Die National Multiple Sclerosis Society verleiht Professor Dr. Manuel A. Friese den Barancik- Preis 2025 für Innovation in der MS-Forschung
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Donnerstag, Jan. 22, 2026
Der vorherige Preisträger des Barancik-Preises Dr. med. Peter Calabresi, nominiert Friese für den Preis, mit der Begründung: “Die Arbeit von Manuel Friese hat fundamental verändert, wie wir Neurodegeneration bei progressiver Multipler Sklerose verstehen. Durch die Verbindung von Immunologie, Neurobiologie und klinischer Anwendung hat er völlig neue Wege eröffnet, wo es zuvor kaum welche gab. Der Barancik-Preis ist eine angemessene Anerkennung für seine Originalität, seine Sorgfalt und seinen transformativen Einfluss auf dieses Fachgebiet.”
Bei MS greift das Immunsystem das Gehirn und das Rückenmark an. Während dieses Angriffs werden Myelin (die Schutzhülle um die Nervenfasern) und Axone (Nervenfasern) beschädigt. Nicht behobene Schäden führen zu einer Störung der Zellsignale und zum Absterben von Nervenzellen, was wiederum MS-Symptome, klinische Behinderungen und das Fortschreiten der Krankheit zur Folge hat.
In der Vergangenheit konzentrierte sich die MS-Forschung und die Entwicklung von Medikamenten auf die Entzündung, die die Schübe verursacht. Obwohl die derzeitigen krankheitsmodifizierten Medikamente die Immunantwort wirksam unterdrücken und Rückfälle reduzieren, verhindern sie nicht das Fortschreiten der Krankheit. Diese Lücke in der Behandlung motivierte Friese, andere biologische Faktoren zu untersuchen, die das Fortschreiten der MS beeinflussen.
Seine Forschung fokussiert sich darauf, wie Nervenzellen auf die bei MS auftretende Entzündungsumgebung reagieren. Seine Gruppe hat maßgebliche Arbeit bei der Identifizierung spezieller Wechselwirkungen zwischen Entzündungen und Nervenzellen geleistet, darunter spezifische Signalwege und Proteine, die als zukünftige therapeutische Ziele in Frage kommen könnten. Eine Auswahl der zahlreichen Forschungsbeiträge von Manuel Friese umfasst:
Charakterisierung der „neuronalen Entzündungsstressreaktion“:
Friese entdeckte, dass Nervenzellen nicht nur passive Opfer von Entzündungen sind, wie bisher angenommen wurde. Stattdessen reagieren Nervenzellen aktiv, wenn sie Entzündungssignalen ausgesetzt sind. Sie lösen interne Signalwege aus, die Prozesse stören, die Nervenzellen im Allgemeinen benötigen, um gesund zu bleiben, wie beispielsweise die Proteinausscheidung, den Stoffwechsel, die Signalübertragung und die Genregulation. Diese Störungen führen zu einer Schädigung der Nervenzellen und zu Neurodegeneration.
Genetische oder medikamentöse Ansätze, die auf diese Signalwege abzielen, können dazu beitragen, die zellulären Störungen zu korrigieren, die Gesundheit der Nervenzellen zu erhalten und in einigen Fällen die Schwere der Erkrankung in Mausmodellen mit MS-ähnlichen Merkmalen zu verringern.
AUSWIRKUNGEN: Diese Arbeit hat die Sichtweise der Wissenschaftler auf das Absterben von Nervenzellen und das Fortschreiten der MS verändert. Außerdem wurden viele neue potenzielle Ansatzpunkte für zukünftige Behandlungen identifiziert, die die Gesundheit der Nervenzellen schützen und das Fortschreiten der Erkrankung stoppen könnten.
Entdeckung einer neuen Verbindung zwischen Gehirn und Immunsystem, die Entzündungen bei MS reduziert:
Friese fand heraus, dass der Spiegel eines Proteins namens GDF-15 im Blutkreislauf während der Schwangerschaft ansteigt und mit weniger Rückfällen in Verbindung steht. GDF-15 sendet Signale an bestimmte Neuronen im Hirnstamm, die das Immunsystem umprogrammieren können. Durch diese Umprogrammierung wird verhindert, dass schädliche Immunzellen in das Gehirn und das Rückenmark eindringen, und es wird vor entzündlichen Schädigungen geschützt.
AUSWIRKUNGEN: Dieser neu identifizierte Weg zwischen Gehirn und Immunsystem könnte für zukünftige MS-Therapien genutzt werden. GDF-15-basierte Behandlungen werden bereits bei anderen Erkrankungen am Menschen getestet, was ihre Weiterentwicklung zu klinischen Tests für MS möglicherweise beschleunigen könnte.
Dr. Bruce Bebo, Executive Vice President of Research bei der National MS Society, kommentierte die Entscheidung der National MS Society wie folgt: „Die Arbeit von Professor Friese ist ein Beispiel für die Art von mutiger, innovativer Wissenschaft, für deren Anerkennung der Barancik-Preis ins Leben gerufen wurde. Seine Forschung bietet eine neue Vision für die Behandlung von MS – eine Vision, die über die Kontrolle von Entzündungen hinausgeht. Seine Entdeckungen eröffnen vielversprechende neue Wege für Therapien, die endlich die Neurodegeneration bekämpfen und uns dem Ziel näherbringen könnten, das Fortschreiten der Krankheit zu stoppen – eines der dringendsten ungelösten Probleme für Menschen, die mit MS leben.“
Neben seiner Laborforschung ist Friese weiterhin führend in der klinischen Behandlung von Menschen mit MS. Zusammen mit Kollegen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf betreut er die ersten Patienten mit progressiver MS, die eine CD19-CAR-T-Therapie erhalten. Dabei handelt es sich um einen experimentellen Ansatz, der sich noch in einem sehr frühen Stadium der klinischen Erprobung für MS befindet. Die Sicherheit und Wirksamkeit bei MS ist noch nicht erwiesen, aber wenn größere Studien erfolgreich sind, könnte dieser Ansatz eines Tages eine neue Behandlungsform darstellen.
Friese kommentierte die Auszeichnung wie folgt: „Ich fühle mich zutiefst geehrt, den Barancik-Preis zu erhalten, und bin dankbar, nun zu der angesehenen Gruppe der bisherigen Preisträger zu gehören. Als Neurologe, der Patienten mit Multipler Sklerose behandelt, bin ich mir der Dringlichkeit bewusst, die pathophysiologischen Grundlagen des Fortschreitens von MS aufzudecken. Durch meine frühzeitige Integration von Neurobiologie und Immunologie konnte ich wegweisende mechanistische Erkenntnisse darüber gewinnen, wie Nervenzellen auf Entzündungen während MS reagieren und durch diese umprogrammiert werden. Dieser Preis ist eine zusätzliche Motivation, diesen Forschungsweg fortzusetzen und unsere Entdeckungen in neue therapeutische Strategien umzusetzen. Nur durch solche Bemühungen können wir maßgeschneiderte Behandlungen entwickeln, die die Widerstandsfähigkeit der Nervenzellen gegenüber entzündlichen Stressfaktoren verbessern und letztendlich das unaufhaltsame Fortschreiten der Krankheit stoppen, das mit den derzeitigen Therapien nicht vollständig verhindert werden kann. Ich bedanke mich ganz herzlich bei meinem Labor für sein außergewöhnliches Engagement und seine hervorragende Arbeit.“
Mit der Verleihung des Barancik-Preises reiht sich Friese in eine angesehene Gruppe von Forschern ein, deren Innovationskraft und Kreativität den Fortschritt auf dem Weg zu besseren Behandlungsmethoden und Heilungsmöglichkeiten für MS beschleunigen. Er wird am 6. Februar 2026 im Rahmen des Forums des Americas Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ACTRIMS) offiziell geehrt und die Barancik-Preisvorlesung halten.
Professor Dr. med. Manuel A. Friese wurde bereits zweimal im Rahmen der Forschungsförderung der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) unterstützt: 2020 erfolgte die Förderung seines Projekts „Genetic determinants of neuronal resilience to inflammatory stress in multiple sclerosis“ im Rahmen der Ausschreibung zu genetischen Aspekten der MS. Dieses Projekt untersuchte Mechanismen der Neuronenresilienz gegenüber entzündlichem Stress bei MS und wurde über einen Zeitraum von zwei Jahren mit Mitteln der DMSG gefördert. Das ebenfalls von der DMSG geförderte Projekt zum Einfluss chronischer Entzündungen auf das biologische Alter des Nervensystems („Inflammaging“), läuft vom 01.10.2025 bis 30.09.2027.
Prof. Friese zu seinem Preis: "Ich fühle mich sehr geehrt, den renommierten Barancik-Preis zu erhalten. Als Neurologe, der Menschen mit Multipler Sklerose behandelt, kenne ich die Dringlichkeit, die Pathomechanismen der Krankheitsprogression zu verstehen. Die Verbindung von Neurobiologie und Immunologie hat es mir ermöglicht, neue Einblicke in die Reaktion und Umprogrammierung von Nervenzellen durch Entzündungsprozesse bei MS zu gewinnen. Diese Auszeichnung motiviert mich, meinen Forschungsweg fortzusetzen und unsere Erkenntnisse in neue Therapien zu übersetzen, um das Fortschreiten der MS aufzuhalten.“
Prof. Dr. Ralf Gold, Vorsitzender des Ärztlichen Beirats der DMSG, ergänzt dazu: "Mit seinen innovativen Arbeiten hat Prof. Friese zeigen können, dass Nervenzellen über Mechanismen verfügen, die Ihnen das Überleben bei entzündlichen Attacken erleichtern – ein wichtiger Überlebensmechanismus für unser Nervensystem."
Kurzbiografie: Manuel A. Friese studierte Medizin an den Universitäten Hamburg, Oxford und University College London und promovierte 2001 zum Doktor der Medizin. Er absolvierte eine neurologische Ausbildung an den Universitäten Tübingen und Hamburg und absolvierte zwischen 2004 und 2008 eine postdoktorale Forschungsausbildung an der Universität Oxford. Im Jahr 2008 gründete er sein Labor am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Derzeit ist er Direktor des Zentrums für Molekulare Neurobiologie, Direktor des Instituts für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose, Professor für Neuroimmunologie und beratender Neurologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf.
Über den Barancik-Preis für Innovation in der MS-Forschung: Dieser internationale Preis wird durch die Charles and Margery Barancik Foundation ermöglicht. Charles und Margery waren zwei visionäre Persönlichkeiten der MS-Bewegung und eine treibende Kraft, um neue Behandlungsmethoden und letztendlich eine Heilung für Multiple Sklerose voranzutreiben. Der Barancik-Preis ehrt Forscher, die außergewöhnliche Innovation und Originalität in der MS-bezogenen Wissenschaft zeigen, wobei der Schwerpunkt auf Arbeiten liegt, die ein klares Potenzial haben, die Zukunft der MS-Forschung voranzutreiben und zu gestalten.
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Über Multiple Sklerose
Multiple Sklerose ist eine unvorhersehbare Erkrankung des zentralen Nervensystems. Derzeit gibt es keine Heilung. Die Symptome variieren von Person zu Person und können zu starker Erschöpfung, Mobilitätseinschränkungen, kognitiven Veränderungen und Sehstörungen führen. Schätzungsweise 1 Million Menschen leben in den Vereinigten Staaten mit MS. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um Behinderungen zu minimieren. Es werden bedeutende Fortschritte erzielt, um eine Welt ohne MS zu erreichen.
Über die National Multiple Sclerosis Society
Die National MS Society wurde 1946 gegründet und ist weltweit führend in einer wachsenden Bewegung, die sich für eine Welt ohne MS einsetzt. Die Gesellschaft finanziert Spitzenforschung zur Heilung, treibt Veränderungen durch Interessenvertretung voran und bietet Programme und Dienstleistungen an, die Menschen mit MS helfen, ihr Leben bestmöglich zu gestalten. Erfahren Sie mehr und engagieren Sie sich: nationalmssociety.org, Facebook, X (früher bekannt als Twitter), Instagram, YouTube oder 1-800-344-4867.
Über “Pathways to Cure”
„Pathways to Cures“ ist eine von der National MS Society entwickelte Forschungsroadmap aus dem Jahr 2022, die die Suche nach Heilungen für Multiple Sklerose strukturiert. Sie wurde gemeinsam mit Forschenden, Menschen mit MS und internationalen Organisationen erarbeitet, um klare Forschungsziele und Prioritäten zu setzen. Diese Roadmap beschreibt drei Wege, wie man dem Ziel einer Heilung näherkommen kann (Krankheitsprozess stoppen, verlorene Funktionen wiederherstellen, MS verhindern) und soll die globale Forschung koordinieren und beschleunigen.
Redaktion: DMSG Bundesverband e.V. – 22.01.2026
Der DMSG-Bundesverband e.V., 1952/1953 als Zusammenschluss medizinischer Fachleute gegründet, vertritt die Belange Multiple Sklerose Erkrankter und organisiert deren sozialmedizinische Nachsorge.
Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft mit Bundesverband, 16 Landesverbänden und derzeit mehr als 750 örtlichen Kontaktgruppen ist eine starke Gemeinschaft von MS-Erkrankten, ihren Angehörigen, mehr als 3380 engagierten ehrenamtlichen Helfern und 220 hauptberuflichen Mitarbeitern. Insgesamt hat die DMSG 42.000 Mitglieder.
Mit ihren umfangreichen Dienstleistungen und Angeboten ist sie heute Selbsthilfe- und Fachverband zugleich, aber auch die Interessenvertretung MS-Erkrankter in Deutschland. Schirmherr des DMSG-Bundesverbandes ist Christian Wulff, Bundespräsident a.D.
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark), die zu Störungen der Bewegungen, der Sinnesempfindungen und auch zur Beeinträchtigung von Sinnesorganen führt. In Deutschland leiden nach Zahlen des Bundesversicherungsamtes mehr als 240.000 Menschen an MS. Trotz intensiver Forschungen ist die Ursache der Krankheit nicht genau bekannt.
MS ist keine Erbkrankheit, allerdings spielt offenbar eine genetische Veranlagung eine Rolle. Zudem wird angenommen, dass Infekte in Kindheit und früher Jugend für die spätere Krankheitsentwicklung bedeutsam sind. Welche anderen Faktoren zum Auftreten der MS beitragen, ist ungewiss. Die Krankheit kann jedoch heute im Frühstadium günstig beeinflusst werden. Deutschlandweit sind schätzungsweise 280.000 Menschen an Multipler Sklerose erkrankt, weltweit etwa 2,8 Mio. Menschen.
Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft Bundesverband e.V.
Krausenstr. 50
30171 Hannover
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Telefax: +49 (511) 96834-50
https://www.dmsg.de
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