Erschreckend: 111 Millionen Mäuse und Ratten jährlich für Tierversuche in USA

Mäuse und Ratten, die am häufigsten verwendeten Tiere im Labor, fallen nicht unter das amerikanische Tierschutzgesetz und erscheinen daher nicht in den offiziellen Statistiken der für wissenschaftliche Zwecke verwendeten Tiere. Eine neue Analyse schätzt, dass rund 111 Millionen Mäuse und Ratten jährlich Tierversuchen in der USA ausgesetzt werden. Der bundesweite Verein Ärzte gegen Tierversuche fordert eine bessere Transparenz der Tierversuchszahlen in USA und hierzulande.

Die meisten Mäuse, Ratten, Fische und Vögel sind in dem amerikanischen Tierschutzgesetz seit 1970 nicht als „Tiere“ definiert. Deswegen tauchen die Zahlen dieser Tiere nicht in den offiziellen Tierversuchsstatistiken des Landes auf, obwohl Mäuse und Ratten am häufigsten in Tierversuchen verwendet werden. „Die Vereinigten Staaten planen, alle Tierversuche für regulatorische Zwecke wie Giftigkeitsprüfungen bis 2035 abzuschaffen, was wir eindeutig begrüßen. Um überhaupt abschätzen zu können, ob sich das Land diesem Ziel nähert, muss man aber zumindest wissen, wie viele Tiere jedes Jahr für Experimente verwendet werden“, sagt Dr. Dilyana Filipova, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Ärzte gegen Tierversuche.

Eine aktuelle Studie an der University of California San Francisco befasste sich mit dieser Problematik und fand heraus, dass über 111 Millionen Mäuse und Ratten jährlich in amerikanischen Laboren leiden müssen, zusätzlich zu den 780.070 Tieren aus der offiziellen Statistik. Darunter fallen etwa Hunde, Katzen, Affen, Kaninchen, Schweine und Schafe. Der Studienautor hat Informationen über die in Experimenten benutzten Mäuse und Ratten an 16 der 30 am besten finanzierten Forschungseinrichtungen mittels des Informationsfreiheitsgesetzes erfragt. Im Vergleich zu den im Tierschutzgesetz definierten ca. 39.000 „Tieren“ wurden rund 5,6 Millionen Mäuse und Ratten alleine an diesen 16 Instituten verwendet, was 99,3% aller Tiere entspricht. Eine Hochrechnung dieser Daten anhand der Tierzahlen, die in den jährlichen Statistiken veröffentlicht werden, ergab die erschreckende Zahl von 111 Millionen Mäusen und Ratten. Über 44 Millionen davon wurden laut der Studie schmerzhaften Versuche ausgesetzt, die in Deutschland als „mittel“ und „schwer“ belastend eingestuft werden würden.

Frühere Hochrechnungen zum weltweiten Verbrauch von Tieren zu Forschungszwecken kamen für die USA auf eine Gesamttierzahl von 17,3 Millionen für 2005 und 14,6 Millionen für 2015, basierend auf der Anzahl der Publikationen im Verhältnis zu Ländern mit bekannter Tierzahl wie in der EU. Weltweit kamen diese Studien auf 115,2 (2005) bzw. 192,1 Millionen (2015) Tiere, inklusive der für Organ- und Gewebeentnahme getöteten Tiere.

„Wenn die aktuelle Studie allein bei 16 amerikanischen Instituten die Zahl von 5,6 Millionen Ratten und Mäusen belegt, wird klar, dass die älteren Hochrechnungen viel zu niedrig sind“, gibt Filipova zu bedenken. In Deutschland sind von der erfassten Gesamtzahl von 2,9 Millionen Tiere 78 % Ratten und Mäuse, während die amerikanische Studie von einem Anteil von 99,3 % ausgeht.

„Es verwundert nicht, wenn mit dem Leben und Sterben von Tieren, die nicht dem Tierschutzgesetz und somit keiner behördlichen Kontrolle unterliegen, sehr viel laxer umgegangen wird und es einen größeren ‚Verschleiß‘ gibt“, folgert die Biologin.

„Dass in den USA mit mindestens 900 Forschungseinrichtungen über 99% aller für Versuche verwendeten Tiere durch das Raster fallen, ist absolut nicht hinnehmbar. Die Fähigkeit von Nagetieren, Schmerzen und Leiden zu empfinden wird in der wissenschaftlichen Gemeinschaft schon lange nicht mehr bestritten“, so Filipova weiter.

In Deutschland wurden 2019 den offiziellen Statistiken des Bundeslandwirtschaftsministeriums zufolge 2,9 Millionen Tiere erfasst. 2,3 Millionen davon fielen Tierversuchen zum Opfer und etwa 700.000 Tiere wurden zur Gewebe- und Organentnahme getötet. Doch auch hier gibt es eine große Dunkelziffer an Tieren, die unsichtbar in deutschen Laboren leiden und sterben: fast alle wirbellosen Tiere, alle auf Vorrat gezüchteten Tiere sowie Tiere, die aufgrund ihres Alters, Geschlechts und genetischer Merkmale nicht in Experimenten verwendet werden. Eine Schätzung von Ärzte gegen Tierversuche kommt auf ca. 4,35 Millionen Wirbeltiere, die jährlich unbenutzt in deutschen Laboren getötet werden ohne in den offiziellen Statistiken aufzutauchen.

Ärzte gegen Tierversuche fordern die Aufnahme aller für Forschungszwecke verwendeten Tierarten in das amerikanische Tierschutzgesetz und in die Statistiken als minimalen ersten Schritt. In Deutschland muss die Zahl der „Ausschusstiere“ erfasst werden. Der Verein fordert von der Bundesregierung zudem einen fundierten Ausstiegsplan aus dem System „Tierversuch“ mit konkreten Meilensteinen und Fristen sowie eine massive Förderung der innovativen, menschenbasierten, tierversuchsfreien Forschungsmethoden.

Quellen:

Carbone L: Estimating mouse and rat use in American laboratories by extrapolation from Animal Welfare Act-regulated species. Scientific Reports 2021; 11: 493

Taylor K, Alvarez LR.: An estimate of the number of animals used for scientific purposes worldwide in 2015. ATLA 2019; 47(5-6): 196-213

Taylor K et al: Estimates for worldwide laboratory animal use in 2005. ATLA 2008; 36: 327-342

Über den Ärzte gegen Tierversuche e.V.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche e.V. besteht seit 1979 und ist ein bundesweiter Zusammenschluss aus Ärzten, Tierärzten und Naturwissenschaftlern, die Tierversuche aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen ablehnen. Der Verein engagiert sich für eine moderne, humane Medizin und Wissenschaft ohne Tierversuche, die sich am Menschen orientiert und bei der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten sowie der Einsatz von modernen Forschungsmethoden z.B. mit menschlichen Zellkulturen und Organchips im Vordergrund stehen.

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