Michel Majerus

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Eröffnung: Freitag, 16. Dezember 2022, 19 Uhr
17. Dezember 2022 – 5. Februar 2023*
Dienstag–Sonntag 12–18 Uhr / Donnerstag 12–20 Uhr
* Vom 24. – 26. Dezember sowie am 31. Dezember 2022 und 1. Januar 2023 ist die Ausstellung geschlossen.

Pressevorbesichtigung: Freitag, 16. Dezember, 10:30 Uhr, in Anwesenheit der Kuratorin
Im Anschluss Pressetour / Möglichkeit zur geführten Besichtigung der weiteren Berliner Ausstellungsorte des Kooperationsprojekts Michel Majerus 2022: KW Institute for Contemporary Art, neugerriemschneider, Michel Majerus Estate.

Kuratorin: Michaela Richter

Das Werk von Michel Majerus (*1967 in Esch-sur-Alzette / Luxemburg, † 2002 in Niederanven / Luxemburg) ist geprägt von gesellschaftlichen Paradigmen, die sich in den 1990er Jahren entfalteten und bis in die heutige Zeit fortwirken: dem Beginn des virtuellen Zeitalters mit der zunehmenden Präsenz von Computer und Internet, der Ausbreitung von Massenmedien, Werbewelt, Pop- und Jugendkultur.

Nach seinem Studium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart zog Majerus 1992 nach Berlin und setzte hier im Boom der Wendezeit zu einer internationalen Karriere an. Er schuf großformatige Gemälde, raumgreifende Wandarbeiten und monumentale Installationen – diese sind gekennzeichnet von einer künstlerischen Reflexion des Digital Turn und der überbordenden Bildwelten, deren Präsenz heute die sozialen Netzwerke charakterisiert. Seine Arbeiten sind Ausdruck der Beschleunigung von Informations- und Konsumtionskreisläufen sowie der damit einhergehenden grenzenlosen Verfügbarkeit von Bildern. Majerus nutzte diese Einflüsse in einer Weise, die nicht nur eine Auseinandersetzung mit allgemeinen kulturellen Entwicklungen, sondern auch mit den Parametern künstlerischer Praxis und Rezeption selbst impliziert. Kennzeichnend für Majerus ist ein unhierarchisches und diskursives Bildverständnis, in dem Zitate, Serialität und Zeitlichkeit sowie die Verwischung der Grenzen zwischen Kunstwelt und Alltagsleben eine zentrale Rolle spielen.

Dabei zeigt sich insbesondere sein Bestreben, durch das unerwartete Kombinieren unterschiedlicher Bildsprachen Irritationen zu schaffen, die Mechanismen visueller Repräsentation reflektierbar machen. Sein Werk ist durch ein unermüdliches Hinschauen, ein Aufsaugen und Weiterverarbeiten massenkultureller Eindrücke geprägt sowie durch die Frage, was angesichts einer zunehmenden Reizüberflutung im Gedächtnis bleibt.

Ein wesentliches Element im Schaffen von Michel Majerus bilden räumliche Eingriffe. Seine auf Kunstrichtungen wie Pop und Minimal Art anspielenden Ensembles lassen die Betrachter*innen Teil einer erlebbaren Versuchsanordnung werden. Die Ausstellung im Neuen Berliner Kunstverein beleuchtet Majerus’ installatives Werk als ein zentrales Ausdrucksmittel seiner Praxis: Eine raumgreifende Videoinstallation, exemplarische Wandarbeiten und Raumgestaltungen sowie erstmals präsentierte plastische Modelle, die Majerus für seine ortsspezifischen Großprojekte konzipierte, veranschaulichen die intermediale Spezifität seines Werks, seine medienreflexiven Ansätze sowie seine Methode, Räume für differenzierte ästhetische Erfahrungen zu schaffen.

Mit seiner beständigen Aneignung existierender Bilder stellte Majerus sowohl die kunsthistorische Überhöhung eines künstlerischen Ausdrucks infrage als auch tradierte Vorstellungen davon, was den Wert eines Bildes ausmacht. Durch Übersteigerung, Stilbrüche, Fragmentierungen oder gezielte Gegenüberstellungen fragt er immer wieder nach dem Verhältnis der Bilder zur Realität – nicht zuletzt indem er ihren Rahmen sprengt oder sie direkt in die Lebenswelt des öffentlichen und halböffentlichen Raums einbringt.

Biografisches

Michel Majerus studierte von 1986 bis 1992 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Joseph Kosuth und K. R. H. Sonderborg. Unmittelbar nach seinem Studium zog er nach Berlin, wo er – abgesehen von einem einjährigen Aufenthalt in Los Angeles im Jahr 2001 – bis zu seinem frühen Tod lebte und arbeitete. 1996 präsentierte die Kunsthalle Basel eine Midcareer-Überblicksausstellung zum Werk von Majerus. 1998 wurden seine Arbeiten auf der Manifesta 2 in Luxemburg präsentiert, im Jahr darauf gestaltete Majerus auf Einladung Harald Szeemanns im Rahmen der Venedig Biennale 1999 die Außenfassade des zentralen Pavillons. Im Jahr 2000 präsentierte Majerus im von Udo Kittelmann geleiteten Kölnischen Kunstverein seine monumentale Installation if we are dead, so it is, die den gesamten Innenraum der Ausstellung in eine Halfpipe verwandelte. 2002 starb Michel Majerus auf dem Weg von Berlin nach Luxemburg bei einem Flugzeugabsturz. Seitdem wurde sein Werk in mehreren Retrospektiven vorgestellt, u. a. im Kunsthaus Graz, im Stedelijk Museum, Amsterdam, in der Kestnergesellschaft, Hannover, und in den Deichtorhallen Hamburg (alle 2005), Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean,
Luxemburg (2006), Kunstmuseum Stuttgart (2011), Kunsthalle Bielefeld (2018).

Ausstellungsreihe

Die Ausstellungsreihe Michel Majerus 2022 würdigt zwanzig Jahre nach seinem Tod in fünf Einzelausstellungen im Neuen Berliner Kunstverein, im KW Institute for Contemporary Art, im Kunstverein in Hamburg, im Michel Majerus Estate sowie bei neugerriemschneider sein vielschichtiges Schaffen in einem noch nie dagewesenen Umfang. Parallel zeigen deutschlandweit dreizehn Museen Werke von Michel Majerus aus ihren Sammlungsbeständen.

Publikation

Zur Ausstellungsreihe Michel Majerus 2022 erscheint eine umfassende zweisprachige Publikation (DE/EN) mit Texten von Cory Arcangel, Karen Archey, Diedrich Diederichsen, Brigitte Franzen und Rirkrit Tiravanija im DCV Verlag, Berlin.
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