Regionale Wirtschaft noch robust – sorgenvoller Ausblick

Trotz Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine hat sich die Lagebeurteilung bei den regionalen Unternehmen nur leicht abgeschwächt und stellt sich insgesamt nach wie vor positiv dar. Aufgrund von verschärften Lieferengpässen bei Vorprodukten durch den Ukraine-Krieg und den Lockdowns in China sowie stark gestiegenen Energiepreisen schätzen allerdings vor allem die Industrie, das Baugewerbe ebenso wie der Handel ihre Geschäftslage weniger positiv ein. Verbessert hat sich die Stimmung demgegenüber bei den Dienstleistern. Insgesamt jedoch sind die Geschäftserwartungen der Betriebe für die kommenden Monate eingebrochen.

Die regionalen Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Lage etwas ungünstiger als im Vorquartal. 42 Prozent der Unternehmen bezeichnen den aktuellen Geschäftsverlauf als gut (Vorquartal 49 Prozent), während 10 Prozent (Vorquartal 11 Prozent) mit der Geschäftslage unzufrieden sind.

Die Geschäftserwartungen fallen allerdings vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges wesentlich schlechter aus als im Vorquartal. Nur noch 20 Prozent (Vorquartal 32 Prozent) der Betriebe blicken mit Zuversicht in die Zukunft, wohingegen 25 Prozent (Vorquartal 13 Prozent) einen ungünstigeren Geschäftsverlauf erwarten. Als größtes Geschäftsrisiko betrachten 70 Prozent (Vorquartal 49 Prozent) der Unternehmen die hohen Energiepreise, gestiegene Rohstoffpreise bereiten 64 Prozent (Vorquartal 55 Prozent) Sorgen. Daneben stellen der Fachkräftemangel mit 56 Prozent und die Arbeitskosten mit 44 Prozent weitere Geschäftsrisiken dar.

Elke Döring, Hauptgeschäftsführerin der IHK Heilbronn-Franken: „Die regionale Wirtschaft bleibt vorerst im Krisenmodus. Nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie führt nun der Russland-Ukraine-Krieg mitten in Europa zu einer Verschärfung der Lieferengpässe und zu enormen Preissprüngen bei Energie und Rohstoffen. Damit haben sich die Hoffnungen auf ein schnelles Aufholwachstum nach der Corona-Krise zerschlagen. Auch in diesem Jahr bleiben die Wachstumsaussichten mau.“

Industrie positiv auf hohem Niveau

46 Prozent (Vorquartal 56 Prozent) der Betriebe beurteilen den aktuellen Geschäftsverlauf als gut, während 8 Prozent (Vorquartal 4 Prozent) die Geschäftslage für schlecht halten. Seit März belasten die Industrie die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine deutlich. Lieferengpässe haben sich wieder erheblich verschärft. 87 Prozent der Unternehmen (Vorquartal 77 Prozent) sehen in den Preisanstiegen bei Rohstoffen das größte Risiko. Die Auftragseingänge aus dem In- und Ausland haben an Dynamik verloren. 28 Prozent (Vorquartal 36 Prozent) der Unternehmen verbuchten steigende Inlandsorders, bei 20 Prozent (Vorquartal 9 Prozent) waren sie rückläufig. Bei den ausländischen Auftragseingängen mussten 23 Prozent (Vorquartal 14 Prozent) Einbußen hinnehmen, nur noch 34 Prozent (Vorquartal 43 Prozent) konnten steigende Auslandsorders verbuchen.

Hinsichtlich der erwarteten Entwicklung im Jahr 2022 überwiegt wieder erstmals seit Mitte 2020 Pessimismus. Nur noch 18 Prozent (Vorquartal 38 Prozent) der Unternehmen erwarten eine günstigere Geschäftsentwicklung, während 20 Prozent skeptisch in die Zukunft blicken. Ein Trend, der sich auch bei den Exporterwartungen widerspiegelt. Nur noch 31 Prozent (Vorquartal 44 Prozent) rechnen mit einem Anstieg, während 17 Prozent (Vorquartal 6 Prozent) von einem rückläufigen Auslandsgeschäft ausgehen.

Und auch bei inländischen Investitionsplänen bremsen die Unternehmen. Höhere Investitionen fassen 37 Prozent (Vorquartal 42 Prozent) ins Auge.

Stimmung bei Dienstleistern verbessert

Positiv fällt der Blick auf die regionalen Dienstleister aus. 42 Prozent (Vorquartal 36 Prozent) melden eine gute Geschäftslage, während nur noch 15 Prozent (Vorquartal 23 Prozent) mit dem aktuellen Geschäftsverlauf nicht zufrieden sind. Nach wie vor zeigen sich aber große Unterschiede in den Teilbereichen. So fällt in den Bereichen Arbeitnehmerüberlassung, ITK-Dienstleistungen und bei den Dienstleistungen für Unternehmen die Beurteilung überdurchschnittlich gut aus. Demgegenüber stehen der Bereich Transport & Verkehr und vor allem die Reisevermittler, die eine ungünstige Situation beklagen. Bei 45 Prozent aller Dienstleister (Vorquartal 28 Prozent) stieg das Auftragsvolumen.

Die Geschäftserwartungen haben sich gegenüber dem Vorquartal verschlechtert. 31 Prozent (Vorquartal 30 Prozent) blicken mit Optimismus in die Zukunft, wohingegen nahezu 25 Prozent (Vorquartal 15 Prozent) mit schlechteren Geschäften rechnen. Größte Risiken stellen der Fachkräftemangel, die Energiepreise und die hohen Arbeitskosten dar.

Im Hotel- und Gaststättengewerbe fällt die Lageeinschätzung trotz einer Verbesserung gegenüber dem Vorquartal weiter sehr ungünstig aus. Nur 13 Prozent (Vorquartal 8 Prozent) der Betriebe berichten von einer guten Geschäftslage, wogegen 45 Prozent (Vorquartal 57 Prozent) noch immer mit dem Geschäftsverlauf sehr unzufrieden sind. Hinzu kommt, dass jedem zehnten Betrieb (Vorquartal 6 Prozent) die Insolvenz droht. Vor dem Hintergrund der sich entspannenden Corona-Lage blicken allerdings wieder 44 Prozent optimistisch in die Zukunft. Als größte Risiken werden die Energiepreise und der Fachkräftemangel eingeschätzt.

Baugewerbe deutlich ungünstiger als Anfang 2022

49 Prozent der Unternehmen (Vorquartal 61 Prozent) bezeichnen die Geschäftslage als gut. Und während im Vorquartal kein Betrieb mit dem aktuellen Geschäftsverlauf unzufrieden war, sind es jetzt 8 Prozent. So wirkt sich der Krieg in der Ukraine auch im Baugewerbe massiv aus. Größtes Geschäftsrisiko stellen für 90 Prozent der Betriebe (Vorquartal 61 Prozent) steigende Rohstoffpreise dar, 95 Prozent (Vorquartal 61 Prozent) betrachten hohe Energiekosten als größten Risikofaktor. Auch die Auftragslage hat sich verschlechtert. 38 Prozent (Vorquartal 14 Prozent) der Unternehmen mussten Einbußen hinnehmen. Besonders betroffen ist dabei der öffentliche und gewerbliche Hochbau, aber auch im Wohnungs-, Straßen- und Tiefbau sind die Auftragseingänge rückläufig.

In die Zukunft sehen die Bauunternehmen so pessimistisch wie zuletzt im Sommer 2009. Einen günstigeren Geschäftsverlauf erwartet kein Unternehmen mehr (Vorquartal 13 Prozent). Mit einer schlechteren Entwicklung rechnen jetzt dagegen 62 Prozent (Vorquartal 18 Prozent).

Großhandel trotz Dämpfer positiv

Der an der Schnittstelle von nationalen und internationalen Märkten operierende Großhandel schätzt die Lage auf hohem Niveau etwas ungünstiger als im Vorquartal ein. Von einem guten Geschäftsverlauf sprechen 32 Prozent (Vorquartal 55 Prozent) der Großhändler, kein Betrieb (Vorquartal 8 Prozent) äußert sich unzufrieden. Das Bestellverhalten fällt erneut zurückhaltender als im Vorquartal aus. Größte Geschäftsrisiken stellen die Energie- und die Rohstoffpreise sowie die Inlandsnachfrage dar.

Eine schlechtere Entwicklung erwarten 35 Prozent (Vorquartal 12 Prozent) der Betriebe – so skeptisch waren die Aussichten zuletzt im Sommer 2020. Zumindest planen 26 Prozent (Vorquartal 35 Prozent) dennoch Personal einzustellen.

Erneute Verschlechterung im Einzelhandel

Im regionalen Einzelhandel hat sich die Stimmung erneut verschlechtert. Nur noch 31 Prozent (Vorquartal 48 Prozent) der Einzelhändler bewerten den Geschäftsverlauf als gut, während 14 Prozent (Vorquartal 16 Prozent) die Lage schlecht beurteilen. Die Hoffnungen, die die Händler in die Lockerungen der Corona-Auflagen gesetzt haben, haben sich bisher nicht erfüllt. Dem stehen eine steigende Inflation und Preiserhöhungen entgegen. Insofern stufen nur noch 6 Prozent (Vorquartal 16 Prozent) der Einzelhändler das Kaufverhalten der Kunden als kauffreudig ein. Gut laufen die Geschäfte nach wie vor im Lebensmittelhandel, bei den Baumärkten und beim Handel mit Sportausrüstungen/Spielwaren. Anders im Einzelhandel mit Möbeln und Bekleidung, der eine sehr ungünstige Lage beklagt.

Hinsichtlich des zukünftigen Geschäftsverlauf herrscht erstmals wieder leichter Pessimismus. 25 Prozent (Vorquartal 30 Prozent) gehen von einer günstigeren Entwicklung aus, 31 Prozent (Vorquartal 16 Prozent) blicken mit Sorge in die Zukunft.

Einstellungsbereitschaft leicht gesunken

Die große Unsicherheit in der Wirtschaft spiegelt sich auch in der Einstellungsbereitschaft wider. So planen nur noch 23 Prozent (Vorquartal 26 Prozent) ihr Personal aufzustocken, 12 Prozent (Vorquartal 11 Prozent) wollen Personal abbauen.

An der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken, haben 374 Betriebe aller Branchen und Größenklassen mit insgesamt rund 62.000 Beschäftigten aus dem gesamten IHK-Bezirk teilgenommen.

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