Skulpturen und Plastiken von Jan Thomas im Dialog mit den Alten Meistern

Das neue Ausstellungsformat „Interventionen“ verschafft Künstlerinnen und Künstlern Raum für die interdisziplinäre und künstlerische Auseinandersetzung mit den Dauerausstellungen des Museums Wiesbaden. Auftakt der Serie sind Jan Thomas‘ Reaktionen auf die mittelalterlichen Exponate in der Sammlung der Alten Meister. Mit der Wiedereröffnung des Museums ist die 50 Keramiken und fünf Skulpturen umfassende Sammlungsintervention bis zum 26. Juli 2020 zu sehen.

Das neue Format „Interventionen“ im Museum Wiesbaden verschafft Künstlerinnen und Künstlern den Raum, um mit ihren Arbeiten unmittelbar auf die Gemälde und Skulpturen der Kunstsammlungen zu reagieren. Ihre Eingriffe in bestehende Zusammenhänge ermöglichen temporär einen frischen zeitgenössischen Blick auf den musealen Kontext und sollen einen Diskurs zwischen den Künsten auslösen. Am Beginn dieser in unregelmäßigen Abständen stattfindenden Reihe steht eine von Dr. Peter Forster kuratierte Auseinandersetzung mit den mittelalterlichen Werken des Museums, die über zwei Räume verteilt sind.

„Schon in der Renaissance haben Künstler aufmerksam die Werke ihrer Vorgänger betrachtet und darin Inspiration für ihr eigenes Arbeiten gefunden. Seitdem ist die Geschichte der Kunst ein die Jahrhunderte übergreifendes Gespräch, das wir jetzt im Museum Wiesbaden mit den Interventionen fortsetzen wollen“, sagt Dr. Andreas Henning, Direktor des Museums Wiesbaden.

Bei den Arbeiten im Kirchensaal handelt es sich um Einzelfiguren, Figurenensembles sowie ein nahezu vollständig erhaltenes Flügelretabel von 1517. Darunter befindet sich das Walsdorfer Kruzifix aus dem späten 12. Jahrhundert, das bedeutendste mittelalterliche Werk in der Sammlung des Museums. Es zeigt Jesus Christus nicht mehr als triumphalen Sieger über den Tod, sondern als ‚Christus patiens‘ – als Leidenden. Neben den mittelalterlichen Skulpturen finden sich im anschließenden Raum zahlreiche Malereien, deren Darstellung sich ebenfalls thematisch mit der christlichen Heilsgeschichte –insbesondere mit Tod und Auferstehung auseinandersetzen. Die dortigen künstlerisch visualisierten Glaubensinhalte treten jetzt in ein Spannungsverhältnis mit den Werken von Jan Thomas.

In den Arbeiten des 1970 geborenen Bildhauers spiegelt sich insbesondere jene sphärische Ebene des Nichtgreifbaren wieder, die im Mittelalter die Schwelle zwischen Leben und Tod betraf. Seine chimärenhaften Fledermauswesen knüpfen an die Assoziationsräume der Nacht sowie an Grotesken des Mittelalters an, deren Bestimmung in der Abwehr des Bösen bestand. Die Gestalten der Fledermäuse changieren bei Thomas zwischen bedrohlichen Blutsaugern, Schreckfiguren, Heilsbringern und realistischen Abbildern. Mit seiner Installation von ca. 50 keramischen Kleinplastiken aus gebranntem, unglasiertem Ton sowie fünf Holzskulpturen im Kontext gelingt es dem Künstler für die Besucherinnen und Besucher auf intelligente Weise überraschend neue Bedeutungsebenen in zeitloser Form zu erschließen. Für Kurator Dr. Peter Forster ist es „der beste künstlerische Kommentar zu unserer gegenwärtigen Situation“.

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