EZB: Effektivere Geldpolitik voraus?

Im Rahmen ihrer 18-monatigen Strategieüberprüfung rief die EZB am vergangenen Donnerstag eine effektivere Geldpolitik als neues Ziel aus. Vielfach wurde diese neue Marschroute als große Veränderung gefeiert, allerdings handelt es sich unter dem Strich nur um eine leichte Modifikation des Inflationsziels, begleitet von einem vagen Plan zur Bekämpfung des Klimawandels. Thomas Grüner, Gründer und Vice Chairman von Grüner Fisher Investments, meint, dass die neue Strategie kaum von der alten Strategie zu unterscheiden sei. Insbesondere die Änderung der Zielinflationsrate von „nahe, aber unter zwei Prozent“ zu einem symmetrischen Ziel von zwei Prozent sei kaum wahrnehmbar.

Unklare Marschroute

„Das von der EZB ausgerufene symmetrische Inflationsziel bedeutet, dass Abweichungen über und unter zwei Prozent Inflation für die EZB im selben Maße unerwünscht sind. Das ist schön und gut, aber die Märkte interessieren sich viel mehr dafür, was die Zentralbank dagegen tun würde“, sagt Grüner. Gemäß EZB-Ratsmitglied Jens Weidmann könne es vorübergehend zu Abweichungen vom Ziel in beide Richtungen kommen, und die EZB-Politik sei nicht dazu da, Fehler der Vergangenheit auszumerzen. „Die Marschroute wird also nicht gerade konkreter und so beschränken sich die Unterschiede zur ‚außergewöhnlichen Geldpolitik‘ der vergangenen Jahre auf Feinheiten bei der Formulierung“, so Grüner.

Zentrales Problem der Zentralbanken

Aus Grüners Sicht sind diese unkonkreten Äußerungen ein Hinweis darauf, dass die EZB gar nicht in der Lage sei, ihr Inflationsziel präzise zu erreichen. Das läge nicht an der EZB im Speziellen, es gäbe einfach keine Beweise dafür, dass eine Zentralbank ihre Inflationsziele zuverlässig erreichen könne. In dieser Hinsicht säße die EZB im selben Boot wie die Fed, die Bank of England und die Bank of Japan. Trotz ihrer außergewöhnlichen Bemühungen und Ankündigungen in den letzten Jahren hätten alle Zentralbanken ihre Inflationsziele teilweise kräftig verfehlt.

Nicht präzise, nicht vorhersehbar

„Es besteht kein Zweifel daran, dass Zentralbanken Einfluss auf die Inflation haben, welche letzten Endes ein monetäres Phänomen ist. Aber der Grad an Präzision, der von einer derartigen Zielsetzung suggeriert wird, ist irreführend“, erklärt Grüner. „Inflation wird dadurch getrieben, dass zu viel Geld zu wenige Güter und Dienstleistungen jagt. Messungen zur Geldmenge sind alles andere als unfehlbar, die Messung der Geldumlaufgeschwindigkeit ist noch weit weniger perfekt. Die Vorstellung, dass eine Zentralbank diese wichtigen Einflussfaktoren so gut interpretieren und prognostizieren kann, um die Inflation um Bruchteile von Prozentpunkten anzukurbeln oder zu senken, macht keinen Sinn“, sagt Grüner. Der scheinbare Strategiewechsel der EZB versetze sie also auch nicht in die Lage, die Inflation zu kontrollieren und präzise zu steuern. Zudem müsse man nüchtern feststellen, dass die EZB-Politik auch nicht transparenter und konkreter geworden sei. Die EZB würde nach eigener Aussage weiterhin „alles tun, was nötig ist“ – und es würde ebenso schwer bleiben, diese Politik vorherzusagen.

Fazit

„Anleger sollten die ‚neue‘ Strategie der EZB behandeln, wie die ‚alte‘ Strategie auch: Mit emotionalem Abstand und der Gewissheit, dass die EZB ihre Pläne weiterhin an die Realität anpassen wird“, so Grüner. Zentralbanken seien nicht dazu in der Lage, ihre Inflationsziele präzise zu erreichen und sie würden dirigieren die Aktienmärkte nicht dirigieren – auch wenn sich dieser Irrglaube in den letzten Jahren immer wieder hätte durchsetzen können. „Die Geldpolitik setzt immer mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung ein, Aktienmärkte dagegen antizipieren die Zukunft und preisen sämtliche verfügbaren Informationen unmittelbar ein“, fasst Grüner zusammen.

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Über Grüner Fisher Investments

Grüner Fisher Investments (GFI) ist eine Vermögensverwaltungsgesellschaft mit eigenem Ermessensspielraum, die vorwiegend vermögende Privatpersonen und Familien in Deutschland, Österreich und der Schweiz betreut. Grüner Fisher Investments ist Mitglied im Verband unabhängiger Vermögensverwalter Deutschland e.V. (VuV) und ist ein durch die BaFin lizensiertes und beaufsichtigtes Institut. GFI wurde als Top-Vermögensverwalter von Capital (2019), als Top-Arbeitgeber im Mittelstand (2019) von Focus und als "Great Place to Work" (2020, 2021) von Great Places to Work ausgezeichnet. Das Unternehmen ist eine deutsche Tochtergesellschaft von Fisher Investments in den USA, einem der größten unabhängigen Vermögensverwalter der Welt. Zum 31.03.2021 verwaltete Fisher Investments und seine Tochtergesellschaften ein Vermögen von über 143 Mrd. EUR – über 93 Mrd. EUR für nordamerikanische Privatanleger, 34 Mrd. EUR für institutionelle Anleger, 14 Mrd. EUR für europäische Privatanleger und 1 Mrd. EUR für die Altersvorsorge kleiner und mittlerer Unternehmen in den USA. Fisher Investments unterhält vier Hauptgeschäftsgruppen: US Private Client, Institutional, Private Client International und 401(k) Solutions, die einen globalen Kundenstamm bedienen. Der Gründer und Executive Chairman von Fisher Investments, Ken Fisher, schrieb von 1984 bis 2016 die Forbes-Kolumne "Portfolio Strategy" und ist damit der am längsten ununterbrochene Kolumnist in der Geschichte der Zeitschrift. In den letzten Jahren erschienen Ken Fishers Kolumnen durchgängig in den wichtigsten Medien in fast allen westeuropäischen Ländern, einschließlich Focus Money in Deutschland, sowie in wichtigen asiatischen Ländern, und damit in mehr Ländern und mit mehr Umfang als jeder andere Kolumnist in der Geschichte. Fisher ist außerdem Autor von 11 Büchern, darunter vier New York Times-Bestseller zum Thema Finanzen und Investieren.

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