Präsident Hofmann: Blick in die Geschichte
„Es ist ein Anlass, der für unsere Handwerkskammer, für das Handwerk in unserer Region und für das öffentliche Leben insgesamt von besonderer Bedeutung ist“, sagte Kammerpräsident Klaus Hofmann in seiner Eröffnungsrede. 125 Jahre stünden für über ein Jahrhundert der Verantwortung, Interessenvertretung, Ausbildung, Selbstverwaltung und für ein sich stetig weiterentwickelndes Handwerk in all seinen Facetten. Der Präsident führte noch einmal die Anfangszeit vor Augen, in der sich das Handwerk vor tiefgreifenden Umbrüchen befand: Industrialisierung, Urbanisierung, neue Produktionsweisen, und neue soziale Fragen hatten es im ausgehenden 19. Jahrhundert vor große Probleme gestellt. „Die Antwort darauf war die organisierte Selbstverwaltung“, so Klaus Hofmann. Exakt 125 Jahre vor der Feierstunde am Freitag, nämlich am 30. Januar 1901, hatten sich daher 20 Vertreter aus dem Handwerk im Haus M 5, 5 zusammengefunden, um die Geburtsstunde der Handwerkskammer in Mannheim zu besiegeln.
Seither, so Präsident Klaus Hofmann, beschreite die Selbstverwaltung des Handwerks einen Erfolgsweg, auf dem die Ordnung der Berufsausbildung, die Vertretung der Interessen gegenüber Politik und Gesellschaft und die Sicherung handwerklicher Standards bis zum heutigen Tag Kerninhalte seien. Dass die Organisation vom Ehrenamt getragen werde, sei ein bewusst gewähltes Modell, das jenen Entscheidungen erlaube, die die Praxis kennen. „Dieses Ehrenamt ist kein historisches Relikt, sondern hochaktuell“, so Klaus Hofmann. „Gerade in Zeiten komplexer Regulierung und schneller Veränderungen ist Praxisnähe entscheidend.“ Ebenso wichtig: die Zusammenarbeit mit Politik und Verwaltung. „Handwerk funktioniert nicht im luftleeren Raum“, sagte der Präsident. „Es braucht verlässliche Rahmenbedingungen, gute Zusammenarbeit mit den Kommunen, mit dem Land und dem Bund.“
Erste Bürgermeisterin Pretzell: Gemeinsam gestalten
Mannheims Erste Bürgermeisterin Prof. Dr. Diana Pretzell hielt das Grußwort der Stadt in Vertretung von Oberbürgermeister Christian Specht, der aufgrund einer kurzfristigen Terminüberschneidung erst später zur Veranstaltung stieß. Das Handwerk sei eines der „ganz großen Räder“, die diese Stadt am Laufen hielten. Schon die Zünfte hätten die Stadt einst aufgebaut – die Selbstverwaltung des Handwerks habe dies in den vergangenen 125 Jahren weitergelebt. Handwerk stehe für Präzision, für Innovation und für Verantwortung. Die Erste Bürgermeisterin verwies in ihrem Grußwort aber auch auf das gemeinsame Gestalten zwischen Stadt, Handwerk und weiteren Partnern und hielt dies unter anderem am Beispiel der Wärmewendeakademie fest, die nun bereits seit über einem Jahr bestehe und ein „absolutes Erfolgsmodell“ sei. „Wir werden bundesweit gefragt, wie habt ihr das gemacht?“, sagte Prof. Dr. Diana Pretzell. Bis zum ersten Geburtstag der Akademie hätten bereits 90 Handwerksbetriebe die Ausbildung dort durchlaufen und gelernt, wie Hand in Hand und gewerkeübergreifend die Umsetzung der Wärmewende erfolgreich zu gestalten sei.
Auch Oberbürgermeister Christian Specht griff die Zusammenarbeit im Bereich der Wärmewendeakademie als ein Beispiel von Innovation und Schulterschluss zwischen Firmen, Kammer und Verwaltung auf. Er bedankte sich zudem für die Leistung des Handwerks im Bereich der Integration und der Ausbildung. „Das ist ein Beitrag zur Demokratie“, so der Oberbürgermeister. Er überreichte zum Jubiläum eine Geburtstagstorte, die im Anschluss an den offiziellen Teil gemeinsam angeschnitten wurde.
Handwerkspräsident Dittrich: Appell zur Wertschätzung der Selbstverwaltung
Eine viel beachtete Rede hielt Handwerkspräsident Jörg Dittrich, der für den Zentralverband des Deutschen Handwerks aus Berlin nach Mannheim gekommen war. Er erinnerte an das 1897 verabschiedete Gesetz, dem zufolge zur Vertretung der Interessen des Handwerkes Handwerkskammern zu errichten seien und welch langer Kampf von Handwerkern vorausgegangen war, ehe sie ihre Selbstverwaltung durchsetzen konnten. „Das Jubiläum der Kammern ist für mich auch eine Ermahnung an die Handwerkskolleginnen und Handwerkskollegen, dass wir uns dies nochmals bewusst machen“, so der Handwerkspräsident. „Die Kammern wurden gegründet, weil das Handwerk es leid war, nicht gehört zu werden. Weil das Handwerk es leid war, dass es keine gute Ausbildung gab. Es wurde verdrängt von der Industrie. Made in Germany war eine Brandmarkung der Dritten für den Schund, der in Deutschland hergestellt wurde. Dagegen ist das Handwerk angegangen.“ Das Handwerk habe durch die Gründung der Kammern Entscheidungen durch die Betroffenen herbeigeführt.
Dies sei heute vielfach von Handwerkerinnen und Handwerkern selbst vergessen, wenn von „Zwangsmitgliedschaft“ die Rede sei. „Andere Länder wären froh, so etwas zu haben – und wir schätzen es nicht genügend“, sagte der Präsident des Zentralverbandes. Jörg Dittrich unterstrich den Auftrag, diese Leistung der Vorfahren würdig in die Zukunft zu tragen, indem deutlich gemacht werde, dass es etwas wirklich Besonderes sei, sich selbst vertreten zu dürfen. „Unsere Vorfahren haben diese Kammern gegründet und sie haben damit Selbstwirksamkeit entfaltet. Wir müssen uns in der Gesellschaft und im Handwerk mehr dafür einsetzen, dass diese Selbstwirksamkeit uns deutlich wird“, so Jörg Dittrich. Die Handwerkskammern, Innungen und Kreishandwerkerschaften hätten großen Einfluss auf Themen des Wirtschaftsverkehrs. „Das wird nicht in Berlin entschieden – das machen Sie hier. Oder auf die Ausstattung von Berufsschulen, das passiert in den Kommunen, in den Landkreisen. Wir haben selbst Einfluss darauf, wie unsere Organisation sich weiterentwickelt.“
Hauptgeschäftsführer Brandt: Aufgaben gemeinsam anpacken
In seinem Abschlusswort blickte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald auch auf die Aufgaben der Zukunft. 125 Jahre gelebte Selbstverwaltung seien getragen vom Engagement vieler Generationen von Handwerkerinnen und Handwerkern, die bereit waren, mehr zu tun als „nur“ ihren eigenen Betrieb zu führen. „Das ist heute, in der verdichteten Arbeitswelt, keine Selbstverständlichkeit mehr und sollte von allen geschätzt werden, denn Selbstverwaltung ist gelebte Demokratie“, so Jens Brandt. Das Jubiläum sei ein Anlass, in die Vergangenheit zu schauen, besonders aber auch ein Auftrag für die Zukunft. Er nannte mit der „Zukunft der Ausbildung“, der „Zukunft der Fachkräfte“, der „Zukunft der Betriebe“ und der „Zukunft der Organisationen“ vier Themenschwerpunkte, die gemeinsam zu gestalten seien.
Um die Ausbildung im Handwerk weiter zu stärken müsse – wie schon bisher – nicht nur gut ausgebildet werden, sondern jeden Tag noch deutlicher erklärt werden, warum eine Ausbildung im Handwerk echte Zukunftsaussichten biete. In die überbetriebliche Ausbildung gelte es weiter zu investieren. Junge Menschen müssten in persönlichen Begegnungen mit authentischen Einblicken, echten Vorbildern und regionalen Identifikationsfiguren begeistert werden. „Besonders gut kann uns dies gelingen, wenn wir noch intensiver den Gemeinschaftsansatz verfolgen und unseren Dreiklang wirken lassen: die Kammer bietet die Infrastruktur, das Ehrenamt die Praxisnähe und die Betriebe die Authentizität“, sagte der Hauptgeschäftsführer. Weitere Themen wie die Stärkung der Attraktivität des Handwerks auch für Fach- und Führungskräfte, betriebsrelevante Themen wie Nachfolge, Digitalisierung und die Neuaufstellung von Betriebsstrukturen seien maßgebend für die anspruchsvollen Aufgaben von heute und morgen. „Wenn Kammer, Ehren- und Hauptamt und Betriebe gemeinsam handeln, wenn Erfahrung auf Innovation trifft, und wenn Verantwortung nicht delegiert, sondern übernommen wird, dann bleibt das Handwerk nicht nur stabil, sondern zukunftsfähig“, so der Hauptgeschäftsführer.
Was dem Handwerk für die kommenden Jahre gewünscht wird:
„Ich wünsche mir, dass das Handwerk in 25 Jahren noch genauso gut dasteht wie heute. Dass viele junge Menschen den Weg ins Handwerk gefunden haben. Dass viele Frauen Unternehmensgründerinnen geworden sind. Und dass es eine Selbstverständlichkeit ist, dass Handwerk ein integraler Bestandteil dieses Wirtschaftsstandorts ist.“
Stefan Dalliner, Landrat
„Dass wir in lebendigen, lebens- und liebenswerten Regionen leben, und zwar deshalb, weil das Handwerk in der Vergangenheit und in der Gegenwart das getan hat, um die Zukunft für uns zu gestalten – mit Tradition und Innovation.“
Dr. Achim Brötel, Landrat
„Dass das Handwerk auch in 10, 15, 20 Jahren mit der gleichen Leidenschaft in seinen Berufen unterwegs sein kann und wir es bis dahin geschafft haben, es dem Handwerk in allen Teilen noch ein bisschen leichter zu machen.“
Michael Kleiner, Ministerialdirektor
„Dass das Handwerk gemeinsam mit uns die Daseinsvorsorge und diese Stadt so voranbringt, dass jeder größte Achtung hat vor der Qualität der Stadt und der Region, in der wir leben.“
Prof. Dr. Diana Pretzell, Erste Bürgermeisterin Stadt Mannheim
„Ich wünsche mir, dass wir in den nächsten 25 Jahren tatsächlich Bürokratie abgebaut haben. Seitdem ich im Ehrenamt bin, ist das ein Thema. Unabhängig davon weiß ich, dass wir im Handwerk immer auf unsere Weiterentwicklung vertrauen können und in 25 Jahren wieder hiersitzen werden und stolz auf das bis dahin Geleistete sein können.“
Klaus Hofmann, Präsident Handwerkskammer
„Ich wünsche mir, dass ich in 25 Jahren zum nächsten Jubiläum wieder eingeladen werde, um ein Grußwort zu halten und von den dann Handelnden gefragt werde: Ihr hattet doch damals zum 125-Jährigen ganz schön viele Probleme vor der Brust: soziale Sicherungsprobleme, Geopolitik, Klima, Mobilität, Transformation und die Stimmung waren doch relativ schlecht. Wie habt ihr das eigentlich geschafft, das wieder zu drehen, und uns an die Spitze zu führen, und nicht so hasenfüßig zu sein, zu glauben, wir müssten immer nur um den Platz spielen, sondern wir können um den Sieg spielen?“
Jörg Dittrich, Handwerkspräsident
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