Gedenken in Sachsenhausen und Ravensbrück

In Vorbereitung eines Online-Gedenkens, mit dem die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten an diesem Sonntag an die Befreiung der Häftlinge aus den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück erinnern wird, wurden heute in den Gedenkstätten Ravensbrück und Sachsenhausen Kränze und Blumen niedergelegt sowie Videobotschaften und musikalische Beiträge aufgezeichnet.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters und die brandenburgische Kulturministerin Manja Schüle legten am Vormittag in der Gedenkstätte Ravensbrück Kränze und Blumen nieder und sprachen Grußbotschaften. Ein weiterer Redebeitrag kam von der Schriftstellerin Adriana Altaras, die Kantorin Mimi Sheffer betete den Kaddisch. Am Nachmittag legten Kulturministerin Manja Schüle und der Vizepräsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees Andreas Meyer am Gedenkort „Station“ Z in der Gedenkstätte Sachsenhausen Kränze nieder und sprachen ebenfalls Grußbotschaften. Mitglieder des aus der TV-Serie „Babylon Berlin“ bekannten Moka Efti Orchestra interpretierten auf dem historischen Gelände das „Moorsoldatenlied“.

Die so entstandenen Videos werden an diesem Sonntag im Rahmen eines umfangreichen Online-Programms über die Social-Media-Kanäle der Gedenkstätten und die Homepage der Stiftung verbreitet. Nachdem die ursprünglich vom 17. bis 21. April geplanten umfangreichen Veranstaltungsprogramme aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten, erinnern die Gedenkstätten Sachsenhausen, Ravensbrück, Below und Brandenburg-Görden mit diesem „virtuellen 75. Jahrestag“ an die Befreiung der Häftlinge der Konzentrationslager und anderer Haftorte vor 75 Jahren. Dazu werden am 19. April zahlreiche Videobotschaften von Überlebenden und Politikern veröffentlicht, aber auch Clips über künstlerische und pädagogische Projekte, die Bestandteile der ursprünglich geplanten Veranstaltungsprogramme waren.

In einer Grußbotschaft sagte Axel Drecoll, Stiftungsdirektor und Leiter der Gedenkstätte Sachsenhausen: „Zu unserem großen Bedauern sind 75 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Sachsenhausen persönliche Begegnungen mit den Überlebenden nicht möglich. Gerade heute, in einer Zeit, in der fremdenfeindliche und rassistische Bewegungen in Deutschland und Europa an Stärke gewinnen, ist die Aufarbeitung der NS-Verbrechen von fundamentaler Bedeutung. Dabei ist es vor allem wichtig, die Stimmen derer zu hören, die den Terror der Konzentrationslager überlebt haben. Es sind diese persönlichen Erfahrungen, die uns das menschenverachtende System der nationalsozialistischen Machthaber besonders eindrucksvoll vor Augen führen. Sie helfen uns dabei, unsere Zukunft auf den Fundamenten von Solidarität, der Achtung von Vielfalt und dem Respekt gegenüber jedem Mitmenschen zu gestalten“, sagte Drecoll.

Insa Eschebach, Leiterin der Gedenkstätte Ravensbrück, sagte: „Der Prozess der europäischen Verständigung war eine Antwort auf die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges. Viele der Frauen, die im KZ Ravensbrück gefangen waren, sind in der Nachkriegszeit politisch aktiv geworden und haben sich für europäische, internationale und humanitäre Belange – oft über den Eisernen Vorhang hinweg – engagiert. Ihre Kinder und Kindeskinder in Israel, in Ost- und Westeuropa erinnern sich an das Schicksal ihrer Mütter und Großmütter und sind der Gedenkstätte Ravensbrück – teilweise schon seit Langem – verbunden. Wir – auf deutscher Seite – sind dankbar für diese Freundschaften, die uns international entgegengebracht werden“, so Eschebach.

Im KZ Sachsenhausen befreiten sowjetische und polnische Soldaten am 22./23. April 1945 rund 3.000 von der SS zurück gelassene kranke Häftlinge, während sich mehr als 30.000 Häftlinge auf einem Todesmarsch befanden, bei dem mindestens 1.000 von ihnen umkamen. Während des Todesmarsches mussten mehr als 16.000 Häftlinge im Belower Wald bei Wittstock mehrere Tage lang ohne jede Versorgung unter freiem Himmel lagern. Im KZ Ravensbrück wurden am 30. April 1945 rund 2.000 Häftlinge von der Roten Armee befreit. Zuvor hatte die SS mehr als 20.000 Häftlinge auf einen Todesmarsch geschickt. Im Zuchthaus Brandenburg-Görden befreite die Rote Armee am 27. April 1945 mehr als 3.000 Gefangene.

Das RBB-Fernsehen überträgt am Sonntag, 19. April 2020, um 10.15 Uhr einen Ökumenischen Gedenkgottesdienst zum Gedenken an die Befreiung des KZ Sachsenhausen aus der Gedenkkirche Maria Regina Martyrum in Berlin-Charlottenburg. Um 11.00 Uhr folgt die Sendung „Gedenken in Sachsenhausen und Ravensbrück“.

Hinweis für die Medien

Der RBB bietet interessierten Medien nach den Aufzeichnungen Poolmaterial (Bewegtbild) des Gedenkens in Ravensbrück und Sachsenhausen für die tagesaktuelle Berichterstattung an. Ab 16.30 Uhr liegen ca. 20 Minuten Zusammenschnitt der Gedenkzeremonien und Statements vor. Interessierte wenden sich bitte an die Produktionsleitung (Frau Marit Loeffler, marit.loeffler@rbb-online.de). Das Poolmaterial steht über die ARDZDF Box zur Verfügung.

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