Ausstellung »Jürgen Strasser – Schöne neue Welt« Kunsthaus, Kunstverein Norden 13. Juni bis 18. Juli 2021

Shanghai, Hongkong, Kairo, Dubai, Tokio … die Megastädte dieser Welt beeindrucken und verstören durch kaum fassbare Dimensionen und scheinbar ungebremstes Wachstum. Sie sind verdichtete, dynamische Bewegungsräume, die Bewohner*innen wie Besucher*innen immer neue Formen der Wahrnehmung, Orientierung und Anpassung abverlangen. 

Jürgen Strasser spürt in seinen Fotoarbeiten dieser »Schönen neuen Welt« nach. Dabei lenkt er den Blick bewusst auf das große Ganze, auf die Frage von sozialer Zukunft und uferlosen Fortschrittsglauben. In konzentrierter Form zeugen seine Stadtlandschaften von den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen der wachsenden Weltbevölkerung und der stetigen Urbanisierung. Strassers Bilder führen vor, wie austauschbar und wenig ortstypisch Städteplanung in unserer Gegenwart ist und dass der Mensch in seiner Individualität in diesen gigantischen Stadtmaschinen immer weniger eine Rolle zu spielen scheint. 

In der Ausstellung verzichtet Strasser auf Hinweise auf die Örtlichkeit, da es ihm nicht um konkrete Aufnahmen aus einer bestimmten Stadt, sondern um ein übergreifendes Phänomen geht. Ihm ist dabei bewusst, dass seine Arbeit nicht frei von Widersprüchen ist, nähert er sich der »Schönen, neuen Welt« doch eher mit dem Blick der Verführung als mit kritischer Distanz. Seine Megastädte-Motive haben eine hohe ästhetische Anziehungskraft, die die Realität dahinter auf den ersten Blick außer Acht lässt. Er kommentiert nicht und überlässt Betrachter*innen eine eigene Entscheidung zwischen Faszination und Irritation. 

»Diese Städteaufnahmen sind nicht vordergründige Zivilisationskritik oder Fortschrittsanklage. Der Betrachter darf sich von der Wucht der abgebildeten städteplanerischen und architektonischen Statements mitgenommen fühlen und aus seiner Wahrnehmung heraus eine Haltung entwickeln«. (Dr. Rainer Beßling, Syke) 

Im Obergeschoss des Kunsthauses zeigt Strasser Werke aus seiner Serie »Tomorrow«. In diesen Arbeiten überblendet er den Glanz der Metropolen mit Wuchs und Zerfall. Fotografierte Wirklichkeit und alptraumhafte Metamorphose verschwimmen hier ebenso wie die Grenzen zwischen Fotografie und Malerei. Seine Städte wirken wie überwucherte Stätten der Vergangenheit. Sie stellen auf bestürzende Art und Weise die Frage, ob es ein unbegrenztes Wachstum geben kann. 

Jürgen Strasser, studierter Politologe und Soziologe, war lange als Etatdirektor in einer Frankfurter Werbeagentur tätig, bevor er 2013 in das Fach der künstlerischen Fotografie wechselte. Er lebt in Wiesbaden und Worpswede. Sein Arbeitsplatz ist die Welt. 

Er ist Mitglied im Bundesverband bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), berufenes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie (DGPh) und Direktor der RAW Phototriennale Worpswede.  

www.juergenstrasser.de
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