders positiv hervorzuheben sind die reibungslos funktionierenden Schnittstellen zum Katastrophenschutz-Stab. Diese Zusammenarbeit hat maßgeblich zum strukturierten und zügigen Übungsverlauf beigetragen.“
Patrick Krug, Erster Kreisbeigeordneter
„Insgesamt bewertet der Verwaltungsstab den Ablauf der Übung als gelungen. Die neu etablierten Prozesse haben sich bewährt, Verbesserungspotenziale wurden identifiziert und fließen in die weitere Optimierung ein. Damit ist eine solide Basis für die zukünftige Arbeit im Einsatzfall gelegt.“
Ulrich Schäfer, Leiter des Verwaltungsstabes
„Durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Akademie wurde nicht nur das Szenario bespielt, sondern die Mitglieder des Katastrophenschutz-Stabes gecoacht, was eine angenehme Atmosphäre bei allen Beteiligten schaffte. Die ruhige Atmosphäre führte zu einem angenehmen und geregeltem Übungsverlauf und einem wertschätzenden Miteinander.“
Marcell Büttner, Leiter des Katastrophenschutz-Stabes
Kreisausschuss des Vogelsbergkreises
Goldhelg 20
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