Alle Jahre wieder: Warum Vorsätze für das neue Jahr oft scheitern und wie sie zum Erfolg führen können
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Donnerstag, Jan. 8, 2026
An Tipps, wie eine gesunde Ernährung auszusehen hat, welche Sportarten gelenkschonend sind, für eine bessere Kondition oder generell mehr Gesundheit sorgen, mangelt es ebenso wenig wie an Empfehlungen, wie ein gesundes Leben grundsätzlich und im Allgemeinen auszusehen hat. Doch was nützen gute Ratschläge, wenn in der Realität die guten Vorsätze häufig scheitern? Oder die, die so ambitioniert gestartet sind, auf halber Strecke wieder in alte Gewohnheiten verfallen? „Es geht unter anderem darum, die für Gesundheit nötigen Verhaltensweisen dauerhaft im Alltag zu etablieren“, weiß Fabian Heringhaus und verhilft zum Blick über den Tellerrand, hin zu ergotherapeutischen Interventionen. Ergotherapeut:innen sind Spezialist:innen, die sich mit dem Alltag und mit Betätigungen befassen. Eine ihrer Aufgaben ist es, erkrankte Menschen dabei zu unterstützen, gesundheitsschädliches durch gesundheitsförderliches Verhalten zu ersetzen. Wenn es also gelingt, Menschen, die erkrankt sind – und dabei geht es sowohl um physische als auch um psychische Erkrankungen – zu Verhaltensänderungen zu befähigen, sollte das ebenso gut bei (noch) nicht Erkrankten beziehungsweise an Gesundheit Interessierten klappen. Stellt sich also die Frage: Wie gehen Ergotherapeut:innen vor?
Edukation: Ergotherapeut:innen informieren zum Thema „Gesundheit“
Um bestmögliche Voraussetzungen für ihre Arbeit zu schaffen, sorgen Ergotherapeut:innen dafür, dass bei ihren Patient:innen, die sie meist als Klient:innen bezeichnen, genügend Wissen – auch rund um ihre Gesundheit – vorhanden ist und sie alles verstanden haben, was ihnen erklärt wurde. Diese zentrale Aufgabe, die Ergotherapeut:innen an den Anfang ihrer Intervention stellen, nennen sie Edukation. Ergotherapeut:innen gehen im Übrigen respektvoll und auf Augenhöhe mit ihrem Gegenüber um. „Es ist ungünstig, sich wie ein Moralapostel oder belehrend zu verhalten; das macht andere klein“, findet Heringhaus. Ihm geht es darum aufzuklären und die Leute da abzuholen, wo sie gerade stehen. Er fährt fort: „Schließlich sind nicht jedem alle Sachverhalte, Zusammenhänge und Auswirkungen bekannt oder klar und man kann nicht erwarten, dass jemand sein Verhalten ändert, wenn er oder sie nicht weiß, warum“. Der Ergotherapeut findet immer einfühlsame, aber klare Worte, etwa, dass die Klient:innen selbst die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen müssen, sprich jeden Tag selbst etwas für ihre Gesundheit tun und nicht etwa einmal in der Woche bei ihm „behandelt werden“. Auch nennt er den Zeitraum, auf den sie sich einstellen müssen: Bis aus einer Verhaltensänderung eine Gewohnheit wird, dauert es gemäß den meisten Modellen des Gesundheitsverhaltens mindestens sechs Monate. Erst dann kann man mit einem dauerhaften Erfolg rechnen. Wer vorher wieder auf „normal“ zurückschaltet, hat verloren. Einer der Gründe, warum Vorsätze oft scheitern.
Dank Ergotherapeut:innen: Zielsetzungen realistisch formulieren
Ein weiter Grund für das Misslingen von (Neujahrs-)Vorsätzen ist die Art der Zielsetzung. Es ist besser, als Zielsetzung die Verhaltensänderung zu nehmen wie etwa „ich verändere mein Essverhalten“, „ich integriere mehr Sport in meinen Alltag“ oder „ich ändere meine Freizeitgestaltung“. Dazu der Ergotherapeut Heringhaus: „Ziele wie „Ich nehme 20 kg ab“ sind nicht nachhaltig, denn sie lassen zu, dass der- oder diejenige das gesundheitsförderliche Verhalten nicht weiter aufrechterhalten muss und in alte Essmuster verfallen darf, sobald die 20 kg runter sind“. Das leuchtet ein. Ebenso wie die ergotherapeutische Empfehlung, lieber kleinere, dafür erreichbare Ziele anzustreben. Oft sind es zu viele oder zu hochgesteckte Ziele, die sich Menschen in der Euphorie der Neujahrsnacht vornehmen. Etwas, das unrealistisch ist und woraus so gut wie nie etwas wird. Bei ihren Interventionen unterstützen Ergotherapeut:innen, die wie Fabian Heringhaus arbeiten, ihre Klient:innen beim Erreichen Ihrer Ziele, indem sie beispielsweise Verpflichtungen schaffen. Ergotherapeut:innen fragen nach, wie die vereinbarten Übungen und Verhaltensweisen geklappt haben, fordern Fotodokumentationen an und wollen wissen, wenn etwas nicht wie besprochen durchgeführt wurde, warum das so war und was man dagegen tun kann.
Ergotherapeut:innen nutzen Gesundheitsmodelle, die das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten fördern
Weitere Bausteine einer ergotherapeutischen Intervention bilden Gesundheitsmodelle. „Das HAPA (Health Action Process Approach) Modell ist ein Ansatz, der mehrere Elemente und Theorien miteinander verknüpft und die Bereiche Selbstwirksamkeit, Handlungserwartung und Risikowahrnehmung berücksichtigt“, legt Heringhaus dar. Den stärksten Effekt hat Selbstwirksamkeit, also die Überzeugung eines Menschen, wie er oder sie Aufgaben und Herausforderungen bewältigen kann. Dies gilt im positiven ebenso wie im Negativen. „Daher ist es auch so wichtig, die Ziele so festzulegen, dass sie tatsächlich erreichbar sind“, betont Heringhaus nochmals. Erfolge beflügeln und befeuern die Selbstwirksamkeit. Wer sich als selbstwirksam erlebt, ist motiviert, das veränderte Verhalten aufrechtzuerhalten und weiterzumachen. Die mit einem Erfolgserlebnis einhergehenden Hormone und Emotionen tragen ein Übriges dazu bei. Um das Ganze sichtbar zu machen, eignen sich aus Sicht des Ergotherapeuten Journals. Journals, oder auch „Tagebücher“, sind zu vielen Themen erhältlich: Ernährung, Bewegung, Stress, oder was immer ansteht. Eigene, selbst angelegte Tabellen funktionieren aber genauso gut.
Ergotherapeut:innen bestärken und machen Erfolge sichtbar
Es ist ein typischer Ansatz von Ergotherapeut:innen, Positives zu verstärken. „Das gelingt gut mit einem Journal, wo man jeden Tag einträgt, was gut gelungen ist, was positiv war, wofür man sich feiern darf“, sagt Heringhaus. Im Rahmen einer ergotherapeutischen Intervention bringen Klient:innen ihr Journal mit und präsentieren ihrer Ergotherapeutin oder ihrem Ergotherapeuten, wie es seit dem letzten Termin gelaufen ist. Das gemeinsame Reflektieren mit dem Journal nutzen Ergotherapeut:innen, um ihr Gegenüber im gezeigten Verhalten zu bestärken: „Toll, dass es geklappt hat, regelmäßig den Lieblingspodcast zu hören und gleichzeitig auf dem Fahrradergometer zu trainieren“ und so weiter. Ergotherapeut:innen ermutigen die Menschen, die aufgrund ihrer Erkrankung mit einer ärztlichen Verordnung zu ihnen kommen, sich etwas zuzutrauen. Und ebenso ermutigen sie alle anderen Menschen, die sich zutrauen, ihr Gesundheitsverhalten zu verbessern – in Eigenregie oder mit der Unterstützung von Ergotherapeut:innen, die präventive Leistungen für Selbstzahler anbieten. Ob das mit Beginn des neuen Jahres oder wann immer passiert: Hauptsache, diejenigen, die etwas ändern wollen tun den ersten Schritt, denn der ist bekanntlich der schwerste.
Informationsmaterial zu den vielfältigen Themen der Ergotherapie gibt es bei den Ergotherapeut:innen vor Ort; Ergotherapeut:innen in Wohnortnähe auf der Homepage des Verbandes unter https://dve.info/service/therapeutensuche. Zum Podcast gerne hier entlang: https://dve-podcast.podigee.io/
Deutscher Verband Ergotherapie e.V.
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