Nicht schummeln, Liebling!

Bis Mitte der 1980er Jahre standen Taxifahrer und Taxameter in der DDR auf Kriegsfuß. Die Nachfrage nach dieser Art der Personenbeförderung überwog in der Planwirtschaft das Angebot bei Weitem und sowohl die staatlichen als auch die privaten Taxibetriebe mussten mit knappen Kontingenten für Treibstoff, Reifen und Ersatzteile auskommen.
 
Abgerechnet wurde überwiegend nach dem Kilometerstand auf dem Tachometer und über ein Fahrtennachweisbuch: Manipulationen gehörten zum Überleben des Gewerbes. Taxameter wurden von den Taxi-Unternehmen oft mit dem Argument wirtschaftlicher Gängelung abgelehnt oder von den Fahrern sogar still sabotiert. Erschwerend für ein einheitliches Abrechnungssystem kam hinzu, dass es trotz mehrfacher Anläufe keinen Hersteller dieser Messgeräte im eigenen Land gab und importierte Fabrikate den Bedürfnissen des DDR-Tarifsystems nicht entsprachen.

1980 beauftragte schließlich das Ministerium für Verkehrswesen das ihr direkt unterstellte Wissenschaftlich-Technische Zentrum des Kraftverkehrs (WTZK) in Dresden mit der Entwicklung eines Bordrechners für Taxen. Die zwischen 1982 und 1984 konstruierten Typen des Taxameters BOTAX 80 waren technisch auf dem Stand der Zeit und wurden von einem Mikroprozessor gesteuert. Mehr als 12 000 Stück davon fertigte bis zum Ende der DDR das Wissenschaftlich-Technische Produktionszentrum Mikroelektronik (WTPM) der Deutschen Reichsbahn in Meiningen. Damit konnten nahezu alle Taxen der DDR mit dem System ausgerüstet werden.

Vertreter des ehemaligen WTZK-Entwicklerkollektivs übergeben den Technischen Sammlungen Dresden am Freitag, dem 12. Oktober 2018, ein noch funktionsfähiges Exemplar des BOTAX 80. In Anwesenheit des Direktors von VEB Taxi Dresden, der damals die Praxiserprobung leitete, wird die Geschichte dieses Paares, das lange Zeit nicht zueinanderfinden wollte, noch einmal lebendig.

Dr. Ralf Pulla, Kustos für Informations- und Kommunikationstechnik

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