Besser bauen als vorgeschrieben!

Der Abschlussapplaus erklang im Chat: Darin drückten die Teilnehmer großes Lob für die 24. Internationale Passivhaustagung aus, die aufgrund der Corona-Pandemie zum ersten Mal im Online-Format stattfand. Rund um den Globus saßen in den vergangenen drei Wochen über 800 Teilnehmer unabhängig von Tages- und Nachtzeiten an den Bildschirmen, um die Vorträge zum energieeffizienten Bauen und Sanieren zu hören. Anschließend trafen sie sich im virtuellen Passivhaus-Café. Zwei wichtige Botschaften vermittelte die Tagung: Energieeffiziente Sanierungen müssen im großen Stil angegangen werden. Zudem sollen Bauwillige über die meist unzureichenden gesetzlichen Vorgaben beim Baustandard deutlich hinausgehen. Zum Abschluss gab das Passivhaus Institut bekannt, dass die 25. Internationale Passivhaustagung im Herbst 2021 in Wuppertal stattfinden wird.

„Gratulation zu dieser großartigen Konferenz, ein herzliches ‚Danke‘ an alle, die das möglich gemacht haben. So viele Inputs für die nächsten Monate!“ Wie diese Teilnehmerin bestätigten auch viele weitere, dass die 24. Internationale Passivhaustagung äußerst gehaltvoll und gelungen war. Die digitale Version habe das Potential der Tagung – so lobte ein Teilnehmer – „auf die nächste Stufe gehoben“. Dazu gehört auch, dass alle Aufzeichnungen der Vorträge im Nachgang eingesehen werden können.

Klimaschutz und Wohngesundheit

Die Bedeutung des Passivhaus-Standards für den Klimaschutz verdeutlichte Prof. Wolfgang Feist, der vor genau 30 Jahren, im Herbst 1990, das weltweit erste Passivhaus in Darmstadt baute: „Passivhäuser sind aufgrund ihres geringen Energiebedarfs eine Grundvoraussetzung dafür, Gebäude komplett mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Damit kann die Energiewende im Gebäudesektor gelingen. Die Wohngesundheit ist das zusätzliche große Plus, von dem die Bewohner profitieren.“ Dass der Passivhaus-Standard gerade im sozialen Wohnungsbau eine größere Rolle spielen sollte, das verdeutlichte ein Workshop. Projekte aus Tirol, Darmstadt, Hamburg und Berlin belegten, dass sozialer Wohnungsbau mit dem Passivhaus-Standard kostengünstig, energieeffizient und optisch ansprechend umgesetzt werden kann.

Passivhaus funktioniert überall

Inhaltlich spannten die Vorträge zum energieeffizienten Bauen und Sanieren den Bogen über den kompletten Globus. Die Teilnehmer lernten beeindruckende Passivhaus-Projekte unter anderem in Deutschland und Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland sowie mit China, Thailand, Indien und Saudi-Arabien auch aus Asien kennen. Sie belegen, dass Passivhäuser in allen Klimata realisiert werden können. Virtuelle Führungen luden zu einem Besuch der Gebäude ein. „Passivhäuser funktionieren bei minus 45 Grad Celsius in den Polarregionen ebenso wie bei 37 Grad in Bangkok. Jeder konnte eine große Bandbreite an Projekten kennenlernen, das war ein großer Vorteil dieser digitalen Tagung. Wir freuen uns, dass alles so gut geklappt hat“, sagt Jan Steiger, Mitglied der Geschäftsführung des Passivhaus Instituts.

Verstärkt sanieren

Zwei wichtige Botschaften vermittelte die 24. Internationale Passivhaustagung. Zum einen: Der Fokus internationaler Bautätigkeiten muss zukünftig noch stärker auf energieeffiziente Sanierungen gelegt werden. Viele Redner, darunter aus Tirol, Glasgow, Vancouver und dem US-Bundesstaat Washington verdeutlichten, dass Neubauten aufgrund des knappen Baulands nur noch begrenzt möglich seien. Sie präsentierten dazu Sanierungsprojekte, die mit der Modernisierung zum EnerPHit-Standard ihren Energiebedarf drastisch gesenkt haben. Für Monte Paulsen, Passivhaus-Experte im kanadischen Britisch-Kolumbien, gehört die zeitnahe Sanierung bestehender Gebäude in den Industrienationen zu den „absoluten Prioritäten, damit die Zivilisation auf diesem Planeten überleben kann.“

Drastische Einsparungen

„Die Einsparung von Heizenergie hängt natürlich vom jeweiligen Gebäude, vor allem von seinem bisherigen Verbrauch, ab. In typischen Fällen werden nach vollständiger Sanierung zum EnerPHit-Standard rund 75 Prozent Heizenergie eingespart, bei einigen Objekten liegt die Einsparung sogar bei über 90 Prozent“, erklärt Prof. Wolfgang Feist, Gründer des Passivhaus Instituts. Vermehrt Aufmerk-samkeit erhält dabei die serielle Sanierung durch vorgefertigte Bauteile. Sie ermöglicht eine zeitsparende und dadurch kosten-günstige Modernisierung. Architekt Stefan Oehler aus Berlin stellte das zukunftsfähige Konzept anhand der seriellen Sanierung von 12 Wohneinheiten aus den 1930er-Jahren in Hameln vor. Die Installation eines großen Dämmelements für die Fassade habe dabei nur 20 Minuten gedauert.

Serielle und maßgeschneiderte Lösungen

Für das energieeffiziente Bauen sind auch maßgeschneiderte Lösungen möglich, wie Marcel Studer und Monte Paulsen aus Kanada verdeutlichten. Im abgelegenen Territorium der Heiltsuk realisierten sie für die First-Nation-Bewohner ein Wohngebäude für das örtliche Klinikpersonal im Passivhaus-Standard. Um den Baustandard der Wohnhäuser allgemein zu verbessern, bildeten sie die Bewohner zum Thema Energieeffizienz weiter, darunter auch im Bereich Luftdichtheit.

Besser bauen als vorgeschrieben

Die zweite Kernbotschaft der Tagung: Politische Rahmenbedingungen für energieeffizientes und klimafreundliches Bauen müssen strenger sein. Das zeige sich auch an den Vorgaben der Europäischen Union zu Nearly Zero Energy Buildings (NZEB). Häufig spare ein Gebäude im Passivhaus-Standard gegenüber den jeweiligen neuen, nationalen Vorgaben noch vier Mal mehr Energie ein. Bau- und Sanierungswillige sollten daher mit Blick auf Klimaschutz und Wohngesundheit beim Baustandard deutlich über die gesetzlichen Vorgaben hinausgehen, so die Aufforderung der Keynote-Sprecher. Für die dringend notwendige Energiewende im Gebäudebereich müssten zudem Ausbildung und Weiterbildung sowohl im handwerklichen wie auch im universitären Bereich intensiviert werden.

Fachausstellung positiv bewertet

Im Anschluss an die Vortragsreihen nutzen die insgesamt über 800 Teilnehmer der Tagung die Möglichkeit, sich im virtuellen Café zu begegnen. Alte Bekannte wiederzutreffen oder auch neue Gäste kennenzulernen, diese Möglichkeit nutzten im Laufe der Tagung immer mehr Teilnehmer. Neu war diesmal auch die virtuelle Version der Fachausstellung, in der über 40 Aussteller ihre Komponenten für das energieeffiziente Bauen und Sanieren vorstellten. Sie bewerteten die Ausstellung durchweg äußert positiv. Das Passivhaus Institut bot zudem Führungen in verschiedenen Sprachen über die Ausstellung an.

Nächstes Jahr in Wuppertal

Wie gewohnt gab das Passivhaus Institut zum Abschluss bekannt, wo die nächste Tagung stattfinden wird. Zusammen mit der EnergieAgentur.NRW lädt das Passivhaus Institut 2021 nach Wuppertal ein. Schirmherr der 25. Internationalen Passiv-haustagung ist Nordrhein-Westfalens Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart. Bei dieser Tagung findet auch die Verleihung des Passive House Award 2021 statt. Beiträge dafür können bis zum 1. Juni 2021 eingereicht werden.

Allgemeine Informationen

Passivhäuser

Beim Passivhaus-Konzept wird der für Gebäude typische Wärmeverlust durch Wände, Fenster und Dach drastisch reduziert. Durch die fünf Prinzipien – gute Dämmung, dreifach verglaste Fenster, Vermeidung von Wärmebrücken, luftdichte Gebäudehülle sowie Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung – benötigt ein Passivhaus nur sehr wenig Energie. Passivhäuser können daher auf ein klassisches Heizsystem verzichten. Passiv“ werden die Häuser genannt, da der größte Teil des Wärmebedarfs aus „passiven“ Quellen wie Sonneneinstrahlung sowie Abwärme von Personen und technischen Geräten gedeckt wird.

In einem Passivhaus hält sich die Wärme 10 bis 14 Tage lang, da sie nur sehr langsam entweicht. Daher muss nur an sehr kalten Tagen aktiv geheizt werden. Insgesamt ist nur wenig Energie für die Bereitstellung dieser Restwärme vonnöten. Im Sommer (sowie in warmen Klimaten) ist ein Passivhaus ebenfalls im Vorteil: Dann bewirkt u.a. die gute Dämmung, dass die Hitze draußen bleibt. Eine aktive Kühlung ist daher in Wohngebäuden in der Regel nicht nötig. Durch die niedrigen Energiekosten sind die Nebenkosten kalkulierbar – eine Grundlage für bezahlbares Wohnen und sozialen Wohnungsbau. Ein Passivhaus verbraucht rund 90 Prozent weniger Heizwärme als ein bestehendes Gebäude und 75 Prozent weniger als ein durchschnittlicher Neubau.

Passivhaus und NZEB

Der Passivhaus-Standard erfüllt die Anforderungen der Europäischen Union an Nearly Zero Energy Buildings. Laut der Europäischen Gebäuderichtlinie EPBD müssen die Mitgliedstaaten die Anforderungen an so genannte Fast-Nullenergiehäuser (NZEB) in ihren nationalen Bauvorschriften festlegen. Die Richtlinie der EU ist seit Januar 2019 für öffentliche Gebäude in Kraft und gilt für alle anderen Gebäude ab dem Jahr 2021.

Pionierprojekt

Das weltweit erste Passivhaus errichteten vier private Bauherren, darunter Dr. Wolfgang Feist, vor über 28 Jahren in Darmstadt-Kranichstein. Die Reihenhäuser gelten seit dem Einzug der Familien 1991 als Pionierprojekt für den Passivhaus-Standard. Das Pionier-Passivhaus nutzt mit seiner neuen Photovoltaikanlage nun erneuerbare Energie und erhielt das Zertifikat zum Passivhaus Plus.

Passivhaus und erneuerbare Energie

Der Passivhaus-Standard lässt sich gut mit der Erzeugung erneuerbarer Energie direkt am Gebäude kombinieren. Seit April 2015 gibt es für dieses Versorgungskonzept die neuen Gebäudeklassen „Plus“ und „Premium“.

Passivhäuser

Mittlerweile gibt es Passivhäuser für alle Nutzungsarten: Neben Wohn- und Bürogebäuden existieren auch Kitas und Schulen, Sporthallen, Schwimmbäder und Fabriken als Passivhäuser. In Frankfurt am Main entsteht gerade die weltweit erste Passivhaus-Klinik. Das Interesse steigt stetig. Mit Blick auf den Ressourcenverbrauch der Industrieländer sowie den Klimaschutz realisieren Kommunen, Unternehmen und Privatleute einen Neubau oder eine Sanierung zunehmend im Passivhaus-Standard.

Internationale Passivhaustagung

Die 25. Internationale Passivhaustagung findet im Herbst 2021 in Wuppertal statt. www.passivhaustagung.de

Über Passivhaus Institut

Das Passivhaus Institut mit Sitz in Darmstadt ist ein unabhängiges Forschungsinstitut zur hocheffizienten Nutzung von Energie bei Gebäuden. Das von Dr. Wolfgang Feist gegründete Institut belegt eine internationale Spitzen-position bei der Forschung und Entwicklung zum energieeffizienten Bauen. Dr. Wolfgang Feist erhielt unter anderem 2001 den DBU-Umweltpreis für die Entwicklung des Passivhaus-Konzepts.

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